Top-Thema vom Freitag, 9. Mai 2008
Europas Feiertag

Heute vor 58 Jahren hat der damalige französische Außenminister Robert Schuman die Vision eines vereinten Europas vorgestellt. Jedes Jahr wird deshalb am 9. Mai mit dem "Europatag" die erfolgreiche Umsetzung dieses Traums gefeiert. In Europas Presse gibt es jedoch auch kritische Stimmen.
Libération - Frankreich
Olivier Brachet, Leiter von Forum Réfugiés, und die Journalistin Alexandra Ouraeff erinnern an die Lage der Flüchtlinge in Europa: "Heute sollen wir Europa feiern. Ohne den symbolischen Gehalt dieses Festes in Frage zu stellen ... schaffen wir es jedoch nicht, die Europäische Union aus vollem Herzen zu feiern. Dabei stellen wir aber nicht das Grundprojekt des europäischen Aufbaus in Frage. Im Bereich Asylbewerber und Flüchtlinge soll uns die EU viel bringen. Das Problem ist jedoch, dass das nicht der Fall ist. ... Wir wünschen, dass Flüchtlinge innerhalb der EU-Grenzen und darüber hinaus beschützt werden; die Verantwortung der EU-Mitgliedstaaten hört nicht an den Toren Europas auf. Wir wünschen uns eine gelungene Integration der Flüchtlinge in Europa. Schließlich wünschen wir, dass zurückgewiesene Asylbewerber würdevoll behandelt werden. ... Wir hoffen, dass ... die begonnene Arbeit die Standards der Europäischen Union in Zukunft erhöhen wird, statt sie nach unten zu nivellieren. Wenn das der Fall ist, dann werden wir sicherlich mit vollem Herz feiern." (09.05.2008)
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Göteborgs-Posten - Schweden
Wie sehr wir auch von der EU-Bürokratie frustriert sind, der Europatag ist doch ein Tag der Freude, denn das Ergebnis der europäischen Einigung sind Frieden und Wohlstand schreibt die Tageszeitung Göteborgs-Posten: "Gerne wird auf die EU geschimpft. Das tun sogar die Freunde der EU. Und dafür gibt es auch Gründe. Das ständige Pendeln des EU-Parlamentes zwischen Brüssel und Straßburg etwa ist eine reine Verschwendung, und die Regulierung und Subventionierung der Landwirtschaft ein schweres Erbe aus Zeiten des Hungers. Aber wie sehr wir auch von der Bürokratie in Brüssel provoziert werden und wie schwer auch die Entscheidungsprozesse des Europaparlamentes zu verstehen sind, so ist das Ergebnis doch sehr schön. ... Die EU ist nicht perfekt. Nichts wird irgendwann einmal perfekt sein. Aber eine bessere Alternative zu Krieg hat Europa nie zuvor gehabt. Deshalb ist der Europatag es wert, mit Fahnen und Jubel gefeiert zu werden." (09.05.2008)
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Dilema Veche - Rumänien
Luca Niculescu bezieht sich auf eine Studie, die die Robert-Schuman-Stiftung zum Europatag herausgegeben hat: "Die Europäer haben im Allgemeinen eine gute Meinung von Europa, zwei Drittel bezeichnen sich als Optimisten, wenn sie an die Zukunft der EU denken. … Interessant ist jedoch, dass Jugendliche bis 25 Jahre Europa weitaus optimistischer sehen als die Erwachsenen. Europa repräsentiert für sie einen Raum der Reisefreiheit für Urlaub, Studium, Arbeit. Für die Jugend ähnelt das Traum-Europa stark dem Film 'L'Auberge Espagnole' von Cédric Klapisch - ein Europa der Begegnungen, das das Leben, das Studium und das Reisen einfacher macht. Interessant ist auch, dass für die Jugend die Politik überhaupt keine Rolle spielt. Aber sind die Träume der so genannten 'europäischen Generation' ohne Politik umzusetzen? Schwer zu glauben." (09.05.2008)
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Information - Dänemark
Zum Europatag stellt sich die Tageszeitung Jyllands-Posten die Frage, warum viele junge Leute so wenig über die EU wissen: "Wenn man sich darüber ärgert, dass junge Menschen Brüssel nicht auf der Landkarte finden, so sollte man sich auch über die Informationen ärgern, mit denen das öffentliche Dänemark und die EU die Jugendlichen versorgt. Beamte und Politiker sind schlecht, wenn es darum geht, Wissen zu vermitteln und noch schlechter darin, diese Tatsache einzusehen. … Bierpreise und billigere Mobiltelefongebühren sind Beispiele dafür, wie man den Binnenmarkt für Jugendliche präsentieren kann. …Der Punkt ist nicht die Vermittlung von EU-Themen banal und einfach zu machen, sondern verständlich und interessant. Das spornt die Jugendlichen an, ihre Kenntnisse über die EU zu vertiefen und damit auch das Verständnis für die vielen Nuancen." (09.05.2008)
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