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02.12.2008

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Top-Thema vom Mittwoch, 18. Juni 2008


Frankreich zurück in der NATO

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat eine tiefgreifende Umstrukturierung der landeseigenen Streitkräfte angekündigt. Unter anderem soll Frankreich wieder vollständiges Mitglied der NATO werden. Wie beurteilt Europas Presse die Modernisierung der europäischen Atommacht?


The Times - Großbritannien

Die Tageszeitung The Times bezeichnet die geplante Modernisierung der französischen Armee als "neue strategische Vision" und begrüßt sie als "ebenso sinnvoll wie weitreichend. ... Das militärische Ziel ist, die französische Armee schlanker zu machen, ausgestattet mit besserer Überwachungstechnik und besseren Waffen und mehr auf die Bekämpfung des Terrorismus konzentriert als auf die Kalte-Kriegs-Gefahr eines Konflikts in Europa. Es gibt jedoch einen bedeutenden Wechsel in der militärischen Doktrin. Frankreich gestaltet seine Armee mit der Absicht um, dem gemeinsamen Kommando der NATO wieder beizutreten und die militärische Rolle der Europäischen Union zu stärken. Mehr als 40 Jahre, nachdem Frankreich die NATO aufforderte, Paris zu verlassen, hat Sarkozy seinen Verbündeten und Landsleuten Bescheid gegeben, dass der gaullistische Traum von militärischer Unabhängigkeit vorbei ist." (18.06.2008)


Trouw - Niederlande

Auch mit der Umstrukturierung der Streitkräfte behält Frankreich seine militärische Unabhängigkeit, kommentiert die Tageszeitung Trouw: "'Sarko der Amerikaner' macht erneut deutlich, dass er mit der traditionellen französischen Distanz zu den Amerikanern bricht. Frankreich kehre zurück in das militärische Kommando der NATO, damit wiederholte er ein früheres Versprechen. Präsident Charles de Gaulle verließ das militärische Kommando 1966 aus Protest gegen 'amerikanische Vorherrschaft'. ... Die NATO ist immer eine sensible Frage geblieben. Sarkozy versicherte gestern dann auch, dass Paris ein unabhängiger Bundesgenosse, ein freier Partner bleiben werde. Die Rückkehr ... sei eigentlich auch kein Bruch mit der gaullistischen Linie, versicherte Sarkozy. Eine vollständige Mitgliedschaft verpflichtet niemanden, Soldaten in Krisengebiete zu schicken. Außerdem bleibt die Entscheidung über die französischen Atomwaffen ... in französischen Händen." (18.06.2008)


Le Monde - Frankreich

Die Tageszeitung Le Monde fordert im Zusammenhang mit der geplanten Reform der französischen Streitkräfte ein Umdenken in der Ausbildung der Soldaten: "Die französische Armee soll also eine Abmagerungskur durchmachen. ... Das Profil der Landesverteidigung wird sich verändern. Der Gewichtsverlust soll durch einen reduzierten Personalbestand erreicht werden. ... Um es genau zu sagen, wird sich die militärische Doktrin nicht mehr allein auf die vier traditionellen Pfeiler Prävention, Abschreckung, Schutz und Intervention stützen. Eine fünfte Funktion wurde den Soldaten zugeordnet: Wissen und Antizipation, anders formuliert, der Nachrichtendienst, um nicht Spionage zu sagen. ... Alle Armeen der Welt, angefangen bei den amerikanischen Truppen im Irak und den russischen Truppen in Tschetschenien, haben diese fünf Aufgaben. Man vergisst aber, ihnen eine sechste vorzugeben: die Schäden zu reparieren und die weinenden Kinder zu trösten." (18.06.2008)


La Repubblica - Italien

Die italienische Tageszeitung La Repubblica sieht die geplante Umstrukturierung der französischen Armee vor allem als Veränderung der Prinzipen: "Weniger Soldaten, mehr Überwachung. Eine flexible und effiziente Verteidigungskraft, die auf die neue Bedrohung, nicht mehr nur auf Krieg, sondern auf Terrorismus, antworten kann, das ist das neue Heer von Nicolas Sarkozy. ... Die Entscheidung bringt keine große Veränderung auf praktischer Ebene, wohl aber im Bereich der Prinzipien. ... Sarkozy sieht nicht nur im eigenen Land mehr Überwachungstechnik für das Militär vor, sondern fordert die EU auf, eine Armee von 60.000 Soldaten ins Leben zu rufen, ein kleines Heer, das die Europäer dazu befähigt, gemeinsam zu handeln, und in jedem Winkel der Union bei Krisen auch über einen längeren Zeitraum aktiv zu sein." (18.06.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 18. Juni 2008

 

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