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Top-Thema vom Freitag, 10. August 2007


Die EZB greift ein

Die Krise am US-Hypothekenmarkt hat Europa erfasst. Mehrere europäische Banken haben in den vergangenen Tagen wegen großer Wertverluste zeitweise einige ihrer Fonds geschlossen. Nun hat die Europäische Zentralbank (EZB) eingegriffen und etwa 95 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, um die Liquidität am Euro-Geldmarkt sicherzustellen.


La Libre Belgique - Belgien

Bernard Slits wundert sich über die Panik an den Finanzmärkten. "Muss man von Irrationalität, allgemeiner Hysterie oder Urängsten sprechen? Die Zukunft wird es zeigen, aber was in diesem Stadium auffällt, ist die Unfähigkeit der wichtigen Finanzakteure dieser Welt, vor allem der US-Notenbank und ihres Kollegen der Europäischen Zentralbank (EZB), die richtigen Worte zu finden und Maßnahmen zu ergreifen, die die Gemüter beruhigen. Heute bestimmen – im wahrsten Sinne des Wortes - die Märkte die Gesetze. Es gibt keine Puffer, keine Stoßdämpfer, um die Stöße abzufangen. Und der steigende Einfluss der Investmentfonds wird diesen Trend nicht umkehren. Die Vertrauenskrise scheint grundlegender und struktureller Natur... Trotzdem gibt es keine Gefahr für das Weltwirtschaftswachstum und auch keinen Grund zu glauben, die Börse werde auf lange Sicht keine attraktive Geldanlage bleiben. Das lässt natürlich vermuten, dass man diese Stöße überstehen wird. Auch die harten..." (10.08.2007)


El Mundo - Spanien

"Die EZB hat gestern zum ersten Mal offiziell signalisiert, dass wir am Ende einer langen Phase des Wirtschaftswachstums angelangt sein könnten", erklärt die Zeitung. "Das Eingreifen der EZB zielt darauf, die Märkte zu beruhigen und den Banken zu helfen, mit ihren Liquiditätsproblemen fertig zu werden. Aber dieselbe EZB hat gestern in einer Erklärung zugegeben, dass wir in einer 'Zeit der Nervosität leben, die von starken Schwankungen' der Kapitalmärkte gekennzeichnet ist. Sie hat eine Reihe von Empfehlungen ausgesprochen, die von großer Angst zeugen, dass das Wirtschaftswachstum zu Ende geht. Diese Unsicherheit schlägt sich an den internationalen Börsen bereits nieder... Jetzt muss man abwarten, wie sich die Situation in den kommenden Tagen entwickelt. Doch niemand darf die roten Warnlampen ignorieren, die mitten im Sommer aufgeleuchtet sind." (10.08.2007)


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

"Die Europäische Zentralbank sendete zwei höchst widersprüchliche Signale", schreibt Helga Einecke. Einerseits kündige sie in ihrem Monatsbericht steigende Leitzinsen für September an. Andererseits versorge sie die Finanzmärkte kurzfristig mit einem Rekord-Geldbetrag. Das sei kein Widerspruch, sondern die richtige Politik, meint Einecke und erklärt: "Auf mittlere Sicht, also über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren, will sie Geld entziehen. Denn sie fürchtet, die im Euroraum noch immer reichlich vorhandene Liquidität könnte einem Preisauftrieb Vorschub leisten. Die EZB hat richtig gehandelt, nervösen Teilnehmern der Finanzmärkte eine Beruhigungspille verabreicht, aber ihre mittleren Ziele - stabile Preise für die Verbraucher - nicht vergessen. Außerdem ist es gut, wenn die Finanzmärkte für September vorgewarnt sind und keine Überraschung erleben." (10.08.2007)


La Stampa - Italien

Carlo Bastasin findet, die EZB habe "korrekt und überzeugend" auf die Krise an der Wallstreet reagiert. "Die Entscheidung beruhigt den Finanzmarkt und zeigt, das Europa stabiler ist. Und sie stärkt die EZB gegenüber der US-Notenbank FED... Wir brauchen Stabilität und deshalb sollte das riskante Verhalten von Banken wie der BNP-Paribas, der IKB oder der Banca Italease bestraft werden... Es gibt eine Epidemie von verkaufen Finanzprodukten, deren Risiken den Kunden nicht klar sind. Es sind nicht alle Banken gleich und diese Krise wäre ein guter Anlass, Unterscheidungen zwischen ihnen zu treffen... Was die BNP-Paribas betrifft, so rechnet man nicht damit, dass Paris reagiert. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat die Möglichkeit, seine Autonomie zu demonstrieren, indem er die französische Bank bestraft, die gestern die globale Finanzwelt aufgemischt hat." (10.08.2007)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 10. August 2007

 

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