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Top-Thema vom Donnerstag, 17. Juli 2008


Gefangenenaustausch im Nahen Osten

Israel und die libanesische Schiitenorganisation Hisbollah haben einen Gefangenenaustausch ausgehandelt: Die Leichen zweier israelischer Soldaten, deren Entführung vor zwei Jahren einen Krieg zwischen den beiden Staaten ausgelöst hatte, wurden gegen die sterblichen Überreste von 200 Libanesen eingetauscht. Außerdem wurden fünf Hisbollah-Kämpfer, darunter der Terrorist Samir Kuntar, freigelassen. Die europäische Presse diskutiert über die Folgen für die krisengeschüttelte Region.


Tagesanzeiger - Schweiz

Wenn lebende Terroristen gegen tote Soldaten getauscht werden, gehört die Hisbollah eindeutig zu den Gewinnern, schreibt Der Tagesanzeiger: "Unter dem Druck von Angehörigen, der Öffentlichkeit und des eigenen Versagens hat die israelische Regierung von Ehud Olmert diesem Tausch zugestimmt. Viel für sich herausschlagen kann sie allerdings nicht. Zu offensichtlich gehört vor allem die andere Seite zu den Profiteuren, die selbst einen gewöhnlichen Verbrecher als Helden in Empfang nehmen darf. ... Die Regierung Olmert ... wird über den heutigen Tag hinaus keinen politischen Gewinn verbuchen. Sie muss sich fragen lassen, weshalb sie sich nicht auf denselben Deal um Gefangene mit der Hamas einlässt, um [den israelischen Soldaten] Gilad Shalit freizubekommen. Die Hamas wird sogar versucht sein, den Preis noch höher zu schrauben. Weil sich beide Seiten auf einem Markt bewegen, auf dem Häftlinge nicht Subjekte rechtsstaatlicher Verfahren sind, sondern einfach Handelsware." (16.07.2008)


La Razón - Spanien

"Die Terroristen-Organisation Hisbollah hat gestern einen großen Propaganda-Sieg eingefahren, indem sie einen ihrer blutigsten Anführer gegen die Leichname von zwei israelischen Soldaten ... eingetauscht hat", bedauert die spanische Tageszeitung La Razón nach dem Gefangenentausch zwischen Israel und dem Libanon. "Dieser Propaganda-Sieg ist keine gute Nachricht, weder für den Frieden im Nahen Osten noch für den leidenden Libanon und auch nicht für die dort stationierten spanischen Truppen." (17.07.2008)


La Repubblica - Italien

Die Tageszeitung La Repubblica sieht im Handel zwischen Israel und der Hisbollah auch Positives: "Der Jubel der Hisbollah ist gerechtfertigt, mit ihnen, nicht mit der Regierung des Libanons, hat Israel den Gefangenenaustausch ausgehandelt. Das ist einerseits ein schlechtes Zeichen, denn es zeigt die Schwäche des Staates, anderseits ein positives, denn es zeigt die Bereitschaft zum Dialog. Die diplomatische Wende entschärft die Gefahr eines neuen Bürgerkriegs und hat Syrien wieder ins Spiel gebracht, was sich Nicolas Sarkozy zurechnen darf. ... Selbst die westlichen Regierungszentralen, die darauf beharren, die Schiiten als Terroristen zu bezeichnen, haben Erleichterung über die Einbeziehung der Hisbollah in die Regierungsbildung ... geäußert. Eine Stabilisierung, die sogar Israel, das dafür einen hohen Preis ... bezahlt, nicht missfällt." (17.07.2008)


The Independent - Großbritannien

Die Tageszeitung The Independent hofft, dass der Gefangenenaustausch zwischen Israel und dem Libanon einen neuen Anfang für die Region bedeutet: "Der makabere Austausch, der gestern an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon stattfand, wurde weithin als das letzte Kapitel des unglücklichen Krieges vor zwei Jahren dargestellt. Und in vielerlei Hinsicht ist er das. ... Einige könnten in der feierlichen Zeremonie gestern eine Symmetrie sehen, die nicht unangemessen war. Der Gefangenenaustausch wirkte so unausgewogen wie der Krieg selbst, der die Leben von 157 Israelis und 1200 Libanesen gekostet hat. ... Jedoch ist eine grobe Aufrechnung der Zahl an Todesopfern irreführend. Israel hat immer einen außerordentlich hohen Wert für seine gefangenen Bürger angesetzt, weshalb israelische Gefangene von ihren Feinden als Verhandlungsmasse so geschätzt werden. ... Der gestrige Gefangenenaustausch beendet nicht nur ein beklagenswertes Kapitel, sondern markiert - so hoffen wir - den Beginn von etwas Neuem und Besserem." (17.07.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 17. Juli 2008

 

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