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Magazin / Gesellschaft / Frauen / Artikel | 31.03.2008
Frauen in Spanien
von Elizabeth Villagómez
In Spanien hat sich seit dem Ende der Diktatur im Jahr 1974 ein großer Fortschritt in der Gleichberechtigung von Mann und Frau vollzogen. Dieser Prozess ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Elizabeth Villagomez beschreibt die Entwicklung und zeigt die tatsächliche Situation von Frauen anhand von Zahlen und Fakten.
Das Vordringen von Frauen in alle Bereiche in Spanien seit der Wiedereinführung der Demokratie im Jahr 1976 kann als spektakulär bezeichnet werden. Die seit 1974 nach der langen und harten Diktatur bewirkten politischen und sozialen Veränderungen und der Eintritt Spaniens in die Europäische Gemeinschaft im Jahr 1986 sind für die Situation der Frauen bahnbrechende Ereignisse, da zusammen mit der spanischen Verfassung von 1978 Gesetze zur Gleichberechtigung von Mann und Frau eingeführt worden sind.

Offensichtliche gesetzliche Ungerechtigkeiten und der soziale Druck aus In- und Ausland hatten bereits vor dem Tod des Diktators einige Änderungen in der Gesetzgebung erforderlich gemacht, die auf die Anerkennung von Frauen als "Erwachsene" zielten und sie aus der Vormundschaft ihrer Väter, Ehemänner oder Brüder befreiten, welche bei Beginn des demokratischen Wandels voll ausgeprägt und verfestigt war.
Die später erfolgte Änderung der europäischen Gesetzgebung in diesem Punkt war ein weiterer Schritt zur Verbesserung der Rechte und der Gleichberechtigung von Frauen. Außerdem unterzeichnete Spanien das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW), welches 1979 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen zusammen mit seinem optionalen Protokoll angenommen worden ist, sowie die Pekinger Erklärung und die Aktionsplattform von 1995, ihre nachfolgende Implementierung, Korrektur und Folgemaßnahmen. Unter der sozialistischen Regierung von 2004-2008 wurde in jüngerer Zeit eine Reihe von Gesetzen eingeführt und andere wurden geändert, um die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen zu stärken. Zu den wichtigsten zählten das Umfassende Gesetz gegen geschlechterbezogene Gewalt und das Effektive Gesetz zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern (welches zahlreiche Änderungen an einer Reihe bereits bestehender Gesetze enthält und für Frauen wie für Männer neue Rechte einführt, wie beispielsweise die Vereinbarkeit von Beruf und Familie). Diese Teile der Gesetzgebung stellen zwar einen Fortschritt dar, unter dem Einfluss wiedererstarkender religiöser und konservativer Gruppen werden jedoch gegenwärtig andere Gesetze zu Fortpflanzungsrechten vor dem Hintergrund von Verhaftungen von Frauen und dem Schließen von Abtreibungskliniken, die möglicherweise die gesetzlichen Fristen zum Schwangerschaftsabbruch überschritten haben, erneut geprüft.
Auf der Grundlage offizieller Statistiken, die öffentlich verfügbar sind, sowie offizieller und anderer Berichte von privaten und öffentlichen Forschern oder Frauenrechtsgruppen wird auf den folgenden Seiten ein statistischer Abriss und eine Analyse der Entwicklung der Frauen und ihrer gegenwärtigen Situation gegeben. Der wichtigste Aspekt, der immer berücksichtigt werden sollte, besteht darin, dass der sich zeigende durchschnittliche Fortschritt unter den Frauen nicht gleichmäßig verteilt ist, wenn man Alter, Nationalität, ethnische Gruppe, sozio-ökonomische Klasse, Behinderung, Wohnort, sexuelle Ausrichtung, Familienstand usw. einbezieht. Anders ausgedrückt kann die Position von Frauen gegenüber Männern in einigen dieser Gruppen besser sein oder - in den meisten Fällen - schlechter. Wo immer entsprechende Daten verfügbar sind, fließen diese Unterschiede in die Betrachtung mit ein. Der Ansatz ist, den Fortschritt aufzuzeigen, aber auch auf die Gebiete hinzuweisen, wo immer noch auf eine Verbesserung hingearbeitet werden muss.
Demographie
Der natürliche Bevölkerungszuwachs (Differenz aus Sterbe- und Geburtenrate) zeigte bis zum Jahr 2000, wie in den meisten EU-Ländern, einen größeren Anteil an Frauen als an Männern, was an der längeren Lebenserwartung von Frauen liegt[1]. Überdies hat Spanien im Vergleich zum EU-Durchschnitt die bei weitem höchste Lebenserwartung, insbesondere bei Frauen. Der seit 1998 starke Zustrom von Einwanderern hat jedoch bis 2006 das Verhältnis zu Gunsten der Männer verändert. Das Durchschnittshalter spiegelt den Bevölkerungswandel am besten wider, da die Einwanderer im Durchschnitt jünger sind (siehe Tabelle 1). Der Prozentsatz einwandernder Frauen lag jedoch bis Ende 2006 bei über 50 % des Gesamtanteils der Einwanderer, wobei sich starke Unterschiede nach dem Herkunftsgebiet zeigten. Diese Unterschiede sind auch aus Tabelle 1 ersichtlich.
Table 1. Basic demographic data, 2006
| Gesamtanzahl Einwanderer | EU | Übrige EU | Lateinamerika | Übrige Welt | |
| (in Tausend) | |||||
| Männer | 1956.3 | 316.9 | 335.5 | 793.6 | 510.2 |
| Frauen | 1969.8 | 313.7 | 375.3 | 965.1 | 315.7 |
| Altersgruppen | Spanische Bevölkerung (Prozentsatz) |
Einwanderer (Prozentsatz) |
|
| Männer | 0 bis 15 | 16.77 | 9.16 |
| 16 bis 24 | 10.77 | 14.10 | |
| 25 bis 34 | 16.63 | 31.06 | |
| 35 bis 44 | 15.87 | 24.30 | |
| 45 bis 54 | 13.56 | 11.10 | |
| 55 und älter | 26.41 | 10.28 | |
| Frauen | 0 bis 15 | 15.46 | 9.28 |
| 16 bis 24 | 9.76 | 16.56 | |
| 25 bis 34 | 14.90 | 30.76 | |
| 35 bis 44 | 15.20 | 20.41 | |
| 45 bis 54 | 13.17 | 11.36 | |
| 55 und älter | 31.50 | 11.63 | |
| Quelle: EPA (LFS), INE | |||
Seit 1978 war in Spanien bei der durchschnittlichen Kinderzahl pro Frau zwischen 15 und 49 Jahren eine negative Entwicklung von damals 2,8 auf 1,16 im Jahr 1998 zu verzeichnen. Seitdem hat sich dieser Indikator, gleichzeitig mit dem starken Zustrom von Einwanderern, auf 1,34 im Jahr 2005 verbessert. Die Geburtenrate ist bei den eingewanderten Frauen, wie auch bei Frauen mit Roma-Hintergrund [2], größer als bei der übrigen spanischen Bevölkerung. Im Jahr 1998 stellte die Gesamtgeburtenanzahl von eingewanderten Frauen 4,2 % der Geburten insgesamt dar, und bis zum Jahr 2004 erreichte dieser Anteil einen Wert von 13,9 %. Es sei auch darauf hingewiesen, dass bei den spanischen Frauen das Durchschnittsalter für die erste Schwangerschaft von 28,8 Jahren im Jahr 1975 auf 30,9 Jahren im Jahr 2004 angestiegen ist. Dagegen ist die Anzahl von Abtreibungen seit 1995 von 5,5 pro 1000 Frauen bis 2004 auf 8,94 gestiegen. Der stärkste Zuwachs war bei Minderjährigen unter 15 Jahren (135 % zwischen 2000 und 2004) und Jugendlichen zwischen 15 und 19 (29 %) zu verzeichnen.
Bei der Zusammensetzung der Familien ist die Kernfamilie (verheiratet mit oder ohne Kindern) die verbreitetste Familienform. Andere Familienformen haben jedoch zugenommen, besonders die Einpersonenhaushalte (zumeist ältere Frauen), Haushalte mit Alleinerziehenden (zumeist ebenfalls mit Frauen, zunehmend jedoch auch mit Männern) sowie unverheiratete Paare und gleichgeschlechtliche Paare. Die Anzahl von Eheschließungen pro 1000 Einwohner ist außerdem von 7,6 im Jahr 1975 auf 4,8 im Jahr 2005 gesunken, während die Scheidungsrate zwischen 1994 und 2005 um 243 % gestiegen ist.
Frauen haben in Spanien also weiter eine der höchsten Lebenserwartungen in der EU, eine der geringsten Fruchtbarkeitsraten (was sich infolge der Einwanderung ändert) und stehen einem Alleinerziehenden-Haushalt wahrscheinlicher vor als Männer. Wie wir weiter unten untersuchen werden, werden diese demographischen Zahlen durch andere dramatische sozio-ökonomische Entwicklungen, die im Verlauf der letzten 30 Jahre stattgefunden haben, angetrieben und beeinflusst.
[1] Dieser Abschnitt basiert weitestgehend auf der Veröffentlichung "Frauen und Männer in Spanien 2007" des nationalen Statistikinstituts sowie auf statistischen Daten desselben Instituts, die von dem Autor berechnet worden sind. Es wurden auch die Sonderuntersuchung zum Anteil der Roma-Bevölkerung sowie Behinderter herangezogen. Für weitere Einzelheiten sei auf den Abschnitt Literatur verwiesen.
[2] Obwohl keine exakten offiziellen Zahlen verfügbar sind, hat eine jüngste sozio-ökonomische Studie der spanischen Roma-Bevölkerung gezeigt, dass der Anteil von Kindern zwischen 0 und 9 Jahren 17 % der Bevölkerung darstellt, verglichen mit 9,4 % der spanischen Bevölkerung.
Elizabeth Villagómez, is Senior partner, Almenara Estudios Económicos y Sociales, S.L.
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Original in Englisch
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