Alberto Sotillo reflektiert in der Tageszeitung ABC darüber, wie verschiedene Länder mit dem Erbe ihrer Bürgerkriege umgehen: "Die Wunden eines Bürgerkrieges vernarben niemals. Nicht einmal in den USA, auch wenn noch so viele Filme, Romane und Forschungen die Komplexität dieser Episode [des Bürgerkriegs] untersucht haben. Aber wenigstens kommt in diesem Land niemand auf die Idee, im aktuellen politischen Diskurs die Tatsache zu instrumentalisieren, dass die Grenzlinie zwischen den Staaten, die für [den republikanischen Präsidentschaftskandidaten John] McCain stimmen, und denjenigen, die [Barack] Obama unterstützen, der Grenze ähnelt, die im damaligen Sezessionskrieg die Konföderation des Südens von der Union des Nordens trennte. ... Auch die turbulenten Episoden des faschistischen Italiens, die viel von einem Bürgerkrieg hatten, sind nicht verheilt, ebenso wenig wie der Dunst, der die Geschichte der Gegner und Kollaborateure der Hitler-Besatzung in Frankreich umgibt, und auch nicht die stillschweigende Passivität, mit der Österreich von Nazi-Deutschland annektiert wurde. ... Es gibt gescheite Länder, die wissen, dass die Geschichte ein gefährlicher Sprengkörper ist, und dass es deshalb besser ist, sie den Historikern zu überlassen. Es gibt unbesonnene Länder, wie das ehemalige Jugoslawien, die eine Auseinandersetzung um ihre Geschichte in einen brutalen Krieg verwandelt haben, der noch nicht verheilt ist. Und zwischen diesen und jenen gibt es diejenigen Länder, die mit aller Selbstverständlichkeit glauben, die Bewertung der Geschichte stünde einem Richter zu." (28.10.2008)
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