08.01.2009
Der Schriftsteller Rolf Schneider erinnert dran, dass die Ostdeutschen das Jahr 1968 ganz anders erlebt haben als die Westdeutschen und sich vor allem am Prager Frühling orientierten: "Lieber reisten wir, statt mit Angehörigen des [West-Berliner] Otto-Suhr-Instituts der FU [Freie Universität] Berlin zu zanken und Adlershofer Wodka zu trinken, nach Böhmen, um dort Gleichgesinnte zu treffen und in dortigen Buchhandlungen indiziertes Schrifttum zu erwerben. Am 21. August 1968 erfuhr dies alles ein jähes Ende. Aufgrund eines vorgeblichen Hilferufes... marschierten Truppen des Warschauer Paktes in die CSSR, um der vorgeblichen Konterrevolution ein Ende zu bereiten... Vor diesem Hintergrund erschienen uns die über das Fernsehen verfolgbaren Aufmärsche in Westdeutschland, wo man mit roten Tüchern und dem Ruf nach Rätedemokratie auf den Straßen umherlief, irrelevant, kindisch und unendlich weit weg."
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