Top-Thema vom Montag, 14. Juli 2008
Der Mittelmeer-Klub

Am Wochenende wurde in Paris die Mittelmeerunion aus der Taufe gehoben. Das in der EU umstrittene Projekt führte mehr als 40 Staats- und Regierungschefs zusammen, darunter auch Vertreter aus den Palästinensergebieten, Israel, Syrien und dem Libanon. Die europäische Presse diskutiert über Sinn und Unsinn der neuen Union.
Diário de Notícias - Portugal
Laut dem Leitartikel der Tageszeitung Diário de Notícias ist die Gründung der Mittelmeerunion nur ein erster Schritt: "Nirgendwo sonst auf der Welt ist der Unterschied des Reichtums so groß wie zwischen Spanien, Frankreich sowie Italien und Nord-Afrika. Dies erklärt auch das Drama der illegalen Immigration und weshalb so viele Menschen von der armen Seite auf die reiche kommen wollen, auch wenn sie dafür ihre Leben riskieren. Die Mittelmeerunion, die gestern in Paris ins Leben gerufen wurde, wird wohl nicht ausreichen, um diesen jahrhundertealten Graben - gefüllt mit nationalistischem und kolonialistischem Hass auf beiden Seiten - zu schließen. Doch Nicolas Sarkozys Projekt wurde von Repräsentanten aus vierzig Ländern unterschrieben und dies beweist, dass sich alle darüber im Klarem sind, dass der gemeinschaftliche Wohlstand von einer Zusammenarbeit aller abhängt. Und dies ist schon mal ein Anfang." (14.07.2008)
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Večer - Slowenien
Die Tageszeitung Večer erinnert an den steinigen Weg zur Gründung der neuen Mittelmeerunion: "Es ist nicht genau das, was Sarkozy im Sinn hatte. Er dachte an einen Verband der ausschließlich aus Küstenländern besteht, der so genannte 'Club Med'; der Verband hätte eine eigene Investitionsbank und regelmäßige Ministertreffen gehabt. Nach Sarkozys Vorstellungen hätte die EU das Projekt großzügig finanziert, die Hauptrolle hätte Frankreich gespielt. Doch am Ende musste Frankreichs Präsident dem Widerstand der EU-Schlüsselländer nachgeben, die dagegen waren, dass Brüssel Frankreichs Wunsch nach einer Ausweitung seines Einflusses finanziert. ... Obwohl offensichtlich ist, dass die neue Union mit einem Mangel an ernsten Versprechungen über Investitionen in die Entwicklung der Mittelmeerländer geboren wurde, hat Frankreichs Präsident einen ersten Erfolg verbuchen können und zwar mit der Aussage, der 'Club Med' bringe 'neue Hoffnung'. ... Bis jetzt ist nur eines sicher: Frankreich ist es ... gelungen, seine Rolle - und damit auch die Rolle der EU - im Nahen Osten zu stärken." (14.07.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Jože Plešnar
Le Figaro - Frankreich
Für die Tageszeitung Le Figaro kehrt Frankreich mit der Mittelmeerunionauf die diplomatische Bühne des Nahen Ostens zurück: "Der Start der Mittelmeerunion in Paris an diesem Wochenende betont mit viel Pomp die Rückkehr Frankreichs in den Nahen Osten. Dass sich der Israeli Ehud Olmert, der Syrer Bachar el-Assad und der Libanese Michel Sleimane an den selben Tisch setzen, ist ein Etappensieg für ein Projekt, das vor seiner Entstehung mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert war. ... Außerdem beweist es, dass die französische Diplomatie noch immer Gewicht hat, wenn es um die Zukunft des Nahen Ostens geht. ... Nicolas Sarkozy ist eine Art Pate für eine neue Beziehung zwischen Damaskus und Beirut. In Anbetracht der jüngsten Geschichte geht er mit diesem Schritt ein großes Risiko ein. Doch die große Verantwortung, die der Präsident auf sich nimmt, entspricht den Ambitionen, die unser Land hinsichtlich des Libanons und der Region immer verfolgt hat." (12.07.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Pierre Rousselin
The Times - Großbritannien
Die Tageszeitung The Times zweifelt an der Wirkung der neuen Mittelmeerunion: "Eine nützliche Konferenz in Paris, obwohl das Resultat ein Rohrkrepierer sein könnte. ... Hinter den hochtrabenden Erklärungen stehen jedoch nützliche Maßnahmen: Säuberung des Meeres, Zusammenarbeit bei 'Autobahnen' zu Land und zu Wasser, Entwicklung der Sonnenenergie, Studentenaustausch und die Etablierung einer Institution zur technischen Hilfe für mittlere und Kleinunternehmen. Das Treffen wurde genutzt, um Syrien aus der Kälte zu bringen. Präsident Assad wurde die Chance gegeben, aus der erstickenden Umarmung des Irans auszubrechen und wurde probeweise wieder als ein Verhandlungspartner des Westens akzeptiert. ... Es bleibt offen, ob diese Konferenz zu einem ständigen Sekretariat und dauerhaften Institutionen führt. Aber immerhin wurden lange getrennte Nachbarn wieder zusammengeführt." (14.07.2008)
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