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Magazin / Gesellschaft / Holocaust- Leugnung / Artikel | 18.04.2007

Eine integrierte Geschichte des Holocaust

von Saul Friedländer


Die Geschichte des Holocaust beschränkt sich nicht nur auf deutsche Entscheidungen und Maßnahmen. Eine integrierte historische Erzählung ist deshalb notwendig, die auch die jüdische Perspektive miteinbezieht, so der Autor.


Dass eine integrierte Geschichte des Holocaust notwendig ist, wurde mir erstmals im Laufe der Mitte und Ende der 1980er Jahre geführten Debatten klar. Ausschlaggebend war insbesondere die Auseinandersetzung mit Martin Broszat über das 1985 von ihm vorgelegte "Plädoyer für eine Historisierung des Nationalsozialismus".

Mahnung im Herzen Berlins: Das Stelenfeld von Peter Eisenman erinnert an die Opfer des Holocaust.
Foto: stock.xchng


Eines der Argumente Broszats richtete sich gegen die traditionelle Schwarzweißdarstellung des Dritten Reiches, an deren Stelle ein Bild in abgestuften Grautönen treten sollte. Broszats kaum verhüllter Subtext, der im Zuge unseres 1988 geführten Briefwechsels zutage trat, besagte, die Wahrnehmung der jüdischen Überlebenden von dieser Vergangenheit sei ebenso wie die ihrer Nachkommen zwar "achtenswert", aber sie stelle doch eine mythische Erinnerung dar, die einer rationalen deutschen Geschichtsschreibung ein Hindernis in den Weg lege, das zu einer Vergröberung führe.

Diese Auffassung verewigte die intellektuelle Abtrennung der Geschichte der Juden während der NS-Zeit und überließ ihre Bearbeitung bestenfalls jüdischen Historikern. Meine Arbeit,[1] mit der ich 1990 begann, sollte zeigen, dass im Hinblick auf den professionellen Umgang mit diesem Gegenstand eine Unterscheidung zwischen Historikern unterschiedlicher Herkunft nicht gerechtfertigt ist; sämtliche Historiker, die sich mit diesem Thema befassen, müssen sich über ihre unvermeidlich subjektive Herangehensweise im Klaren sein und genügend selbstkritische Einsicht aufbringen können, um diese Subjektivität unter Kontrolle zu halten. Mir kam es in erster Linie darauf an, auch die jüdische Dimension in eine integrierte historische Erzählung einzubeziehen.

In dieser kurzen Darstellung befasse ich mich zunächst mit dem Begriff einer integrierten Geschichte des Holocaust, wende mich dann einigen Entscheidungen hinsichtlich der Erzählweise und der Interpretation zu, die ein derartiger Ansatz erforderlich macht, und schildere schließlich einige Probleme, die bei dieser Form der Geschichtsdarstellung auftreten können.

[1] Vgl. Saul Friedländer, Das Dritte Reich und die Juden. Erster Band: Die Jahre der Verfolgung. 1933 - 1939; zweiter Band: Die Jahre der Vernichtung. 1939 - 1945, München 1998/2006.

 

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Saul Friedländer
Dr. phil., geb. 1932; Professor für Geschichte (emeritus) an der Universität Tel Aviv/Israel und an der University of California, Los Angeles/USA.
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Übersetzung
Dr. Martin Pfeiffer

Original in Englisch

Veröffentlicht am 02.04.2007

Erstveröffentlichung in Aus Politik und Zeitgeschichte 14-15/2007

© Bundeszentrale für politische Bildung

 

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