02.12.2008
"Als ich diese Woche kurz beim Eurovision Song Contest zuschaute, bekam ich den Gedanken an ein ganz anderes Bild nicht aus dem Kopf: Das des multilateralen Hauptquartiers der NATO in Kabul. Man sah denselben Glauben, dass - einfach nur durch Internationalität - eine so genannte Gemeinschaft der Nationen geformt wird. Anstelle von Eurovision und NATO kann man auch die Olympischen Spiele und Birma, das Champions-League-Finale in Moskau und Darfur, das Europäische Parlament, die FIFA, die Weltbank, die Organisation für afrikanische Einheit setzen. Ich wurde erzogen, 'Internationalismus' als gleichbedeutend mit heilig zu betrachten, als ein Konzept, um den rüden Nationalismus des 20. Jahrhunderts durch eine weltweite Herrschaft des Friedens zu ersetzen. ... Heute ist das Wort 'international' gleichbedeutend mit maßgeschneiderten Anzügen, steuerfreien Einkommen, weißen Landrovern und Genf. Der Eurovision-Wettbewerb wird von der Europäischen Rundfunkunion mit 400 Mitarbeitern von der Schweiz aus organisiert, ohne Chance auf Kontrolle oder Reform. Sie orientiert sich dabei am Internationalen Olympischen Komitee, das seinen gastgebenden Steuerzahlern heute 20 bis 30 Millionen Dollar für ein zweiwöchiges Spektakel im Namen einer Möchtegern-Bruderschaft des Weltfriedens in Rechnung stellt. ... Bis der Internationalismus eine größere Berechenbarkeit erlangen kann, wird es noch mehr Birmas und Iraks geben. Die Supermacht und der Nationalstaat werden die globale Vorherrschaft zurückgewinnen. Der Internationalismus muss aufhören, erster Klasse zu fliegen."
» zum ganzen Artikel (externer Link, englisch) Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » Soziale Bewegungen, » Global Alle verfügbaren Texte von » Simon Jenkins
» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 30. Mai 2008
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