Der ehemalige spanische Regierungschef Felipe González analysiert in der Tageszeitung El País die internationale Finanzkrise: "Ein Jahr nach dem Beginn der Krise des Finanzsystems in den USA und der schnellen Ansteckung anderer zentraler Regionen stehen wir noch immer ohne Diagnose und somit auch ohne Therapie da. ... Es ist eine merkwürdige Krise, die es schwierig macht, auf sie auch nur mit einer minimalen Kohärenz zu reagieren. Bisher hat sie lediglich die verbreitete Annahme ausgeräumt, dass der Markt alles und alleine regeln kann. ... Spaßhaft, aber in vollem Ernst, könnte man sagen, dass der Kapitalismus jetzt nicht mehr dem Kommunismus gegenübersteht, weil dieser ausgestorben ist, sondern stattdessen in sein eigenes Spiegelbild blickt und dabei feststellt, dass das Bild, das er dort sieht, hässlich und außer Kontrolle ist. Über Jahre hinweg, als die Sache global gut lief - wenn auch mit vielen Problemen und haarsträubenden Ungleichheiten - waren die Blicke in den Spiegel selbstgefällig. Jetzt, da wir im Zweifel umherirren, oder vielmehr in der Gewissheit, dass etwas schief läuft, gefällt das Bild niemandem mehr. ... Mehr als zuvor brauchen wir zunächst eine gemeinsame Aktion auf der Ebene der EU, um dann ein transatlantisches Vorgehen zu koordinieren." (17.09.2008)
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