05.07.2009

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Top-Thema vom Mittwoch, 15. Oktober 2008


Gordon Brown - der überraschende Retter

Der britische Premierminister und Euroskeptiker Gordon Brown galt lange als Randfigur innerhalb der Europäischen Union. Jetzt hat die Bankenkrise den ehemaligen Finanzminister ins Zentrum des Geschehens gerückt. Während die britischen Medien seine neue Popularität kritisch sehen, kündigt sein Rettungsplan eine Neuordnung der Strukturen in Europa an, meint die europäische Presse.


Financial Times Deutschland - Deutschland

Die Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland meint, dass Politiker durch das Meistern von Krisen definiert werden. Der ehemalige britische Finanzminister Brown habe sich in der Bankenkrise als unerwartet kompetent entpuppt. "Der britische Premier galt als finster, unentschlossen und hoffnungslos ungeeignet für sein Amt. Jetzt wird er als Retter gefeiert, weil sein Krisenmanagement zum Vorbild für andere Staaten geworden ist ... Bevor die Krise mit aller Wucht einschlug, galt Brown weithin als tragikomische Figur – ein Mann, der unbedingt Premierminister werden wollte, sich aber als hoffnungslos ungeeignet für die Aufgabe erwies. Doch Browns Rettungsplan fand Anklang und wurde nicht nur in Großbritannien angenommen, sondern auf der ganzen Welt. ... Krisen definieren Politiker. ... Plötzlich agiert Brown ruhig, entschlossen und kontrolliert." (15.10.2008)


The Guardian - Großbritannien

Die links-liberale Tageszeitung The Guardian kommentiert die neue Popularität Browns in der Finanzkrise, bleibt aber mit Blick auf seine langfristigen Chancen pessimistisch: "Brown sollte auf der Hut sein, zu früh zu viel auf die öffentliche Stimmung zu geben. Neuere Meinungsumfragen auf nationaler Ebene mögen die besten Labour-Werte seit Monaten zeigen, aber das sagt nicht viel. Labour bleibt weit hinter den Konservativen – 10 Prozent in der letzten Umfrage – und verfügt über einen weitaus geringeren Stimmenanteil als bei der Wahl 2005, während die Umfrage von [dem Meinungsforschungsinstitut] YouGov am Wochenende zeigte, dass eine große Mehrheit Browns Wirtschaftsmanagement höchst kritisch sieht. ... Wenn die Wahl kommt, könnte die Tatsache, dass Brown die Finanz-Institutionen gerettet haben mag, weniger zählen als der mächtige Vorwurf – den die Oppositionsparteien gestern schon erhoben – dass er der Mann ist, der den Banken überhaupt erst erlaubte, die Klippen anzusteuern." (15.10.2008)


Dagens Nyheter - Schweden

Für die Stockholmer Tageszeitung Dagens Nyheter ist Brown der Held der Finanzkrise. Er habe das schwedische Krisen-Modell der Bankenfinanzierung als Anregung genommen und damit analytisches Denken und politische Handlungskraft bewiesen. Aber auch für die politische Organisation der EU zieht das Blatt eine Lehre aus der Krise. "Rein zufällig hat gerade jetzt Frankreich mit seiner handlungskräftigen und bewährten politischen Führung die EU-Ratspräsidentschaft inne. Mit dem in Kraft getretenen Lissabon-Vertrag hätten wir immer einen solchen Ratspräsidenten. Denn der soll genau für diesen Auftrag gewählt werden und das Amt mindestens zweieinhalb Jahre innehaben. Und Gordon Brown hat bewiesen, dass auch eine nur mäßig an Europa interessierte Person dafür in Frage kommen kann." (15.10.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 15. Oktober 2008

 

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