05.07.2009

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Top-Thema vom Montag, 15. September 2008


Papst Benedikt XVI. in Frankreich

Bei seinem ersten Frankreich-Besuch hat Papst Benedikt XVI. Europa dazu aufgefordert, sein christliches Erbe nicht zu ignorieren. Mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy diskutierte er das Konzept des "positiven Laizismus". Zum Höhepunkt der Reise sprach der Papst im Marienwallfahrtsort Lourdes vor rund 100.000 Gläubigen. Europas Presse analysiert den viertägigen Besuch des katholischen Kirchenoberhaupts.


Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zieht eine positive Bilanz des Besuches von Papst Benedikt XVI. In Frankreich. "So viel Einigkeit wie jetzt in Paris zwischen dem dynamischen Sarkozy und dem klugen Benedikt war selten zwischen einem französischen Präsidenten, den die Verfassung zur strikten Trennung von Staat und Kirche verpflichtet, und einem Papst, der sich an das Bibelwort halten muss, es aber auch auslegen darf. ... Benedikt XVI. hat in den dreieinhalb Jahren seines Pontifikats geduldig und ruhig Überzeugungsarbeit geleistet. Auch dafür, dass nicht allein die modernen Aufklärer im Besitz der Vernunft sind; ... Damit gab der Intellektuelle auf dem Stuhl Petri ein wenig die herausragenden französischen Laizisten, ehemalige Präsidenten oder gerühmte Professoren, die von den christlichen Wurzeln Europas nichts wissen wollten, der Torheit preis. ... Und schließlich warb er dafür, getrost auf das bewährte christliche Werte-Fundament Europas zurückzugreifen; da gibt es bessere, menschlichere Schätze als in jeder anderen Kultur. In aller christlichen Bescheidenheit." (15.09.2008)


Cotidianul - Rumänien

Der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Frankreich habe zwei Ziele gehabt, schreibt die Zeitung Cotidianul. "Einerseits versucht der Papst, den Katholizismus in Europa zu beleben, Frankreich ist dabei die größte Herausforderung. Von den 65 Prozent der Franzosen, die bei der Volkszählung ankreuzen, dass sie katholisch seien, gehen nur fünf Prozent mindestens einmal im Monat in die Kirche, um sich dort zu bekreuzigen. Der französische Kreuzzug schien von Beginn an eine 'unerfüllbare Mission', nicht nur wegen des französischen Säkularismus, sondern auch wegen des neuen Papstes im Vatikan, der weniger populär und dogmatischer ist als Johannes Paul II. ... Der französische Staatschef Nikolas Sarkozy hat sich hingegen durch den Papstbesuch eine Salbung für die nächsten Wahlen erhofft. ... Sarkozy ist kein großer Christ – dreimal verheiratet, einer der öffentlich erklärt, dass er die Kirche nur 'gelegentlich' besucht. Nun versucht er, Frankreich die Kultur aus der Zeit der Religionskriege wiederzugeben." (15.09.2008)


La Repubblica - Italien

Aldo Schiavone kommentiert in der Tageszeitung La Repubblica die Asymmetrie zwischen dem Wert der Freiheit und dem Wert der Vereinigung in der Rede von Papst Benedikt XVI, die er am Sonntag im Pariser Collège des Bernadins gehalten hat. "Der Papst hat die wahrhaftige Berufung seiner Amtszeit offenbart: den Verstand noch vor dem Herzen anzusprechen, ein großes theologisches Konzept zu entwerfen, das die Kirche mit der Modernität, den Glauben mit der Vernunft versöhnt. ... Der rettende Pfad soll die Verknüpfung der Prinzipien von Freiheit und Verbindung sein. Die Situation wird dadurch kompliziert, dass die Kirche spezifische Ausformungen dieser Prinzipien – etwa Familie, Leben, Tod, Rolle der Frau betreffend – als unmittelbare Folgeerscheinung des Absoluten, als direktes und unabänderliches Echo des Wort Gottes versteht. Das führt zu einer unauflösbaren Asymmetrie, welche die Möglichkeit einer neuen Allianz zwischen Vernunft und Glauben kompromittiert: Während der Begriff der Freiheit die historische Verfasstheit der Menschheit prägt und immer wieder in Frage gestellt werden kann, hat der Begriff der Bindung, über den die Kirche Deutungshoheit beansprucht, übernatürlichen Ursprung, vor ihm hat man sich zu beugen." (15.09.2008)


Le Figaro - Frankreich

In ihrem Leitartikel gibt die Tageszeitung Le Figaro eine positive Bewertung des Besuchs des Papstes in Frankreich ab: "Man lächelt, wenn man noch einmal die dramatisierenden Kommentare liest, mit denen in der vergangenen Woche Papst Benedikt XVI. begrüßt wurde: Hat er das richtige Profil? Ist er derjenige, auf den unsere Gesellschaft wartet? ... Er hat den Laizismus ... vor dem Präsidenten der Republik erwähnt. Er hat den Intellektuellen eine prächtige Geschichts- und Theologielehre vorgelegt … Am Sonntag hat sich der Papst lange an die Bischöfe gewandt. Mit Brüderlichkeit, aber mit Entschiedenheit. ... Sein Argument ist einfach: ... Die Katholiken müssen sich engagieren, 'rechtzeitig und gegenseitig' intervenieren ... Diese von Benedikt XVI. erteilte Lehre des Wagemuts richtet sich nicht nur an die Geistlichen, ... sondern an alle Menschen von gutem Willen." (15.09.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 15. September 2008

 

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