Top-Thema vom Donnerstag, 6. Dezember 2007
Der EU-Afrika-Gipfel in Lissabon

Am 8. und 9. Dezember findet in Portugal ein europäisch-afrikanischer Gipfel statt. Gelingt es, die Zusammenarbeit zwischen den beiden Kontinenten auf eine neue Basis zu stellen?
Diário de Notícias - Portugal
Der EU-Afrika-Gipfel wird die Beziehungen zwischen den beiden Kontinenten nicht wesentlich verändern, meint die Tageszeitung. "Zu meinen, der Gipfel werde größere Überraschungen bringen, ist so realistisch wie zu glauben, dass sich ein Dutzend Staatschefs in drei Gesprächsrunden innerhalb von neun Stunden eingehend mit dem Thema beschäftigt. Wie immer bei solchen Ereignissen wurden die Grundsatzpapiere schon im Vorhinein gebilligt. Wir sollten auch nicht meinen, dass das Treffen in Lissabon eine neue Ära der multilateralen Beziehungen zwischen den beiden Kontinenten einläuten wird. Die EU hat schon 2005 eine Afrika-Strategie lanciert. Mittlerweile redet man von Partnerschaft... Die Aufgabe dieses Gipfels besteht nicht darin, neue Partnerschaften zu erfinden... Man muss endlich handeln!" (06.12.2007)
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The Independent - Großbritannien
Der britische Premierminister Gordon Brown boykottiert den EU-Afrika-Gipfel wegen der Anwesenheit von Simbabwes Präsident Robert Mugabe. Die Zeitung kommentiert: "Großbritannien wird in Lissabon nicht auf höchster Ebene vertreten sein, aber es wird doch dabei sein. Die ehemalige Labour-Ministerin Baroness Amos kommt... Sie hat angekündigt, Mugabe unzweideutig klar machen zu wollen, was Großbritannien von seiner Rolle hält. Hoffentlich tut sie das auch. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Fortsetzung des Krieges zwischen London und Harare die Aufmerksamkeit von einem viel wichtigeren Projekt ablenkt: eine Beziehung zwischen der EU und der Afrikanischen Union zu entwickeln, die beiden nutzt und produktiv ist. Die EU unterschätzt immer, welchen Einfluss sie auf internationaler Ebene hat, sofern sie gemeinsam handelt. Dabei hat sich die OAU in Afrikanische Union umbenannt, eine Hommage an die EU als Modell für regionalen Zusammenschluss." (06.12.2007)
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland
Lorenz Jäger findet es bemerkenswert, dass europäische und afrikanische Schriftsteller und Intellektuelle zum EU-Afrika-Gipfel einen Offenen Brief verfasst haben, der die "politische Feigheit" der Staatsmänner anprangert, weil über die humanitären Katastrophen in Simbabwe und Darfur nicht gesprochen werde. Jäger meint: "Allein die Zusammenstellung der beiden Konflikte ist ein Novum. Denn in Simbabwe handelt es sich um das fehlgeschlagene Experiment einer nationalen und ursprünglich linksorientierten Befreiungsbewegung, die mit der Enteignung und Vertreibung weißer Grundbesitzer eine Nahrungsmittelkatastrophe produzierte und heute von internationaler Hilfe abhängig ist. Dass linke Intellektuelle wie Günter Grass, Jürgen Habermas, Dario Fo und Nadine Gordimer nun im Verein mit dem eher konservativen britischen Dramatiker Tom Stoppard und dem Romancier John M. Coetzee unterzeichneten, dass bedeutende afrikanische Schriftsteller wie Wole Soyinka und Ben Okri mit von der Partie sind, gibt dem offenen Brief sicher eine größere Autorität." (06.12.2007)
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