03.07.2009

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Top-Thema vom Mittwoch, 9. August 2006


Sind die europäischen Kernkraftwerke sicher?

In Europa hat es innerhalb kurzer Zeit zwei nukleare Störfälle gegeben: im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark und bei den Reaktoren im tschechischen Temelin. Diese beiden Zwischenfälle erinnern an die Risiken der Atomkraft, eine der Hauptenergiequellen Europas.


Le Figaro - Frankreich

"Die Länder des westlichen Europas fürchten sich vor allem vor den überalteten Reaktoren in Osteuropa", schreibt Maurin Picard. "Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs wurden die Kernkraftwerke im ehemaligen Ostblock modernisiert und mit Hilfe westlicher Firmen auf das Niveau europäischer Sicherheitsstandards gebracht. In den 1990er Jahren wurde 'American Westinghouse' beauftragt, die aus Sowjetzeiten stammenden Druckwasserreaktoren VVER 1000 in Temelin zu erneuern, indem sie mit einem Schutzmantel umgeben wurden. Das hat aber nicht verhindern können, dass das Kernkraftwerk Temelin in Südböhmen einen 'ernsten Zwischenfall' hatte." Nach dem Zwischenfall Ende Juli im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark, ergänzt Picard, "wurde die Debatte um die nukleare Sicherheit in Europa neu angestoßen." (09.08.2006)


Der Standard - Österreich

Für Alexandra Föderl-Schmid ist es kein Zufall, dass gleich zwei schwere Vorfälle in europäischen Atomkraftwerken an einem Tag ans Licht kamen: "Im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark fielen zentrale Sicherheitsvorkehrungen aus, ein Experte sprach vom schwersten Störfall seit Tschernobyl. Damit sind Argumente vom Tisch gewischt, dass ein GAU in einem westlichen Atommeiler nicht passieren kann. Fast gleichzeitig liefen im tschechischen Atomkraftwerk Temelin, das nur wenige Dutzend Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt ist, mehrere tausend Liter verstrahltes Wasser aus. Erst kurz davor war der betreffende Reaktorblock wegen einer undichten Ölleitung außer Betrieb genommen worden. Beide Vorfälle sind ein Signal und werden eine Neuauflage der Diskussion über die Nutzung der Kernenergie in Europa bewirken. Das ist auch gut so, denn gerade noch schien alles auf eine verstärkte Nutzung dieser Energiequelle auf dem Kontinent hinzuweisen." (09.08.2006)


Frankfurter Rundschau - Deutschland

Vera Gaserow begrüßt, dass der deutsche Umweltminister nach dem schwedischen Störfall eine Sicherheitsüberprüfung der deutschen Atomkraftwerke angeordnet hat. "Mag sein, dass der Minister das bedrohliche Störfall-Szenario auch politisch taktisch nutzt in der auflebenden Debatte um die Renaissance der Atomkraft. Doch wenn er jetzt in Sachen AKW-Sicherheit klare Kante zeigt, erinnert er die Kernkraftbefürworter an ihre empfindlichste Schwachstelle. Beim Atomkonsens hatte die Regierung ein Stillhalteabkommen mit den Energiekonzernen geschlossen: ihr akzeptiert den langsamen Ausstieg, wir garantieren den ungestörten Betrieb der Kraftwerke. Fällige, aber teure Auflagen zur Nachrüstung wurden eher mit Samthandschuhen eingefordert oder in die Zukunft verschoben. Mittlerweile verabschieden sich die AKW-Betreiber von der Ausstiegsvereinbarung. Nach dem Beinahe-GAU könnte die Politik bei der Sicherheitsdebatte nun deutlich machen: auch wir können anders." (09.08.2006)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 9. August 2006

 

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