"Wer die Welt allein aus dem Blickwinkel der Evolutionstheorie sieht, verkennt die Bedeutung des christlichen Schöpfungsglaubens", argumentiert Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, in der Wochenzeitung Die Zeit. "Hat der Triumph der modernen Wissenschaften den Glauben heutzutage überflüssig gemacht? Was man in der jüdisch-christlichen Tradition unmittelbar auf das Schöpferwirken Gottes zurückgeführt hatte, wird immer detaillierter aus Kräften und Gesetzen der Natur erklärt. Die Schöpfung der Welt wird zur Weltentstehung; und die Erschaffung der Lebewesen mit dem Menschen als 'Krone der Schöpfung' zur Evolution. ... Die Schöpfung wird nicht als Thema des Glaubens, sondern des Wissens angesehen. ... Der Glaube dagegen richtet sich auf die Wirklichkeit Gottes, die Raum und Zeit umgreift und übersteigt. ... Was tritt zu den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen unserer oder einer anderen Zeit hinzu, wenn wir die Welt [aber] als Schöpfung verstehen? Wir gewinnen einen Zugang zu ihrem inneren Sinn. Gerade weil sich das Ziel, um dessentwillen die Welt entstand und das Leben sich auf der Erde bildete, nicht aus den naturwissenschaftlichen Einsichten selbst erschließt, brauchen wir einen Zugang zu dem Sinn des Ganzen, der den Raum des unserem Wissen Zugänglichen überschreitet. Dass Gott es mit der Welt im Ganzen ebenso wie mit meinem persönlichen Leben gut meint, ist der Grundsinn des Schöpfungsglaubens." (25.08.2008)
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