Top-Thema vom Mittwoch, 21. März 2007
Der Islam in Europa
Die Antworten auf die Frage, wie das überwiegend christliche Europa mit seinen muslimischen Bürgern umgehen soll, fallen unterschiedlich aus: Muss sich Europa muslimischen Einwanderern öffnen oder müssen sich Muslime anpassen? Oder gibt es einen dritten Weg: den Euro-Islam?
Estrella Digital - Spanien
Daniel Martín urteilt in der konservativen Tageszeitung über Bruce Bawer, den US-amerikanischen Autor des Buches "Wie der radikale Islam den Westen von innen zerstört", er reflektiere "klar über die Anwesenheit und die Macht des radikalen Islam auf dem alten Kontinent. Ebenso klar denkt er über die Unfähigkeit Europas nach, dagegen Front zu machen. Sein Buch warnt vor der realen Gefahr des radikalen Islamismus. Bawer hat in Amsterdam und Norwegen gelebt und die Lage der muslimischen Immigranten genau studiert. Seine Schlüsse sollten uns eine Warnung sein, da ein großer Teil der in Europa lebenden Muslime es ablehnt, ein Minimum an demokratischen Regeln zu akzeptieren. Schlimmer noch, viele von ihnen sind bereit, unser 'dekadentes' politisches System abzuschaffen... Der religiöse Fanatismus vieler muslimischer Einwanderer betrifft ganz Europa, einen Kontinent, der offenbar ohnmächtig und schwach gegenüber einem Feind ist, dessen Ideen klar und dessen Gläubige überzeugt sind." (20.03.2007)
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La Libre Belgique - Belgien
Die Freie Universität Brüssel (ULB) hat es dem Islamspezialisten Tariq Ramadan kürzlich untersagt, auf ihrem Gelände eine Konferenz abzuhalten. Ali Daddy, der Chef der Zeitung Reflets Magazine, meint, diese Entscheidung zeige die Schwierigkeiten der Integration des Islam in Europa. "Es ist mehr als anstrengend, ohne Ende Leute anhören zu müssen, die den Koran verachten, die aber diesen Text gar nicht kennen und oft ihre ekelhafte Islamophobie nur schlecht kaschieren. Sie wollen uns, die wir diesen Text seit vielen Jahren täglich lesen, erklären, dass wir am Ende nur eine 'Bande von Idioten' sind und unfähig, 'die zutiefst gewalttätige Natur' des Textes des Islam-Gründers zu erkennen. Eine Gewalt, die jeder Moslem auf gewisse Weise in sich trage!... Der Islam gehört in Europa zur Inneneinrichtung und niemand scheint es zu merken, außer wenn Wahlen sind, aber dann nur im Hinblick auf die Stimmen der Muslime. Dabei hat Europa schon ein Modell des religiösen, sozialen und interkulturellen Friedens hervorgebracht: das andalusische Modell! Ein Modell, das heute wiederbelebt wird und bei dem es klar darum geht, sich für die Interkulturalität zu entscheiden und gegen die Barbarei." (20.03.2007)
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Perlentaucher - Deutschland
Der in Syrien geborene deutsche Politologe Bassam Tibi erklärt sein Konzept eines Euro-Islam: "Europa hat auf der Basis seiner kulturellen Moderne die Aufklärung als 'Entzauberung der Welt' und in diesem Rahmen einen Werte-Universalismus hervorgebracht, der weder ethnisch noch religiös und somit inklusiv ist. Ich wiederhole, dass die angeführte Inklusivität darin besteht, offen für die Aufnahme anderer zu sein. Das ist kein akademisches Gerede im negativen Sinne, sondern eine zivilisatorische Realität, die ich als Muslim und Araber aus meinem eigenen Leben in Europa kenne. Die Inklusivität ist die europäische Leistung im Kontext der Migration. Die Leistung der Migranten könnte in dem Versuch bestehen, ihre Identität mit Europa und dem dazugehörigen kulturellen System in Einklang zu bringen. Der Euro-Islam ist eine Vision, die beansprucht, diese Leistung zu erbringen. Trotz vieler anderslautender Behauptungen ist die Europa-Idee nicht christlich, sie ist säkular und hat im Hellenismus ihre Quellen. Derselbe Hellenismus gehörte auf dem Höhepunkt der islamischen Zivilisation zu den Quellen des mittelalterlichen islamischen Rationalismus. Somit liegt eine Brücke vor." (21.03.2007)
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