szmtag

28.08.2008

euro|topics illustration
euro|topics
 

Navigation

Presseschau | 20.05.2008

 

TOP-THEMA

Weg frei für Mensch-Tier-Embryonen

Weg frei für Mensch-Tier-Embryonen

 

Nach einer heftig geführten Diskussion hat das britische Unterhaus den Weg für die Herstellung von Mensch-Tier-Embryonen frei gemacht. Eine neue "Frankenstein-Wissenschaft" oder Durchbruch für die Stammzellenforschung? Europas Presse diskutiert.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
La Stampa - Italien, Cicero - Deutschland, The Sun - Großbritannien

La Stampa - Italien

"Wir sind weit davon entfernt, mythologische Kreaturen wie den Minotaurus, die Sphinx oder die Chimäre zu gebären. Die Forschung bleibt auf dem Gebiet des Zytoplasmas und plant keine Vermischung von menschlicher und tierischer DNS in der Stammzelle. Dennoch wurden Stimmen laut, die fürchten, die Wissenschaftler könnten die Kontrolle über ihre hybriden Wesen verlieren, wie es Doktor Frankenstein geschehen ist. In Wahrheit ist die gestrige Zustimmung von Westminster eine wichtige Öffnung einer Grenze der Wissenschaft, die den Mangel an menschlichen Embryonen für die Forschung und die mit ihrer Verwendung verbundenen ethischen Probleme abschwächt. ... Die Zahl der nötigen Eizellen für eine Reihe von Experimenten ist extrem hoch und die einzige Alternative zur Schaffung von hybriden Zellen war, Frauen einer gigantischen Hormonkur zu unterziehen, um Tausende von Eizellen zu produzieren." (20.05.2008)

Cicero - Deutschland

"Die Spaßverderber von der katholischen Kirche haben sich schon zu Wort gemeldet und zu bedenken gegeben, dass das Rumexperimentieren am menschlichen Erbgut und an Embryonen gegen die Menschenwürde und die biblische Lehre vom Menschen verstößt. Für die Forscher mögen diese Rufe aus einer alten Welt sein. Für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaften sind sie indessen ein Menetekel: Wie halten wir es mit der Menschenwürde? Die Suche nach Therapiemöglichkeiten für die Heilung von Krankheiten sind ein abstraktes Ziel. Diesem steht im konkreten Fall der Verbrauch und Verschleiß von belebten und zu vollem Leben entfaltbaren Embryonen gegenüber und das Herabsetzen des menschlichen Lebens, kulminiert in seinem Erbgut, zu einer Versuchsmasse im Reagenzglas. ... Diese Chimäre steht für die Hybris des forschenden Menschen, der in seinem Forscherdrang so sein will wie Gott. Hier gibt es Entsprechungen in der Tradition, die von Adam bis zu Dr. Frankenstein reichen. An der Nichteinlösbarkeit des Versprechens, das sich der hybrische Mensch selbst gegeben hat, geht er in der Regel zugrunde - Adam fliegt aus dem Paradies und Dr. Frankenstein kommt im ewigen Eis zu Tode. Die Vergottung des Menschen durch sich selbst ist ihm, dem Menschen, noch selten gut bekommen. Der Mensch an sich ist eben nur ein Mensch und kein Gott." (20.05.2008)

The Sun - Großbritannien

Unter der Überschrift "Richtige Entscheidung" beschäftigt sich die Boulevardzeitung The Sun mit der Entscheidung des Unterhauses, neue Wege in der Stammzellenforschung zu beschreiten. "Gordon Brown und [der Parteichef der Konservativen] David Cameron haben ihre Meinungsverschiedenheiten, aber sie stimmen zu Recht überein in ihrer Unterstützung für Embryo-Forschung. Beide haben Kinder mit Krankheiten, die eines Tages durch Stammzellenforschung geheilt oder verhindert werden können. ... Die Wissenschaft schreitet in einem Tempo voran, das wir vorher nie gesehen haben. Es ist entscheidend, dass ihre Entwicklung streng reguliert wird, um Missbrauch zu verhindern. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass diese Art von Wissenschaft möglicherweise den Schlüssel zu überwältigenden Verbesserungen unserer Lebensqualität bietet. In den kommenden Jahren werden wir einen Durchbruch sehen, der uns alle begünstigt. Das ist Fortschritt. Wir müssen seinen Vormarsch kontrollieren aber uns in Acht nehmen, nicht in seinem Weg zu stehen." (20.05.2008)

POLITIK

Le Figaro - Frankreich

Kein Konsens bei Genmanipulation

Die Tageszeitung Le Figaro kommentiert den Streit über ein Verbot genmanipulierter Organismen in Frankreich: "Von der leidenschaftlichen Debatte haben sich die Wissenschaftler verabschiedet. Sie überlassen es Politikern und Verbänden, einen unerreichbar scheinenden Konsens auszuarbeiten. Französische Wissenschaftler anerkannter Institutionen haben keineswegs prinzipielle Einwände gegen die Technologie. ... Umfragen zeigen zwar, dass die - auch ohne genetisch veränderte Pflanzen gut genährten - Franzosen mehrheitlich dagegen sind. Aber was wird in zehn Jahren passieren? Genmanipulierte Organismen verbessern die Maisernte erheblich. Bedenkt man die steigende Nachfrage nach Getreide, werden die Länder mit der besten Ernte am wettbewerbsfähigsten sein. Französisches Getreide, das zu teuer ist, wird dagegen immer weniger Abnehmer finden." (19.05.2008)

Lluís Foix Blog - Spanien

Unmoralische Politik

Der ehemalige Chefredakteur der spanischen Tageszeitung La Vanguardia, Lluís Foix, kommentiert eine diplomatische Auseinandersetzung zwischen Spanien und Italien: "Die Vizeregierungschefin María Teresa Fernández de la Vega attackierte die ausländerfeindliche Gewalt ..., die von der Regierung Berlusconi unterstützt wird. Die Aussagen erschienen mir angemessen." Der Journalist bedauert jedoch, dass die Politikerin ihre Kritik schon nach Stunden abgeschwächt habe: "Einmal mehr hat die Realpolitik über die Moral ... gesiegt. ... Der Westfälische Frieden begründete 1648 die Souveränität der Staaten. Damit sollten Kriege verhindert werden, aber die Kriege haben seitdem nicht geendet. Im Hinblick auf Italien und die Einwanderung ... sollte man nie vergessen, dass man zuerst die Personen sehen muss, die als solche behandelt werden müssen, woher sie auch kommen, was sie auch denken, und wie auch immer ihr Aufenthaltsstatus aussieht. Wenn Europa diese Prinzipien verliert, wäre das ein großer Rückschritt." (20.05.2008)

De Volkskrant - Niederlande

Homosexualität in der Partei

Die christdemokratische Christenunie, eine der drei Regierungsparteien in den Niederlanden, diskutiert die Frage, ob Homosexuelle in dieser Partei politische Funktionen ausüben dürfen. Eine Parteikommission stellte nun dazu einen Bericht vor. "Der Bericht zeigt eine große Verlegenheit", meint die Tageszeitung De Volkskrant. "Frei übersetzt: Homosexualität darf sein, aber lieber nicht zu auffällig. Die umständlichen Formulierungen sind nicht zuletzt eine Folge der Meinungsunterschiede in den eigenen Reihen. Die Kommission hält dabei die Kirche geschickt heraus. Niemand kann behaupten, dass die Christenunie homosexuelle Kandidaten von vornherein ausschließt, während die orthodoxen Anhänger mit sparsamen Formulierungen zufrieden gestellt werden. ... Wenn der Parteitag nun doch homosexuelle Kandidaten ablehnt, kann das die Partei in große Schwierigkeiten bringen. Die Christenunie könnte ihr Recht auf Subventionen verlieren. ... Außerdem hat eine Partei, die das in der Verfassung verankerte Verbot von Diskriminierung überschreitet, in der Regierung nichts zu suchen." (20.05.2008)

Dnevnik - Slowenien

Ein neuer Stern Europas?

Am Donnerstag finden in Slowenien Gespräche zwischen der EU-Troika und der Ukraine über ein neues Abkommen über Partnerschaft und Zusammenarbeit statt. Kiew hat dabei laut Aleš Gaube ein klares Ziel: "Die Ukraine möchte ein Stern Europas werden". Doch "konkrete und große Verschiebungen sind bei diesem Treffen ... nicht zu erwarten. Das entscheidende Ereignis für die zukünftigen Beziehungen zwischen der EU und der Ukraine, vielleicht sogar das Versprechen auf eine volle Mitgliedschaft, findet im September unter französischem EU Ratsvorsitz statt. ... Nach dem letzten Beitritt neuer Staaten ... ist die Gemeinschaft neuer Erweiterungen müde geworden. ... Umso wertvoller für Kiew ist deshalb die kürzliche Rede des slowenischen Präsidenten Danilo Türk, der sich für eine klare Chance einer Mitgliedschaft der Ukraine ausgesprochen hat. Doch sieht es derzeit trotz der Bemühungen der Ukraine nicht sehr gut aus." (20.05.2008)

REFLEXIONEN

Revista 22 - Rumänien

Die Rolle der Intellektuellen in Osteuropa

Der rumänische Schriftsteller Horia-Roman Patapievici kommentiert in einem Interview die Rolle der Intellektuellen in Osteuropa: "Es gibt einige, die ähnliche Todesfälle deklarieren wie einst Roland Barthes, den 'Tod des Autors' oder Michael Foucault den 'Tod des Menschen', und die jetzt sagen, dass mit dem Fall des europäischen Kommunismus der Tod der Intellektuellen kam. Das ist eine Dummheit. ... Sicher, es könnte sein, dass die Intellektuellen nicht mehr solch eine prominente Rolle spielen wie noch im 20. Jahrhundert (wenngleich sie häufig auch hier eine erbärmliche Rolle einnahmen). Doch zu sagen, dass Intellektuelle keine Rolle mehr spielen, bedeutet, den Bürgern ihren Intellektuellen-Status abzuerkennen. ... Der Groll gegen die Intellektuellen rührt von der Idee her, dass intellektuell zu sein angeblich ein Privileg ist und viele, die zwar studiert, und in den Medien zu sehen und zu hören sind, aber nicht von dem 'Privileg' profitieren, zu den Intellektuellen zu gehören, wollen es abschaffen. Doch intellektuell zu sein, bedeutet keineswegs, einen Freipass zu besitzen, publikumswirksam oder bekannt oder berühmt zu werden." (20.05.2008)

El País - Spanien

Reaktion auf Neoliberalismus-Krise

Der ehemalige Premierminister und Präsident Portugals, Mário Soares, analysiert in der spanischen Tageszeitung El País die Notwendigkeit, auf die aus den USA kommende Krise des neoliberalen Wirtschaftsmodells zu reagieren: "Der Neoliberalismus ... ist am Ende. Ähnlich wie die ehemalige Sowjetunion ist er an seinen eigenen Widersprüchen gescheitert. Und die Auswirkungen der Mehrfach-Krise aus den USA erreichen Europa in einem Moment des politischen und strategischen Stillstands, der es daran hindert, zu reagieren. Wie kann die überzeugte Europäerin Frau Merkel Europa angesichts des unseligen Dreiecks Brown, Sarkozy und Berlusconi stärken? Nur eine gemeinsame Mobilisierung der europäischen Öffentlichkeit kann die Regierenden zur notwendigen Regulierung der Globalisierung ... bewegen. Vor 40 Jahren, im Mai 1968, erlebten wir die unerwartete, große Revolte der Studenten und Arbeiter, ... die De Gaulle erzittern ließ. ... Verlieren wir also nicht die Hoffnung." (20.05.2008)

WIRTSCHAFT

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Wirtschaftlicher Exodus?

Vor dem Hintergrund der Bankenkrise und der Dollarschwäche überlegt die Tageszeitung Neue Zürcher Zeitung, ob sich ausländische Firmen aus den USA zurückziehen sollten. "Die enormen Handelsbilanzdefizite der USA laufen praktisch ungebremst weiter, die Zinsen werden beim geringsten Finanzengpass durch die Notenbank gesenkt. ... Der Großinvestor Warren Buffett will künftig seine Milliarden in Europa und in US-Firmen mit großem Auslandsumsatz anlegen. ... Die Weltwirtschaft ist multipolar geworden, das relative Gewicht der USA stark gefallen. ... Außerdem erodieren Währungspolitik, Finanzmarktpraktiken und Rechtssicherheit aus eigener Schuld. ... Wer an der heutigen US-Politik zweifelt, hat wieder Alternativen. Die imperiale Wirkung der USA beruht nur teils auf dem Militär. Teils beruht sie aber auf der Macht, die Spielregeln in Wirtschaft, Handel und Währung zu setzen. Diese Rolle ist hochgradig gefährdet." (19.05.2008)

KULTUR

The Guardian - Großbritannien

Snobistische Haltung zum Eurovision Song Contest

Auf der Webseite der Tageszeitung Guardian analysiert Keith Kahn-Harris die Haltung von Großbritannien und Irland gegenüber dem Gesangswettbewerb Eurovision und findet sie sehr snobistisch: "In Großbritannien sieht man den Eurovision als ein Fernseh-Fest, das so schlecht ist, dass es schon wieder gut ist, in dem naive Kontinentaleuropäer ihr charmantes Unverständnis gegenüber der anglo-amerikanischen Musik-Sprache demonstrieren. ... Als die früheren osteuropäischen Blockstaaten dem Wettbewerb beitraten, haben sie ihre besten kreativen Talente eingebracht. ... Ein großer Anteil des Misserfolges von Großbritannien (und auch Irland) ist ein Resultat der Mittelmäßigkeit ihrer Beiträge. ... Die Haltung von Großbritannien und Irland gegenüber dem Eurovision - einst geprägt von liebenswürdigem, freundlichem Spott - sieht zunehmend gereizt aus, wie eine absichtliche Selbstsabotage. ... Wir können uns nicht länger anmaßen, dass Europa Großbritannien beachtet und respektiert, ohne einen Versuch zu unternehmen, auf den Rest von Europa zuzugehen und zu kommunizieren." (20.05.2008)

MEDIEN

De Morgen - Belgien

Vorbild von Wikipedia

Der Dozent für englische Literatur an der Universität Antwerpen, Gert Morreel, befasst sich mit den Argumenten der Kritiker der Internet-Enzyklopädie Wikipedia und nennt historische Vorbilder. "Während sich alle Aufmerksamkeit der Konkurrenz auf Genauigkeit und Objektivität richtet, wird außer Acht gelassen, was Wikipedia einzigartig macht: Die Gründer gingen nicht von einem abstrakten System von Gültigkeitskritierien aus, sondern von einem dynamischen Modell, in dem Wissen entsteht und sich durch die Überschneidung von verschiedenen Standpunkten ständig weiterentwickelt. ... Am besten knüpft diese Vision noch bei dem radikalsten aller Vorgänger an: Der Enzyklopädie von Denis Diderot und Jean Le Rond d'Alembert. Anders als sein Mitredakteur hatte Diderot keine ideale, statische Wissensordnung im Blick, sondern einen permanenten Prozess von sozialer und intellektueller Interaktion. ... Internet-Enzyklopädien und Suchmaschinen können uns [bei der Navigation] helfen, aber die Route durch den Strom bleibt persönlich. Was Wissen für uns bedeutet, müssen wir immer noch selbst lernen." (20.05.2008)

SPORT

Népszabadság - Ungarn

Olympische Spiele und Politik

Vor dem Hintergrund des Freiheitskampfes der Tibeter und der Olympischen Spiele in Peking reflektiert Csaba Gombár über das Verhältnis von Sport und Politik: "Die Argumentation all jener, die die Olympischen Spiele in Schutz nehmen, lautet wie folgt: Vermischen wir den Sport nicht mit der Politik. In Ordnung. Niemand behauptet, dass der Stabhochsprung eine Handlung politischer Natur sei. Allerdings: Die Olympischen Spiele waren weder in der Antike ohne Politik vorstellbar noch sind sie es heute. Die Austragung von Olympischen Spielen, die Vorbereitung darauf, deren Finanzierung und deren symbolische Durchdringung geschieht heutzutage vor dem Hintergrund eines knallharten Wettbewerbs zwischen Nationalstaaten - sprich politischen Gemeinschaften. Solch ein zwischenmenschliches, vielmehr aber zwischenstaatliches Verhältnis als frei von Politik zu betrachten, grenzt, gelinde gesagt, an gedankenlose Unwissenheit. Als Rahmen für zwischenmenschliche Beziehungen beschmutzt Politik nicht den sportlichen Wettbewerb. Durch die Gewährleistung von Frieden macht sie ihn vielmehr möglich. Vielleicht ist es möglich, das Verhältnis zwischen Politik und Sport auch so zu betrachten." (20.05.2008)

 

Bookmarken bei   del.icio.us    Digg!    YiGG.de    Webnews!    FURL    LinkARENA    Mister Wong    oneview   

Weitere Inhalte

THEMEN

NEWSLETTER

Um den kostenlosen Newsletter zu abonnieren oder zu kündigen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein:

TOP-THEMEN DER WOCHE

PRESSESCHAU-KALENDER

Mo Di Mi Do Fr Sa So
        1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 31