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Presseschau / Archiv / Dossier

Top-Thema vom Freitag, 16. Mai 2008


"Goldener Fallschirm" in der Kritik

Die EU-Finanzminister haben die hohen Abfindungen von Top-Managern scharf kritisiert. Sie wollen die oft als "goldene Fallschirme" bezeichneten Zahlungen künftig besteuern. Eine gerechte Maßnahme oder populistisches Gerede? Europas Presse diskutiert.


Il Sole 24 Ore - Italien

Die Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore berichtet aus Brüssel: "Gegen ... goldene Fallschirme und unbegründete Supergehälter erhoben sich am Mittwoch auf dem EU-Finanzministertreffen in einem eindrucksvollen Chor die Stimmen der Minister der einzelnen Länder. Es ist nicht einfach, eine gemeinsame Strategie auszuarbeiten, um Exzesse zu unterbinden und falsche Vergütungen in einem Bereich zu verhindern, in dem jedes Land in Europa seine eigenen Regeln hat. ... Eine Absprache der Minister der 27 Länder untereinander ist unerlässlich. Richtlinien und Empfehlungen, ... die von den einzelnen Regierungen als Orientierung anerkannt und befolgt werden, müssen ausgearbeitet werden. Eine Empfehlung zu den Managergehältern wurde in Brüssel bereits 2004 vorgelegt, doch ließ sie der damalige Konjunkturaufschwung wieder in Vergessenheit geraten. … Der erste Schritt muss der einer Bestandsaufnahme sein. ... Nur in zehn Ländern existieren Unternehmenskodexe zur Regulierung der Managergehälter. … Nur in acht müssen die Gehälter von der Mitgliederversammlung abgesegnet werden." (16.05.2008)


NRC Handelsblad - Niederlande

Die Niederlande haben bereits einen eigenen Gesetzesvorschlag zur Besteuerung von hohen Abfindungen vorgelegt. Dass der niederländische Finanzminister Wouter Bos nun nicht mehr allein dastehe, sei gut, meint die überregionale Abendzeitung NRC Handelsblad. "Der psychologische Faktor ist das wichtigste Argument für Maßnahmen gegen extreme Belohnungen. Angesichts des begrenzten Umfangs der Gruppe Menschen, um die es geht, werden diese Steuern die Schatzkiste nämlich nicht füllen. ... Extreme Belohnungen von Topmanagern vergiften dafür das Klima. ... Die Ausbreitung auf andere Länder schwächt auf jeden Fall die bekannte Drohung von Topmanagern, dass sie ohne Probleme ins Ausland gehen können. Von europäischem, geschweige denn breiterem internationalen Vorgehen, ist übrigens keine Rede. ... Es ist ein Anfang. Nun beginnt das Warten auf echtes Handeln." (16.05.2008)


Financial Times Deutschland - Deutschland

"Ich habe zwar nichts zu sagen - aber das kann ja wohl nicht im Ernst heißen, dass ich nichts zu sagen habe. Nach dieser dreisten Devise nimmt sich Jean-Claude Juncker, Luxemburgs Regierungschef [und Vorsitzender der EU-Finanzminister], jetzt mal die hohen Managervergütungen vor. ... Natürlich ist es legitim und richtig, dass sich Europas Finanzminister in solchen Steuerfragen abstimmen, die von grenzüberschreitender Bedeutung sind. Managergehälter fallen aber eindeutig nicht in diese Kategorie. Im Gegenteil: Hier geht es um private Arbeitsverträge zwischen Unternehmenseignern und ihren Topangestellten; die Gehälter und Abfindungen belasten ausschließlich die Arbeitgeber, die sie bezahlen." (16.05.2008)


Kauppalehti - Finnland

"In Finnland gilt ein Tabu, das über allen anderen steht: Das ist Geld. Auf den ersten Blick erscheint es so, als rede man ständig über Geld, aber das ist nur Illusion. ... Aktienunternehmen hüllen gerne den Mantel des Schweigens über die Entlohnung ihrer Führungsebene. ... Aber für wen sind die Gehälter der Manager eigentlich eine so schwere und empfindliche Angelegenheit? Anscheinend nur für die Manager selbst, die Angst haben, dass Mitarbeiter und Mitmenschen grün vor Neid werden. Die Aktienbesitzer der börsennotierten Gesellschaften wollen jedenfalls alles über die Gehälter der Manager wissen. Sie bezahlen sie ja auch." (16.05.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 16. Mai 2008

 

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