04.07.2009

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Top-Thema vom Mittwoch, 5. April 2006


Integration von Immigranten

Wer darf ins Land und wie sollen Immigranten integriert werden? Diese Fragen beherrschen in einigen europäischen Ländern die innenpolitische Debatte, seit bisherige Integrationskonzepte als gescheitert gelten. Viel diskutiert werden derzeit Wissenstests für Einwanderer, die eingebürgert werden wollen. Kulturelle und wirtschaftliche Argumente werden - je nach Standpunkt - für oder gegen Immigration vorgebracht.


Les Echos - Frankreich

"Bei der Integration muslimischer Immigranten gelten die USA gemeinhin als erfolgreicher als Europa", schreibt der Amerikaner Stephan Richter, Chefredakteur der Wochenzeitung "The Globalist". "Für einige amerikanische Beobachter ist dieser Misserfolg Europas die Folge einer falschen Politik: Die Europäer haben auf Sozialhilfeprogramme gesetzt statt auf nennenswerte Integrationsbemühungen für die Neuankömmlinge." Richter ist anderer Meinung. "Unter den Muslimen, die in die USA gekommen sind, sind viele, die von Bildung und Ausbildung her zu den Hochqualifizierten in ihren Herkunftsländern zählen... In Europa ist die Situation anders. Die meisten muslimischen Emigranten haben Probleme, weil sie keine Ausbildung haben, arm sind und kein Englisch sprechen... Die USA haben eine gesteuerte Einwanderungspolitik, Europa nicht. Das ist der Unterschied." (05.04.2006)


Financial Times - Großbritannien

Michael Wolf hat nichts gegen gering qualifizierte Einwanderer in Europa, fragt aber nach den wirtschaftlichen Folgen: "Mit weniger Einwanderern würde die Wirtschaft langsamer wachsen. Aber die Frage für die Bürger der einzelnen Länder ist nicht, ob die Neuankömmlinge die Wirtschaft ankurbeln, sondern ob sie ihr eigenes Einkommen in die Höhe treiben... Die Öffnung des Welthandels begrenzt die Möglichkeiten für die Herstellung arbeitsintensiver Güter und Dienstleistungen in reichen Ländern. Gering qualifizierte Einheimische müssen sich in anderen Sektoren Arbeit suchen. Wenn gering qualifizierte Immigranten die Löhne auch dort nach unten drücken, dann entsteht unausweichlich eine Klasse von Benachteiligten. Darf das sein? Das hängt davon ab, ob man glaubt, dass extreme Ungleichheit mit einer funktionierenden Demokratie vereinbar ist." (05.04.2006)


Der Standard - Österreich

In einem Schwerpunkt analysiert die Zeitung Einbürgerungstests, die es beispielsweise in Dänemark, Frankreich, Griechenland, den Niederlanden und Großbritannien gibt - und die auch in Deutschland und Österreich diskutiert werden. "Die österreichische Variante sieht 'Staatsbürgerschaftstests' vor, die, unter Drohung der Ausbürgerung auf Inländer angewandt, ganze Landstriche leeren würden: Wo sich 'zwei berühmte Flügelaltäre Oberösterreichs' befinden, dürfte selbst eingefleischten Mostschädeln nicht im Schlaf geläufig sein", mokiert sich Samo Kobenter. "Das ist ein durchgehendes Merkmal dieser Tests: Unter dem Vorwand, die Kenntnis regionaler Geschichte und Kultur zu vertiefen, wird den künftigen Mitbürgern genau der klein karierte Provinzialismus eingeimpft, dessen Vorhandensein hier zu Lande stets bestritten wird." (05.04.2006)


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Mit Unbehagen beobachtet Heribert Prantl die neue Debatte über die Integration von Ausländerkindern an deutschen Schulen, nachdem eine Berliner Schule ihre Kapitulation vor der Gewalt erklärt hatte: "Es gibt zehn Regeln, an die man sich halten muss, um den Ausländern in Deutschland den Weg zur Integration erfolgreich zu verbauen. Der Politik ist es seit dem Aufruhr über die Zustände an der Rütli-Schule in Berlin gelungen, viele dieser Regeln zu beherzigen", schreibt Prantl und nennt Drohungen mit Repressionen bis hin zur Ausweisung für "integrationsunwillige" Immigranten als Beispiel. "Mit Haudrauf und Wegdamit wird nur eines erreicht: Die Minderheit flüchtet sich noch mehr in ihr Anderssein. Noch ist Integration ein Fremdwort - für die Alt- wie für Neubürger in Deutschland... Es geht um viel, es geht um die zweite deutsche Einheit: um die zwischen Alt- und Neubürgern, also zwischen Bürgern deutscher und ausländischer Herkunft." (05.04.2006)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 5. April 2006

 

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