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Presseschau | 18.07.2008

 

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Korruption in Bulgarien und Rumänien

Korruption in Bulgarien und Rumänien

 

Rumänien und Bulgarien sind die Sorgenkinder unter den neuen EU-Mitgliedsstaaten: Die Korruption wächst in beiden Ländern, die Justizreform und der Kampf gegen das organisierte Verbrechen lassen laut der EU-Kommission zu wünschen übrig. Der neue Fortschrittsbericht der Kommission, der offiziell am 23. Juli 2008 veröffentlicht wird, macht wenig Hoffnung auf Besserung der Situation. Nun drohen harsche Sanktionen.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Revista 22 - Rumänien, Monitor - Bulgarien, Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Revista 22 - Rumänien

Das Ausmaß der rumänischen Korruption ist der EU schon lange bekannt: Ein unter Verschluss gehaltener Expertenbericht von 2007, wonach der Anti-Korruptionskampf in Rumänien auf allen Ebenen Rückschritte verzeichnet, wurde kürzlich vom britischen Wirtschaftsmagazin The Economist veröffentlicht. Die Ergebnisse des Berichts, der von der Europäischen Kommission in Auftrag gegeben worden war, wurden jedoch nie genutzt. Die Wochenzeitung Revista 22 ruft die Rumänen nun zur Verantwortung: "Europa fehlt es nicht an Informationen hinsichtlich der realen Situation über den Justiz- und Politikbereich in Rumänien, es fehlt Europa ... am Mut und der notwendigen Entschlossenheit bei der Verteidigung des Rechtsstaates und beim Kampf gegen Korruption. Dieser Mangel ... und die fehlenden institutionellen Mittel, um Staaten, die vom europäischen Standard abweichen, zu bestrafen, erlaubt den rumänischen Parlamentariern, jegliche Tricks zu nutzen, um ihre beschämenden eigenen Interessen zu verteidigen und die ganze EU lächerlich zu machen. ... Es ist nutzlos, dass wir darauf warten, dass Europa unsere Strukturprobleme löst, wie es bis zum EU-Beitritt geschehen ist. ... Die Rumänen müssen ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen und entscheiden, ob sie einen Rechtsstaat und eine effiziente Politik zur Bekämpfung der Korruption brauchen." (17.07.2008)

Monitor - Bulgarien

Bulgarische Medien haben in den vergangenen Tagen einen internen Bericht von OLAF, der Behörde für Betrugsbekämpfung der EU-Kommission, über die bulgarische Veruntreuung von Fördermitteln veröffentlicht. Er bestätigt das Gerücht, dass sich Präsident Georgi Parwanow seine Wahlkampagne von verdächtigen Geschäftsleuten finanzieren ließ: "Im Jahr 1999 hat Hillary Clinton einen Scheck der Witwe des bulgarischen Mafiabosses Ilija Pawlow im Wert von 1000 US-Dollar nicht angenommen. Im Gegensatz dazu hat Parwanow vor den Wahlen 2006 25.000 Euro von dem berüchtigten Geschäftsmann Ludmil Stojkow angenommen und keinen Euro zurückgegeben, weder als der SAPARD-Skandal [das Einfrieren von EU-Fördermitteln] öffentlich wurde, noch als die Staatsanwaltschaft Stojkow wegen Geldwäsche angeklagt hat. Auch jetzt, wo der Brief von OLAF vorliegt und darin schwarz auf weiß steht, dass Stojkow zu einem organisierten internationalen Kriminalitätsnetzwerk gehört, schweigt die Präsidentschaft." (17.07.2008)

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Die linksliberale Süddeutsche Zeitung fordert eine Bestrafung Rumäniens und Bulgariens durch die EU-Kommission. "Dass in den beiden Ländern die Bekämpfung und Bestrafung der Korruption nach wie vor sehr viel zu wünschen übrig lässt, trifft nicht 'die Bulgaren' und 'die Rumänen'. Sie leiden, soweit die breite Bevölkerung gemeint ist, unter den Missständen nicht weniger als die Bürger anderer EU-Länder, deren Steuergeld auf dem Balkan in die falschen Kanäle fließen. Die Verantwortung trifft vor allem die Herrschenden. ... Deshalb ist jetzt der Moment gekommen, da die EU-Kommission handeln muss. Wenn sie in einer Woche ihren nächsten Fortschrittsbericht veröffentlicht, dann sollten endlich auch Konsequenzen folgen. Für Bulgarien könnten Millionenzuschüsse gesperrt werden, für Rumänien ist zumindest eine scharfe öffentliche Abmahnung geboten. In aller Deutlichkeit sollte die EU-Kommission diejenigen an den Pranger stellen, die in Bukarest ihr schäbiges Spiel spielen. Damit das Volk zumindest weiß, wen es bei der nächsten Parlamentswahl besser abwählen sollte." (18.07.2008)

POLITIK

El País - Spanien

Urteil im Terrorprozess von Madrid

Der Oberste Spanische Gerichtshof hat das Urteil im Prozess um die Zuganschläge in Madrid verkündet, bei denen im März 2004 insgesamt 191 Menschen ums Leben kamen. Die Aufklärung der Attentate ging mit parteipolitischer Polemik einher, zumal konservative Kreise in Spanien lange die These nährten, die baskische Terrororganisation ETA sei in die Anschläge involviert gewesen. Die Tageszeitung El País hofft, dass diesen Spekulationen mit der Urteilsverkündung nun ein Ende gesetzt wurde: "Der Oberste Gerichtshof bestätigt die islamistische Urheberschaft ... des Attentats. ... Das Urteil ... schließt juristisch gesehen den Fall 11-M [Abkürzung für den 11. März, Tag der Anschläge] ab. Es ist an der Zeit, dass damit auch die politische und mediale Ausbeutung der Falschmeldungen endet, die den Fall begleitet hat. Sie hat die Ehre der Opfer beleidigt und die Arbeit der Richter, Staatsanwälte und Sicherheitskräfte verunglimpft, die die Aufklärung des Falles durch ihre Daten und Beweise vor dem Gerichtshof vorangetrieben haben." (18.07.2008)

The Guardian - Großbritannien

Gespräche mit dem Iran

Die morgen beginnenden Gespräche im Atomstreit mit dem Iran sieht die Tageszeitung The Guardian als historische Chance: "Amerikas Entscheidung, einen hohen Beamten zu den internationalen Gesprächen mit dem Iran in Genf morgen zu entsenden, markiert einen bedeutenden und lange überfälligen Politikwechsel. Er könnte mindestens so bedeutend sein wie die Kehrtwende des Landes bei den Gesprächen mit Nordkorea. ... Es ist offensichtlich, dass [der Vizepräsident] Dick Cheney, der sich energisch für eine Bombardierung des Irans eingesetzt hat, geschlagen wurde. Als Ergebnis ist Amerika jetzt auf einem neuen Kurs. ...Washington riskiert nur dann, einen hohen Beamten zu den Genfer Gesprächen zu entsenden, wenn es zuversichtlich ist, dass der Iran im Gegenzug Konzessionen macht. Diese könnten in der Form von Angeboten kommen, neu zu definieren, was mit einem Einfrieren des Programms der Urananreicherung gemeint ist. ... Hardliner in Teheran sind imstande, Konzessionen für Schwäche zu halten, aber sie lägen falsch. Dies ist eine Chance, die der Iran jetzt ergreifen muss." (18.07.2008)

Polska - Polen

Positive Bilanz von Polens Irak-Einsatz

Die polnische Armee hat am 16. Juli den irakischen Behörden die Kontrolle über die südliche Provinz Qadisiyya übergeben und damit ihren Abzug aus dem Irak eingeleitet. Der ehemalige Vizeverteidigungsminister General Stanisław Koziej zieht in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung Polska eine positive Bilanz der fünfjährigen Militärmission. "Dem Irak-Einsatz verdanken wir auch eine Wende in der Mentalität der Truppen, die an der Mission vor Ort beteiligt waren. Das war für sie und vor allem für die Offiziere die beste Schule seit einem halben Jahrhundert. Diejenigen von ihnen, die den Irak-Einsatz erlebt haben, wurden zu einer Antriebskraft für Qualitätsveränderungen unseres Militärs. Sie hatten einen sehr großen Einfluss auf die endgültige Entscheidung der Politiker, zur Berufsarmee überzugehen. Bedenken wir doch: Alle politischen Entscheidungsträger, alle Verteidigungsminister und Generalstabschefs waren entschieden gegen die Berufsarmee. Deshalb hat meiner Meinung nach die Ansicht der Menschen gewonnen, die im Irak waren und gesehen haben, was für einen Vorsprung Berufssoldaten gegenüber Wehrdienstleistenden haben." (18.07.2008)

Dagens Nyheter - Schweden

Neue Linksbewegung

Das umstrittene Abhörgesetz bedroht die schwedische Koalitionsregierung und deren Politiker. Laut der Tageszeitung Dagens Nyheter sympathisieren 75 Prozent der schwedischen Studenten nun mit den Linksparteien und die Studentenvereinigungen meinen sogar, dass ein neues '68 bevorstehe. Die Regierung solle die Jugendlichen ernst nehmen: "Der Gebrauch moderner drahtloser Kommunikationsmedien ist ein Teil des Wertesystems, dessen sich die heutige Jugend bedient. Wer den Jugendlichen durch Abhörmöglichkeiten die Freiheit einschränkt, riskiert, dass eine eigentlich konservative Wählerschaft, die Wert auf Freiheit und persönliche Verantwortung legt, auf Jahre verloren geht. Es wäre daher dumm und verantwortungslos, nicht auf die Jungen zu hören, denn sie sind die Kräfte von Morgen." (17.07.2008)

REFLEXIONEN

Le Monde - Frankreich

Demokratiedefizit der EU

Die Tageszeitung Le Monde kommentiert die demokratischen Schwächen der Europäischen Union: "Wie könnte man die Europäische Union demokratischer und damit für die Bürger legitimer machen? Diese Frage stellen sich die Verfechter der europäischen Einigung schon seit der Geburt des gemeinschaftlichen Projekts. Doch die Antwort wird nach den erfolglosen Referenden in Frankreich, den Niederlanden und Irland immer dringender erwartet. ... Wäre die Europäische Union eine internationale Organisation wie viele andere, käme die demokratische Frage gar nicht auf. Sie stellt sich nur deshalb, weil die Europäer eine politische Gemeinschaft bilden wollen. Der europäische öffentliche Raum, der transnationale Parteien und die Zivilgesellschaft verbindet, ist derzeit noch Zukunftsmusik. Deshalb müssen wohl die Mitgliedsstaaten selbst die Debatte über die europäische Politik anregen." (18.07.2008)

Phileleftheros - Zypern

Demographisches Problem in Europa

Der griechische Europaabgeordnete der linken Partei AKEL, Kiriakos Triandafilidis, spricht in der Tageszeitung Philelefteros über Lösungen für das demographische Problem in Europa. "In der EU wird [der Bevölkerungsrückgang] als die wichtigste Gefahr für den Arbeitsmarkt angesehen, aber auch für das System des Wohlfahrtstaates und der Altersversorgung. Deswegen wird dringend nach Lösungen gesucht. In den Diskussionen wurden drei Möglichkeiten hervorgehoben. Erstens die Erhöhung des Rentenalters, zweitens die Migration, und drittens das Vorantreiben politischer Strategien zur Erhöhung der Geburtenrate. Die ersten beiden Möglichkeiten dürfen nicht ... unsere Vision eines sozialen Europas ausmachen. ... Die einzige Regelung, die das demographische Problem ... lösen kann, ist ... die Anwendung einer Politik, die für eine Steigerung der Geburtenrate steht. ... Letztere ist direkt verknüpft mit einem Gefühl der Sicherheit, ... mit Lebensqualität, ... und generell mit der Sicherheit, die ein Mensch und insbesondere junge Paare empfinden, wenn sie eine Familie gründen." (17.07.2008)

WIRTSCHAFT

Gazeta Wyborcza - Polen

Populismus im Streit um polnische Werften

Den drei polnischen Werften droht die Schließung, weil die EU-Kommission wegen fehlender Sanierungspläne über eine Milliarde Euro an Fördergeldern zurückfordert. Die linksliberale Tageszeitung Gazeta Wyborcza kritisiert die Schuldzuweisungen der Werftarbeiter und der polnischen Opposition gegenüber der EU und der Regierung. "Wir sind in der EU, aber wir bleiben immer noch Polen. Wenn es also zur Schließung der Werften kommt, beginnt sofort eine Abrechnung und die Suche nach Schuldigen. Es geht um Emotionen und Populismus, aber nicht um Fakten. Wütende Werftarbeiter werden nach Warschau kommen und behaupten, dass sie nie irgendwelche öffentliche Hilfe bekommen hätten. ... Es wird der Rücktritt des jetzigen Schatzministers gefordert, obwohl eine viel größere Verantwortung bei den vorherigen Regierungen liegt, die jahrelang keine Lösung für das Problem gefunden haben. Es werden Anklagen an die Adresse der Kommission erhoben, die angeblich an der Leine westeuropäischer Werften hängt. ... Das Problem der Werften ist indes viel trauriger. Es geht vor allem um die Unfähigkeit, sich der verändernden Wirklichkeit anzupassen." (18.07.2008)

Les Echos - Frankreich

Angst vor der Inflation

Ganz Europa leidet unter der steigenden Inflation. Die Wirtschaftszeitung Les Echos geht auf die verschiedenen Aspekte der französischen Debatte ein: "Eines steht fest: Die Rückkehr der Inflation hat die Funktionsweise der Wirtschaft schon verändert und wird dies auch weiterhin tun. ... Die schlechte Nachricht ... ist, dass die Großindustriellen, die bisher die Preissteigerungen der Rohstoffe 'bestimmt' haben, ihre Ansichten ändern. Der Chef von Renault-Nissan Carlos Ghosn ist nicht der einzige - er kündigte an, dass die Preise für seine Autos steigen werden. ... Nach den Ferien wird sich auch die Lohnfrage wieder stellen. Viele Chefs wissen, dass die Gewerkschaften [von der Inflation] profitieren wollen, ... um erhebliche Gehaltserhöhungen durchzusetzen. Die gute Nachricht ist, dass in der Debatte wenigstens niemand von den angeblichen Vorteilen der Inflation redet. ... Die Schlussfolgerung ist zwar nicht sehr befriedigend, aber sie ist kaum anzuzweifeln: Wie seine Nachbarn ist Frankreich dazu gezwungen, damit zu leben." (17.07.2008)

Maaseudun Tulevaisuus - Finnland

Durchbruch für die Doha-Runde?

Die Tageszeitung Maaseudun Tulevaisuus schreibt über Hoffnungen und Erwartungen an die am Montag beginnenden Verhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf. "Die Doha-Runde geht bereits ins achte Jahr. ... In den letzten Monaten wurden kaum Fortschritte gemacht, ganz zu schweigen von einem Durchbruch. ... Es wäre natürlich mehr als wünschenswert, dass endlich eine Vereinbarung zu Stande kommt. ... Die Liberalisierung des Agrarhandels spielt eine entscheidende Rolle. ... Die Situation wird nicht einfacher durch die Tatsache, dass Lebensmittel weltweit immer mehr zur Mangelware werden. ... Es müssen gut überlegte Anstrengungen unternommen werden, ... in den armen Ländern eine eigene Nahrungsmittelversorgung auf die Beine zu stellen. ... Beim Fleischhandel ist der Schutz inländischer Verbraucher ... vor Krankheiten durch nicht-europäische Billigimporte dringend geboten. Andernfalls kann die Doha-Runde für die einheimische Nahrungsmittelproduktionskette schlimme Folgen haben." (18.07.2008)

KULTUR

Latvijas Avīze - Lettland

Schutz für Frankreichs Minderheitensprachen

Die Tageszeitung Latvijas Avīze greift die französische Debatte über den Schutz von Minderheitensprachen, wie Bretonisch oder Baskisch, als Teil des nationalen kulturellen Erbes auf: "Die Französische Akademie wurde auf Initiative von Kardinal Richelieu 1635 gegründet, um die Sprache zu normen, aber auch, um Bedrohungen für die nationale Identität abzuwenden, denn diese entstehe nicht nur auf der Grundlage von Ideen und Werten, sondern auch auf Grundlage der Sprache. Über den Begriff 'Bedrohung' lässt sich freilich streiten, denn diese kommt auf keinen Fall seitens der Regionalsprachen oder der Dialekte. Und Frankreich hat nicht einmal die europäische Charta zum Schutz von Minderheitensprachen unterzeichnet und plant auch keinen solchen Schritt." (18.07.2008)

LOKALE FARBEN

Lidové noviny - Tschechien

"Würstchen-Krieg" beigelegt

Tschechen und Slowaken haben ihren "Würstchen-Krieg" beigelegt: Die Fleischer aus beiden Ländern beanspruchten bei der EU die Namensrechte für vier Wurst- und Salami-Sorten. Für zwei Sorten arbeiten nun Tschechen das Rezept aus, für zwei andere die Slowaken. Die konservative Tageszeitung Lidové noviny knüpft an die Einigung eine Hoffnung: "Hoffentlich wird in die Rezepturen nicht auch die 'Verbesserung' eingearbeitet, nach der die Speckwürste kaum noch aus Fleisch, sondern nur noch aus Soja bestehen. Derlei kann man unmöglich als Wurst registrieren lassen und verkaufen. Der liebe Herrgott und die EU mögen uns für immer vor solchen 'Würsten' schützen. Amen." (18.07.2008)

 

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