Ian Buruma, Professor für Menschenrechte am Bard College in New York, macht sich Sorgen, dass die belgische Krise die europäische Einheit gefährden könnte: "Was in Belgien geschieht, ist ungewöhnlich, aber keinesfalls einzigartig. Die Tschechen und Slowaken haben sich bereits getrennt, genau wie die verschiedenen Nationen Jugoslawiens. Viele Basken möchten aus Spanien ausbrechen, genau wie viele Katalanen ... und viele Schotten wären gerne Großbritannien los. ... Ohne Zweifel würden einige dieser Völker sehr gut alleine zurecht kommen. Doch die Geschichte zeigt, dass der kumulative Effekt von auseinander fallenden Staaten selten positiv ist. ... Nationalstaaten wurden im 18. und 19. Jahrhundert geschaffen, um gemeinsame Interessen durchzusetzen, die über kulturellen, ethnischen, sprachlichen oder religiösen Unterschieden standen. ... Das Problem ist heute, dass die Interessen nicht länger dieselben sind. Die Europäische Union, die aktiv regionale Interessen unterstützt, hat die Autorität der nationalen Regierungen geschwächt. Wieso sich auf London verlassen, denken sich die Schotten, wenn Brüssel mehr Vorteile bietet? ... Das Schicksal Belgiens sollte alle Europäer interessieren, besonders jene, die der Union wohl gesonnen sind. Denn was heute in Belgien geschieht, könnte durchaus auf einer kontinentalen Ebenen passieren. ... Wir wissen, was geschah, als früher Blut und Boden die europäische Politik bestimmten. Ohne es zu wollen, scheint die EU heute genau jene Kräfte zu begünstigen, die durch die europäische Einheit nach dem Zweiten Weltkrieg im Zaum gehalten werden sollten." (07.08.2008)
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