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Magazin / Kultur / Singen! / Kommentar | 21.05.2008
Musikpiraten
von Peter Szendy
Nur wer aktiv hört und eventuell auch Musik dabei klaut - wie heutige DJs - ist ein echter Hörer, findet der französische Musikphilosoph Peter Szendy.
Man kennt sie gut, diese Hörer, die im Internet hier und da Kommentare austauschen, sich gegenseitig Musikbrocken schicken und stehlen, diese Struktur, die dem zeitgenössischen Hören im Netz zugrunde liegt, diese Praxis des "peer to peer", die wahrscheinlich mit Napster begonnen hat.

Andere illegale Seiten tauchten seitdem auf, bis sie zensiert wurden oder in die Legalität zurückkehrten und kostenpflichtig wurden. Weil die Medien so sehr darauf herumreiten, vergisst man gerne, dass in der Geschichte des Hörens diese Strukturen Vorläufer haben.
Diebstahl erlaubt
Denn im Jahr 1757 erklärte ein gewisser Friedrich Wilhelm Zacharias ohne Umschweife, dass er als "erster Deutscher, gar als erster in der Welt, der sich um die musikalische Räuberey verdient gemacht habe", anerkannt werden wolle. Und vier Jahre vorher hatte Carl Philipp Emanuel Bach 1753 in seinem "Versuch, über die wahre Art Clavier zu spielen" ebenfalls bestätigt, dass das Hören "eine Art erlaubter Diebstahl" sei.
Warum provozieren uns heute diese Aussagen, die doch so alt sind und zu ihrer Zeit so ehrwürdig waren? Weil zweifellos die Romantik und danach die Moderne uns vergessen gemacht haben, dass Hören auch eine Tätigkeit ist. Der Hörer gilt heute als jemand, der zufrieden ist, etwas Hörbares passiv zu empfangen.
Der Spur folgen
Aber wenn das Hören im Gegensatz dazu als eine Aktivität verstanden werden soll, verweist es uns notwendigerweise auf dunklere - und leidenschaftlichere - Zonen der Rechtsgeschichte der Musik, auf ihre Schattenseiten: Plagiate, Zitate, Unterschlagung... Wenn das Hören etwas Performatives ist, muss in der Tat irgendetwas mit dem ursprünglichen Kunstwerk geschehen. Ein Hören, das dieser Bezeichnung würdig ist, muss daher das Kunstwerk berühren, auf die eine oder andere Art und Weise. Und es muss auch das Rechtssystem berühren, das die Integrität des Kunstwerks ja eigentlich bewahren soll.
Aber die zeitgenössische Hörtechnik ermöglicht es anderen, dem aktiven Hörer - wie beispielsweise einem DJ, der für seine Remixe bei anderen plündert - auf seiner Hörspur zu folgen. Er setzt sich der Gefahr aus, abgehört und überwacht zu werden, einzig durch die Geste, die sein Hören aktiv macht und es kennzeichnet. Das heutige Hören scheint mit dem Paradox zu ringen, das ich als "Ästhetik der Spionage" versucht habe zu beschreiben: Der Hörer, der dieser Bezeichnung würdig ist, der so stark und aktiv hört, wie es das Verb "hören" meint, riskiert auch, sich beim Abgehörtwerden - sei es zum Guten oder zum Schlechten - wiederzufinden.

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Original in Französisch
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