21.11.2008
In Polen wird derzeit viel über die Bespitzelung durch den ehemaligen kommunistischen Geheimdienst SB debattiert. Die Autorin Joanna Siedlecka beschreibt in ihrem 2005 erschienen Buch "Oblawa" (Jagd), wie sich der Geheimdienst gegenüber Schriftstellern verhielt. Vor allem die Spitze des polnischen Schriftstellerverbandes, so Siedlecka im Gespräch mit Maciej Urbanowski, weigere sich, ihre Geheimdienst-Verstrickung aufzuarbeiten. "Es war nämlich nicht so, dass die Sicherheitsdienste selbst die Schriftsteller bespitzelt und gebrochen haben... Die Vorstände, die Literaten an der Macht und das Establishment eliminierten die Aufmüpfigen und halfen so dem Geheimdienst. Meist ging es dabei nicht um Literatur, sondern um Wohnungen, Macht, Positionen und Reisen. Schriftsteller, die zur Mitarbeit bereit waren, wurden in der Volksrepublik ausgezeichnet. Sie hatten Wohnungen in der Aleja Roz (Rosen-Allee) oder in der Iwicka-Straße - ein wunderbares Leben... Schriftsteller wurden durch die Hand von Schriftstellern zerstört. Der SB, die Partei oder das Innenministerium machten nur die Vorgaben."
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