05.07.2009
Die rumäniendeutsche Schriftstellerin Herta Müller hat vor Kurzem in einem offenen Schreiben kritisiert, dass das Rumänische Kulturinstitut (ICR) in Berlin rumänische Intellektuelle als Referenten einlade, die früher Mitarbeiter des kommunistischen Geheimdienstes Securitate waren. Der Politikwissenschaftler Vladimir Tismaneanu ruft zur Integration der Beschuldigten auf: "In keinem anderen Land Osteuropas ist es zu einer offensichtlichen Wiedergruppierung der Nomenklatura und einer derart heftigen Offensive gegen die Anhänger einer offenen Gesellschaft gekommen wie in Rumänien. Eine Lustration hätte dieses Problem gelöst. ... Da die Realität anders aussieht, müssen wir sehen, was wir mit den Ex-Informanten machen. ... Haben sie das moralische Recht, an den Einrichtungen der Gesellschaft teilzunehmen? ... Das ICR-Programm basiert auf den Spielregeln des akademischen Wettbewerbs und nicht auf einer politischen Biographie. Klar, eine Spitzel-Vergangenheit ist abscheulich für jeden, der ein bisschen Moral besitzt. Doch das ICR ist kein Moralgericht. Und Herta Müller hätte einen begrüßenswerten und therapeutischen Schritt machen können, indem sie die beiden Ex-Spitzel gefragt hätte, was sie wohl davon halten, ihre Position als kulturelle Autorität zu nutzen, um wieder in die erste Reihe des öffentlichen Lebens zurückzukehren."
» zum ganzen Artikel (externer Link, rumänisch) Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Kulturpolitik, » Geschichte, » Deutschland, » Rumänien Alle verfügbaren Texte von » Vladimir Tismaneanu
» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 30. Juli 2008
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