Der Journalist Dan O'Brien verteidigt in der Tageszeitung The Irish Times die demokratischen Strukturen der EU: "Obwohl die EU viele Fehler hat, ist ein Demokratiedefizit nicht unter ihnen. Der Beweis ist leicht anzutreten. Wenn Sie wirklich unter einem demokratischen Defizit leiden, sei es im heutigen Russland, dem Nordirland der Vergangenheit oder anderen zahllosen Beispielen, brauchen Sie kein Politologe oder Jurist zu sein, um es zu erkennen. Ihre Rechte werden mit Füßen getreten und wehe Ihnen, wenn Sie etwas dagegen tun wollen. Das ist offensichtlich nicht der Fall im heutigen Europa. Während eines halben Jahrhunderts europäischer Integration kann man kein Land oder keine Bevölkerungsgruppe finden, die solch ein Schicksal erlitten hätte, selbst nicht unter den kleinsten und schwächsten Ländern, Irland eingeschlossen. Und es ist nicht bloßer Zufall, dass die EU so funktioniert. Der Grund ist einfach: viel gegenseitige Kontrolle. Das wichtigste ist die einem Habicht ähnelnde Art, in der die 27 Mitglieder sich um ihr eigenes Interesse kümmern und die Aktionen der anderen 26 überwachen. ... Die dringendste Aufgabe der EU ist nicht, sich um ein illusionäres demokratisches Defizit zu kümmern, sondern ihr gähnendes Legitimationsdefizit zu schließen, wegen dem Wähler gewillt sind, wilde und oft grundlose Anschuldigungen zu glauben. Das ist nicht leicht, wie die kürzlichen Referenda in Irland, Frankreich und den Niederlanden gezeigt haben. Wenn dem nicht wirksamer begegnet wird, könnte die langfristige Zukunft der Union gefährdet werden." (06.08.2008)
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