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Presseschau / Archiv / Dossier

Top-Thema vom Mittwoch, 14. Mai 2008


Erdbeben in China - die politischen Folgen

Bei einem schweren Erdbeben in China kamen über 10.000 Menschen ums Leben. Die Region Sichuan ist verwüstet. Doch neben den humanitären Folgen hat die Naturkatastrophe auch politische Auswirkungen.


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Durch das Erdbeben wird die Politik der chinesischen Regierung untergraben, schreibt die Süddeutsche Zeitung: "Die alten Regeln der Repression und der autoritären Führung funktionieren dann plötzlich nicht mehr, was neue Anforderungen an die obersten Vertreter des Volkes stellt. Werden sie ihnen nicht gerecht, dann wird sich das Volk gegen seine Repräsentanten wenden. ... Ein Widerspruch löst sich bereits von selbst auf: China kann nicht internationale Hilfe für das geschundene Birma blockieren und die Intervention des UN-Sicherheitsrates verhindern, wenn es selbst Hilfe aus dem Ausland in Anspruch nimmt." (14.05.2008)


Diário de Notícias - Portugal

"Dieses Mal beschloss China mit Transparenz über das Beben in der Provinz von Sichuan zu berichten. Der öffentliche Fernsehsender berichtet ausgiebig über die Katastrophe, der Tausende Menschen zum Opfer fielen. Aber anders könnte es auch nicht sein, da sich in der betroffenen Region viele ausländische Studenten und Arbeiter internationaler Firmen befinden. ... China kann nicht mehr zurückgezogen leben wie vor 32 Jahren, als in einem Erdbeben unweit von Peking nach offiziellen Angaben 240.000, laut Angaben amerikanischer Experten aber über 600.000 Menschen ums Leben kamen." (14.05.2008)


Népszabadság - Ungarn

Endre Aczél schreibt in der Tageszeitung Népszabadság über die chinesischen Befindlichkeiten nach dem schweren Erbeben: "Die Chinesen hängen dem Aberglauben an, dass jegliche Naturkatastrophe bloß ein Menetekel sei, gleichsam einem 'Fingerzeig des Himmels', dass viel schlimmere Dinge passieren werden. ... Wie sich herausstellte, hatten Geologen vorhergesagt, dass es am 12. Mai in der Provinz Sichuan ein Erdbeben geben wird. Indes ging die regionale Regierung umgehend daran, die mit der Vorhersage einhergehenden 'Schreckensnachrichten' zu zerstreuen. Warum? Weil wir uns im Jahr der Olympischen Spiele befinden. Die Chinesen fühlen sich als vermeintliches Opfer einer Verschwörung von Außen, wonach fremde Mächte durch das Streuen bösartiger Gerüchte 'ihre' Olympischen Spiele sabotieren wollten. ... Heute glaubt jeder zweite Chinese, dass sich die Mächtigen nunmehr nicht nur auf der Erde, sondern auch im Himmel gegen 'die schönsten und größten Olympischen Spiele aller Zeiten' verschworen haben." (14.05.2008)


Corriere della Sera - Italien

In Peking stellen chinesische Journalisten die "offizielle Wahrheit" der Partei in Frage, berichtet die Tageszeitung Corriere della Sera: "Auf der Pressekonferenz im Staatsrat stellten zwei Journalisten der Tageszeitungen China Daily und Sichuan Daily unbequeme Fragen. Die erste: Warum Häuser, Krankenhäuser, Schulen, nicht aber Regierungspaläste zusammengestürzt sind. … Zweite Frage: Es zirkuliert das Gerücht, dass die Erdbebenzentrale der Provinz die Katastrophe vorausgesehen, aber keinen Alarm geschlagen hätte, um das euphorische Klima der Olympischen Spiele nicht zu stören. ... Was ist die Wahrheit? Neue Informationskanäle müssen geöffnet werden." (14.05.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 14. Mai 2008

 

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