Top-Thema vom Donnerstag, 15. Mai 2008
Ausschreitungen gegen Roma in Italien

In Neapel kam es in den vergangenen Tagen zu schweren Ausschreitungen gegen dort ansässige Roma. Auslöser war die Anschuldigung gegen ein 16-jähriges Roma-Mädchen, ein Kind entführen zu wollen.
Corriere della Sera - Italien
Der Korrespondent der Tageszeitung Corriere della Sera, Marco Imarisio, berichtet vom Ort des Geschehens: "Wenn sich die Fernsehkamera auf die Realität der brennenden Camps richtet, verändert sich die Szenerie. Der dicke Mann, der eben noch gerufen hat 'Lasst sie verbrennen!', schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und ruft 'Madonna mia, die Armen'. Ein Junge mit Spiegelbrille wird plötzlich weise: 'Sie müssen fortgejagt werden, aber nicht so'. Die Fernsehkamera wird ausgeschaltet, der Junge bricht in schallendes Gelächter aus. … In der Nähe steht eine Gruppe Jugendlicher. ... Der Anführer ist ein ... Enkel des Vetters des 'Bürgermeisters' von Ponticelli [Vorort von Neapel], jener Ciro Sano, ... Capo eines Camorra-Clans, der hier Wurzeln geschlagen hat. Der Jugendliche gibt seiner Truppe einen Wink, sie fahren mit ihren Mopeds los, zehn Minuten später steigen aus den Nomandencamps neue Rauchwolken auf. ...Weiter so in Richtung Mittelalter." (15.05.2008)
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Dilema Veche - Rumänien
Die meisten Roma in Italien kommen aus Rumänien, schreibt Luca Niculescu. Wegen der feindlichen Stimmung wollen viele Auswanderer in die Heimat zurückkehren. Davon kann Rumänien profitieren: "Weil sie in Italien immer weniger erwünscht sind, denkt über die Hälfte der rumänischen Einwanderer in Italien bereits an eine Rückkehr, heißt es in einer diesjährigen Umfrage der Agentur für Regierungsstrategien in Bukarest. ... Die Optimisten hoffen, dass diejenigen Rumänen, die nach Hause zurückkehren, mehr als nur eine Zahl in der Statistik sind, die den Trend der Migration angibt. Rumänen, die eine Weile im Ausland gelebt haben, kehren mit einem anderen Bild von der Bedeutung von Staatsbürgerschaft und der Funktionsweise von Behörden zurück. Diejenigen, die zurückkommen, könnten bewusstere Staatsbürger sein, als sie bei ihrer Auswanderung waren. Sie könnten zeigen, dass die rumänische Gemeinschaft sich schneller europäisiert als ihre Staatsführung." (15.05.2008)
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die tageszeitung - Deutschland
Auch linke Politiker machen bei der Roma-Hetze in Italien mit, beobachtet die tageszeitung: "In Neapel brennen Roma-Barackenlager - und außer der radikal linken Zeitung Il Manifesto mag kein Blatt, mag kein einziger TV-Sender das Wort Pogrom in den Mund nehmen. ... Italiens Rechte hat schon im Wahlkampf die öffentliche Sicherheit zum 'Notstandsfall Nummer eins' erklärt, und sie hat gleich hinzugefügt, was sie damit meint. Nämlich nicht die [Mafia-Vereinigungen] Cosa Nostra, die Camorra und die Ndrangheta. ... Ihrer Ansicht nach ist die Sicherheit bedroht durch Roma und Rumänen. ... Auch die Linke trug und trägt zur Schaffung dieses Klimas bei. Es war Walter Veltroni, der im letzten November nach einem Mord in Rom den 'Rumänen-Notstand' ausrief und öffentlichkeitswirksam Barackenlager der Roma räumen ließ." (15.05.2008)
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