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Presseschau / Archiv / Dossier

Top-Thema vom Montag, 19. Mai 2008


Wer ist schuld an der Nahrungsmittelkrise?

In der anhaltenden Diskussion um die weltweite Verteuerung der Nahrungsmittel wird der Ton schärfer. Europas Presse sucht die Schuldigen - und mögliche Lösungen.


Magyar Hírlap - Ungarn

"Wo liegen nun die Ursachen für die Nahrungsmittelkrise verborgen? Fakt ist, dass die Preise für die Energieträger, die für die Produktion und den Transport notwendig sind, in astronomische Höhen steigen. ... Was allerdings noch mehr ins Gewicht fällt, sind die Bewegungen des skrupellosen Spekulationskapitals: Angesichts der Tatsache, dass in der Ölindustrie und auf den klassischen Finanzsektoren kaum noch satte Profite erzielt werden können, flieht es vor der Finanzkrise in die Landwirtschaft! Die Kapitaleigner kaufen Produktionsmittel und Felder auf und halten gemeinsam die Preise für Getreide hoch. ... Die Lösung: Das US-amerikanische und europäische Biotreibstoffprogramm müsste umgehend eingestellt werden. Jener Teil des Spekulationskapitals, der in der Nahrungsmittelindustrie auf riesige Gewinne aus ist, muss schlicht und einfach bestraft werden - selbst wenn dies aus heutiger Sicht noch als irreal und undurchführbar erscheint." (19.05.2008)


Diário de Notícias - Portugal

Die Lebensmittelkrise und die Aussagen des US-Präsidenten George W. Bush kommentiert die Tageszeitung Diário de Notícias: "Mit seiner üblichen Diplomatie, sagte George W. Bush, dass die Inder, wegen ihres plötzlichen Reichtums, an der internationalen Erhöhung der Lebensmittelpreise schuld seien. ... Die US-Amerikaner platzen aus ihren Hosen. ... Und genau daran erinnerten Indiens Behörden Bush: 'Lasst uns doch messen!' und stellten gleich ihre Taille bereit, um sie mit der der Amerikaner zu vergleichen. Ein Amerikaner isst am Tag 3770 Kalorien, ein Inder 2440. In Neu Delhi hieß es auch, dass der Betrag, den die Amerikaner für Fettabsaugungen ausgeben, ausreichend sei, um den Welthunger zu stillen. Die Inder und die Chinesen essen mehr und werden weiterhin mehr essen. Und die Welt wird lernen müssen, mit diesem Appetit umzugehen." (16.05.2008)


La Repubblica - Italien

Die Tageszeitung La Repubblica berichtet über einen Plan zur Bekämpfung der Nahrungsmittelkrise, den die EU-Kommission morgen vorstellen will: "Als Antwort auf den Notstand legt [Kommissionspräsident] Barroso keine klaren Konzepte vor, das Dokument spricht von Eingriffen, die den Verteuerungseffekt bremsen sollen, ... wie die Förderung der zweiten und dritten Generation von Biokraftstoffen innerhalb und außerhalb der EU. ... Ein Dokument, das Polemiken auslösen wird, da es zu einer wachsamen Öffnung der EU zu genetisch modifizierten Nahrungsmitteln rät, deren Anbau in Europa, im Gegensatz zum Rest der Welt, beschränkt ist." (19.05.2008)


To Vima - Griechenland

Die Verbraucher werden nicht über die Hintergründe der Preiserhöhungen informiert, schreibt die Tageszeitung To Vima. "Wir haben vor einigen Tagen erfahren, dass die Erhöhung der Treibstoffpreise hier größer ist als im Ausland und wir wissen schon seit langem, dass in diesem Bereich Rechtsfreiheit, Erpressung und Schmuggel herrscht. Wir müssten wissen, dass in diesem Bereich auch generell die Heuchelei des Staates herrscht, denn durch die Erhöhung der Benzinpreise werden auch dessen Einnahmen erhöht. … Was wir aber nie erfahren haben … ist, inwieweit die täglichen Erhöhungen des internationalen Preises von Erdöl die Wahrheit widerspiegeln. Dasselbe gilt auch für die grundlegenden Landwirtschaftsprodukte. Wir haben mitbekommen, dass deren Preise sich erhöht haben und als Folge davon gab es eine andauernde Brotpreiserhöhung, aber wir erfahren nichts über die plötzlichen Preisstürze, die im internationalen Markt stattgefunden haben, wie kürzlich beim Preis des Getreides, die aber nicht eine direkte Auswirkung auf den Brotpreis hatten." (18.05.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 19. Mai 2008

 

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