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Top-Thema vom Freitag, 2. Februar 2007


Klimawandel bekämpfen - aber wie?

Der Weltklimarat (IPCC), der sich im Auftrag der Vereinten Nationen mit dem Klimawandel befasst, hat heute in Paris seinen Bericht vorgelegt. Darin werden klar die menschlichen Einflüsse für die Klimaerwärmung verantwortlich gemacht. Die Zeitungen fragen, ob die internationale Gemeinschaft wirklich bereit ist, wirksam etwas gegen den Klimawandel zu tun.


Le Soir - Belgien

"Kann die Sturmglocke, die heute von der Wissenschaftsprominenz in Paris geläutet wird, mehr Bürger davon überzeugen, dass sie handeln müssen?", fragt Christophe Schoune. "Brauchen wir eine Umwelt-Regierung, damit unsere Zukunft nicht bald der der Dinosaurier ähnelt? Die Idee, eine Organisation der Vereinten Nationen für die Umwelt zu gründen, die von Jacques Chirac und Europa ins Gespräch gebracht wurde, hat den Vorteil (zumindest auf dem Papier) kohärent und effizient zu sein. Aber die Initiative beruhigt die südlichen Länder nicht wirklich und wird kaum kurzfristig zustande kommen. Auf die Klimaerwärmung muss es aber sofort Antworten geben. Zwei Jahrzehnte - so wenig Zeit bleibt der Menschheit für eine radikale Kehrtwende und um die Produktions- und Konsumgewohnheiten zu ändern." (02.02.2007)


Vasabladet - Finnland

"Das Klima ist der Prototyp eines chaotischen Systems und lässt sich daher schlecht vorausbestimmen. Aber die Methoden haben sich immer weiter verfeinert, weshalb die Prognosen sehr viel zuverlässiger als früher sind", erklärt Stig Nygard zum Hintergrund des Klimabericht und kritisiert: "Gemäß dem Bericht ist der Temperaturanstieg der letzten Jahrzehnte mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Folge der Emission von Treibhausgasen... Doch anstatt die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, sieht man den Emissionshandel als Chance, weiterzumachen wie bisher. Nach dieser Taktik gewinnt das Land, das als letztes Abschied von der fossilen Gesellschaft nimmt. Nichts ist falscher als das." (02.02.2007)


Dagens Nyheter - Schweden

Angesichts des Berichts zur Klimaerwärmung plädiert die Zeitung für eine schrittweise Verringerung des weltweiten Ölverbrauchs und setzt auf Kohle und Atomkraft: "Natürlich sollte, wenn möglich ohne negative Konsequenzen, Energie eingespart werden, natürlich sollten Alternativen entwickelt werden, doch es ist fast unmöglich, sich eine Zukunft ohne Kohle und Atomkraft vorzustellen. Es gibt nicht nur auf ökologischer Seite ein 'Prinzip der Vorsicht', sondern auch auf ökonomischer... Was dringend nötig ist, sind internationale Absprachen, am besten über eine globale Kohlendioxin-Steuer und mehr technische Innovationen. Die EU ist auf dem richtigen Weg. Und Schweden ist definitiv das einzige Land, das den Kreislauf von wirtschaftlichem Wachstum und vermehrtem Ausstoß von Treibhausgasen unterbrochen hat." (02.02.2007)


Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

"Der moderne Klimaschutz ist eine europäische Erfindung", schreibt Nikolas Busse. "Keine andere Staatengruppe hat sich so früh und so weitgehend dafür eingesetzt, den Ausstoß an Treibhausgasen durch ein weltweites Abkommen zu begrenzen. So sind es bis heute die EU-Staaten, die im Kyoto-Protokoll, dem zentralen internationalen Abkommen zur Bekämpfung des Klimawandels, die Hauptlast tragen... Das größte Problem für die Europäer ist die Frage, was nach 2012 geschieht. Bis heute gibt es kein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll. Auf dem jüngsten Klimagipfel der Vereinten Nationen in der kenianischen Hauptstadt Nairobi im November des vergangenen Jahres konnten sich die Delegationen nicht auf den Beginn von Verhandlungen über einen neuen Vertrag verständigen. Vor allem die Entwicklungsländer zeigen wenig Bereitschaft, sich erstmals Mengenbeschränkungen auferlegen zu lassen... Die Europäische Kommission hat deshalb für die Zeit nach 2012 einen europäischen Alleingang vorgeschlagen." (02.02.2007)


Les Echos - Frankreich

Philippe Escande ruft in Erinnerung, dass "die Verbrennung fossiler Energien beinahe 70 Prozent der Treibhausgas-Emissionen ausmacht. Wenn wir die Klimaerwärmung effektiv bekämpfen wollen, müssen wir zwingend den Verbrauch drosseln." Aber den weltweiten Verbrauch zu drosseln ließe sich nur realisieren, wenn die "geografische Ungleichheit ausgeglichen werden könnte. Wozu ist es gut, dass Europa quasi allein in den Kampf zieht - außer dass es ein gutes Gewissen hat? Wieder ist von der Notwendigkeit einer globalen politischen Strategie die Rede, wofür sich am eifrigsten Präsident Jacques Chirac ausspricht. Aber sie hätte eher psychologische Wirkung. Alles hinge letztendlich vom Willen der beiden Giganten Amerika und China ab, ob sie sich beteiligen und helfen, die Utopie in eine dauerhafte ökonomische Realität zu verwandeln. Es gibt Anzeichen dafür, dass nicht alle Hoffnung verloren ist und dass sich auch dort neue Generationen Gehör verschaffen." (02.02.2007)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 2. Februar 2007

 

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