In der Wirtschaftszeitung Világgazdaság macht sich der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz über die globale Wirtschaftskrise Gedanken. "Die Welt versinkt derzeit in einer Wirtschaftskrise, die voraussichtlich die schlimmste seit einem Vierteljahrhundert sein wird, vielleicht sogar die schlimmste seit der Weltwirtschaftskrise 1929. Diese Krise ist in vieler Hinsicht 'Made in America'. ... Diejenigen, die schon vor der Krise große Handelsbilanzdefizite und eine hohe Staatsverschuldung hatten, werden stärker zu leiden haben als die anderen. Die Länder, die ihre Kapital- und Finanzmärkte nicht vollständig liberalisiert haben, wie China, werden dankbar sein, dass sie dem Drängen des US-Finanzministeriums nicht nachgegeben haben. ... Die alten Institutionen haben den Reformbedarf erkannt, doch haben sie sich im Schneckentempo bewegt. Sie unternahmen nichts, um die aktuelle Krise zu verhindern. Zudem stellt sich die Frage, wie wirksam die Reaktionen dieser Institutionen sind. ... Nach der Weltwirtschaftskrise benötigte die Welt 15 Jahre und einen Weltkrieg, um an einem Strang zu ziehen und auf die Schwächen des globalen Finanzsystems einzugehen, die zur Krise beigesteuert hatten. Bleibt zu hoffen, dass wir dieses Mal nicht so lange dafür brauchen: Angesichts der starken globalen Verflechtungen wären die Kosten einfach zu hoch. ... Es ist deutlich geworden, dass die wirtschaftlichen Lehrsätze, die den bestehenden Bretton-Woods-Institutionen [Weltbank, Internationaler Währungsfond] zugrunde liegen nicht nur in den Entwicklungsländern, sondern auch in den Kernländern des Kapitalismus gescheitert sind." (20.11.2008)
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