Den Esten fehlt es an langfristigen Perspektiven und Plänen, beklagt Priit Hõbemägi in der Wochenzeitung Eesti Ekspress: "Wir leben schon seit geraumer Zeit nur von einem Tag auf den anderen, und eine Woche ist bereits ein langer Zeitraum. In historischer Hinsicht ist dies eine besonders bemerkenswerte Veränderung: Wie lang dauerte es früher, so viel Geld zu sparen, dass man sich von seinem Gutsbesitzer oder aus der Zarenarmee freikaufen konnte! Aber selbst zu Sowjetzeiten war Denken in langen Zeiträumen erforderlich: Mit einem Gehalt von 140 Rubeln dauerte es Jahre, bis man die 5.000 Rubel für ein Auto beisammen hatte. ... Verändert hat dies der Wirtschaftsboom, denn er lehrte, dass man für ein Haus oder eine Wohnung, eine Weltreise oder ein Luxusauto nicht mehr lange schuften und sparen muss - man konnte alles sofort haben, denn die Banken verliehen großzügig Geld. Der Genuss war für den Moment, die Rückzahlung geschah irgendwann in ein paar Jahren. Es gibt den Aphorismus 'Lebe jeden Tag, als ob es dein letzter wäre'. Aber für eine solche Gedankenlosigkeit braucht es auch ein Korrektiv, wenn so viele Leute heute so leben, als gäbe es kein Morgen." (12.03.2010)
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