04.07.2009

euro|topics illustration
euro|topics
 

Navigation

Top-Thema vom Montag, 31. März 2008


Gehört der Wilders-Film in die Öffentlichkeit?

Vergangene Woche hat der niederländische Populist Geert Wilders seinen islamkritischen Film "Fitna" im Internet veröffentlicht. Der 15-minütige Film stellt Bilder von Terroranschlägen oder Hinrichtungen neben Koransuren. Viele Zeitungen beschäftigt die Frage, ob man diese Form der Islamkritik im Namen der Meinungsfreiheit dulden sollte.


De Volkskrant - Niederlande

Die niederländische Tageszeitung hält Geert Wilders für heuchlerisch: "'Fitna' ist ein Propagandafilm, der in allen Punkten den Methoden entspricht, die radikale und totalitäre Regime benutzen, um die Gemeinschaften gegeneinander auszuspielen. Der Film 'Fitna' versucht, die Muslime in den Niederlanden in die Enge zu treiben, indem er unterstellt, Gewalt und Hass entsprängen unweigerlich dem Koran. Insofern rechtfertigt der Film das politische Programm von Wilders, der den Koran verbieten und Islamschulen und Moscheen schließen lassen will. Am Ende des Films ruft Wilders die niederländischen Muslime dazu auf, Koranseiten zu zerreißen. Mit anderen Worten: Muslime können nur dann vollwertige Staatsbürger sein, wenn sie den Koran ablehnen... Mit 'Fitna' hat Wilders der Debatte über die Integration der Muslime in die niederländische Gesellschaft einen schlechten Dienst erwiesen." (29.03.2008)


Die Presse - Österreich

Christian Ultsch bezeichnet "Fitna" als "grob uninspirierten Propagandakurzfilm" und kommentiert: "Doch verstörender noch als das verunglückte Filmchen sind die hysterischen Reaktionen darauf. Nicht nur die niederländische Regierung, sondern gleich auch die EU-Ratspräsidentschaft und die EU-Kommission fühlten sich bemüßigt, den cineastischen Flatus des Herrn Wilders zu verurteilen, damit die muslimische Wutabteilung ja nicht wieder Fahnen, Botschaften oder anderes anzündet. Damit beugte sich Europa vorauseilend dem neurotischen Diskurs der Frustriert-Aggressiven. Tatsächlich dauerte es am Freitag nicht lange, bis Politiker von Jordanien bis zum Iran empört forderten, den Film zu zensurieren. Da aber hört sich der Spaß auf: In Europa muss Meinungsfreiheit heißen, dass auch ein geschmackloser Schrott wie Wilders' Pamphlet in Umkreis gelangen – und sich selbst richten darf." (31.03.2008)


Pravda - Slowakei

Miloslav Surgos ist angesichts von Wilders Films zwiespältig: "Die Meinungsfreiheit ist eine der Freiheiten, auf denen die westliche Zivilisation gründet. Die Sache hat aber einen Haken. Bei dem Film geht es gar nicht um Meinungsfreiheit... Der Autor erzeugt Spannungen zwischen dem Westen und den Muslimen und sucht damit nur seinen eigenen Vorteil. Er provoziert gezielt und bewegt sich an der Grenze der Legalität. Das steigert seine eigene politische Popularität. Zudem ist es nicht gerade glücklich, wie Wilders über die Freiheit anderer denkt: Er hat wiederholt vorgeschlagen, den Koran in den Niederlanden zu verbieten." (31.03.2008)


Politiken - Dänemark

Politiken findet es richtig, dass "kluge" niederländische Imame und der dänische Regierungschef Anders Fogh Rasmussen sich nicht zu "Fitna" äußern. "Falls dieses Machwerk in den Medien eine Debatte und politische Reaktionen auslösen sollte, dann ist das auf den 'Karikaturenstreit' zurückzuführen. Hier in Dänemark haben die polarisierte Diskussion und muslimische Terrordrohungen dazu geführt, dass viele zeitweise die Augen vor dem Offensichtlichen verschlossen haben: Die Verteidigung des Rechts auf freie Meinungsäußerung ist kein Grund, das Gehirn auszuschalten und den Unterschied zwischen Argumenten und Propaganda, zwischen öffentlicher Diskussion und hasserfülltem Anschwärzen zu vergessen." (29.03.2008)


Libération - Frankreich

Der Vorsitzender von "SOS-Racisme, Domique Sopo, findet die offizielle Reaktion mancher Länder seltsam. "Die politischen Reaktionen aus den europäischen Ländern fallen schwach aus. Sie zeugen von der Unfähigkeit, Wilders als das zu bezeichnen, was er ist (nämlich jemand, der mit dem Rassismus liebäugelt, und nicht einfach ein freigeistiger Unruhestifter). Sie zeugen von der Unfähigkeit, diese düstere Geschichte nicht zum Thema einer quasi internationalen Debatte hochkochen zu lassen. Sie zeugen von der Unfähigkeit, dem Denken der Einwanderer oder Einwandererkinder einen anderen Bezugspunkt zu geben als Religion. Die Reaktionen aus muslimischen Länder sind zumindest verblüffend. Die Regierungen dieser Länder sind letztendlich alle gezwungen, sich über die mittelmäßige Schmährede eines obskuren Abgeordneten zu äußern." (31.03.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 31. März 2008

 

Bookmarken bei   del.icio.us    Digg!    YiGG.de    Webnews!    FURL    LinkARENA    Mister Wong    oneview   

Weitere Inhalte

THEMEN

NEWSLETTER

Um den kostenlosen Newsletter zu abonnieren oder zu kündigen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein:

TOP-THEMEN DER WOCHE

PRESSESCHAU-KALENDER

Mo Di Mi Do Fr Sa So
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31