08.01.2009
Karol Sauerland erinnert sich an 1968 in Polen, als das Regime Studentenproteste mit Stimmungsmache gegen die Juden beantwortete: "Fast alle polnischen Juden, die die Schoa überlebt und nicht gleich nach dem Krieg aus Polen ausgewandert waren, verließen um diese Zeit... das Land. Der Danziger Bahnhof in Warschau war der Ort, von dem aus sie sich nach Wien begaben, um von dort aus nach Israel, in die Vereinigten Staaten oder auch in die Bundesrepublik weiterzureisen. Man nannte diesen Bahnhof damals den 'Umschlagplatz'. Gott sei Dank führte er nicht in den Tod, aber so gut wie niemand hatte sich freiwillig zur Ausreise entschlossen... Persönlich vergleiche ich den Exodus führender Köpfe und der vielen talentierten jungen Leute (zu ihnen gehörte übrigens auch Jan Tomasz Gross, der mit seinem Buch über Jedwabne und nun mit seiner Studie über den polnischen Nachkriegsantisemitismus für erregte Debatten sorgt) mit dem Jahr 1933 in Deutschland... Und so gut wie keiner von denen, die Polen verlassen hatten, kam nach einundzwanzig Jahren, also 1989, wieder zurück, um seinen verlorenen Posten einzunehmen."
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