Top-Thema vom Donnerstag, 1. Februar 2007
Arbeitskräfteschwund in Osteuropa
In der Hoffnung auf höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen haben sich Ärzte, Ingenieure und andere Fachkräfte aus Mittel- und Osteuropa auf den Weg nach Westeuropa gemacht. Das hat in ihrer Heimat zu Arbeitskräftemangel geführt, so dass diese Länder nun weiter östlich um Arbeitnehmer werben. Mittlerweile wird aber auch überlegt, wie Hochqualifizierten die Arbeit in ihrem Herkunftsland wieder schmackhaft gemacht werden kann.
Gândul - Rumänien
Liana Subtirelu stellt besorgt fest, dass immer mehr Ärzte nach Frankreich und Großbritannien auswandern, wo sie das Zehn- bis Zwanzigfache eines rumänischen Arztgehaltes verdienen können, das bei derzeit rund 130 Euro pro Monat liegt: "Die Behörden bemerken nun, dass nach den 'Erdbeerpflückern' eine andere berufliche Schicht vom Exodus betroffen ist: die Mediziner. Das medizinische Personal ist bereits vor dem EU-Beitritt ausgewandert, doch war die Zahl der Auswanderer noch nicht so hoch, dass man sich Sorgen machte. Inzwischen sind in Rumänien Firmen aufgetaucht, die Spezialisten rekrutieren. Die ersten kamen aus Großbritannien und suchten Zahnärzte. Dann kamen Firmen aus Frankreich... Das Gesundheitsministerium scheint wie gelähmt. Zum mangelhaften System kommt hinzu, welch geringen Respekt man den Medizinern im eigenen Land entgegenbringt. Kaum im Amt, sprach Gesundheitsminister Eugen Nicolaescu davon, wie korrupt die Mediziner seien." (01.02.2007)
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Heti Világgazdaság - Ungarn
Auch Polen, Tschechien und Ungarn kämpfen zunehmend mit einem Mangel an Fachkräften. Polen und Tschechien haben ihre Arbeitsmärkte für die neuen Beitrittsländer Rumänien und Bulgarien geöffnet und versuchen Ärzte, Architekten und Ingenieure von dort abzuwerben. Ungarn hingegen hat sich bislang gegen eine Öffnung entschieden. János Kokes und Szabolcs Szilágyi berichten aus Prag und Warschau: "In Tschechien fehlen 3000 Ärzte, vor allem in den Krankenhäusern. Seit dem EU-Beitritt haben jährlich 500 bis 600 Ärzte das Land verlassen... Ihre Motive sind die gleichen, wie die ihrer rumänischen und bulgarischen Kollegen, die jetzt nach Tschechien kommen: höheres Gehalt und günstigere Arbeitsbedingungen. Die gleiche Tendenz ist auch in anderen Branchen zu spüren. Etwa 190.000 Slowaken, Ukrainer und Polen arbeiten legal in Tschechien, mehrere zehntausend illegale Arbeitnehmer kommen hinzu. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 7,1 Prozent, trotzdem sind etwa 100.000 Stellen offen." In Warschau wolle man die Auswanderer zurückholen, habe dafür aber bislang keine schlüssigen Konzepte. (01.02.2007)
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Postimees - Estland
Zehntausende haben das Land verlassen und in Westeuropa Arbeit gesucht - denn in Estland werden trotz Wirtschaftsboom niedrigere Löhne gezahlt. Gegen den katastrophalen Arbeitskräftemangel hätten die Politiker jedoch kein klares Rezept, kritisiert die estnische Zeitung. Die Anwerbung von Gastarbeitern aus der Ukraine, Russland oder sogar südostasiatischen Ländern sei keine Lösung: "Die estnischen Parteien versprechen im Wahlkampf märchenhafte Löhne und dass Estland gegenüber Westeuropa aufholen wird - aber davon verschwinden unsere Billigarbeitsplätze nicht. Vielmehr stellt sich die Frage, wer diese Arbeiten bei uns eigentlich erledigen soll. Hier besteht vor allem die Notwendigkeit, die Produktivität zu erhöhen und die technologische Entwicklung Estlands voranzubringen: In Finnland schafft ein Arbeiter doppelt so viel wie in Estland. Die Parteien sollten lieber genau erklären, welche Arbeitskräfte sie nach Estland holen wollen, anstatt den Wählern mit billigen Lösungen Sand in die Augen zu streuen." (01.02.2007)
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Sega - Bulgarien
Auf der Suche nach Arbeit sind in den letzten Jahren viele Bulgaren ins Ausland abgewandert. Nun lockt Bulgarien selbst ausländische Arbeitskräfte an, wenn auch nur in bescheidenem Umfang, wie Maria Koltschagowa und Silvia Georgiewa feststellen: "Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ist ein aktuelles Problem. Um freie Stellen zu besetzen, schaut die Wirtschaft in die Ferne - bis nach Vietnam. Kehren die Vietnamesen zurück, oder ist es nur ein Mythos der Arbeitgeber, billige bulgarische Arbeitskräfte seien außer Stande, etwas zu leisten?" Bislang können die Autorinnen allerdings noch keinen Zustrom aus dem Ausland feststellen. Wenn Ausländer in Bulgarien arbeiteten, dann bei ausländischen Unternehmen "in funkelnden Büros". Dabei bräuchten auch die lokalen Arbeitgeber dringend Arbeitskräfte: "Der größte Bedarf besteht an Bauarbeitern, Mitarbeitern in der Tourismusbranche, ausgebildeten Ingenieuren und IT-Spezialisten." (31.01.2007)
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