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Presseschau / Archiv / Presseschau | 08.05.2008

 

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60. Jahrestag der Staatsgründung Israels

60. Jahrestag der Staatsgründung Israels

 

Heute wird der 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels gefeiert. Noch immer gehört die Region zu den größten Krisenherden der Welt und eine Lösung scheint weit entfernt. Europas Presse kommentiert das Jubiläum.

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
L'Express - Frankreich, De Volkskrant - Niederlande, The Guardian - Großbritannien, Financial Times Deutschland - Deutschland

L'Express - Frankreich

In einem Interview spricht der Knesset-Vorsitzende Avraham Burg über die Gegenwart und Zukunft Israels: "Meine Gefühle sind gemischt. Stellen Sie sich vor, ich spräche mit meinen Urgroßvätern, die 500 Jahre alt sind. Ich würde ihnen von einem souveränen Staat der Juden erzählen, dass wir hebräisch sprechen, dass wir eine Armee, Universitäten, eine Wirtschaft, Tourismus haben, und dass wir mit keiner anderen Nation auf der Welt mehr im Konflikt sind. Verdutzt würden sie mir antworten: 'Was ist passiert? Ist der Messias gekommen?'. Aus der Sicht der jüdischen Geschichte haben wir nie in einer besseren Zeit gelebt. ... Weil ich die Realität kenne, spüre ich jedoch, dass etwas nicht funktioniert. ... Israel ist wie ein Schiff, das im Ozean treibt. Wohin gehen wir? Frieden? Krieg? Über das Wesen unseres Staates herrscht ein großes Dilemma. Unsere Gegenwart ist sehr gefestigt. Aber haben wir eine Zukunft?… Sechzig Jahre Unabhängigkeit reichen im Vergleich mit zweitausend Jahren Exil nicht aus, um den Sieg auszurufen." (07.05.2008)

De Volkskrant - Niederlande

"Israel ist eine demokratische Oase westlicher Werte in einer Wüste von Rückständigkeit und Diktatur", schreiben der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders und sein Parteikollege Martin Bosma in der überregionalen Tageszeitung De Volkskrant. "Israel ist in Europa nicht länger populär. Das ist die Folge des Aufkommens der muslimischen Wählerschaft. ... Ganz oben auf der politischen Wunschliste vieler Muslime steht die Vernichtung Israels. ... Auch ist Israel eine tägliche Beleidigung an die Adresse der Araber. Eine Hand voll Juden bringt das Land zum Blühen, das unter dem Islam nur eine unbesiedelte Wüste war. ... Der Krieg gegen Israel ist kein territorialer Konflikt. ... Der Krieg ist in Wahrheit der Dschihad. Vor 1400 Jahren ist uns in der Wüste von Arabien der Krieg erklärt worden. Das betrifft den Westen, das betrifft Israel. .... Was funktionieren kann, ist eine Lösung außerhalb Israels. Die arabischen Länder können die Palästinenser aus den 'besetzten Gebieten' sehr gut aufnehmen. Eine Migration in arabische Länder ist logisch und wünschenswert." (08.05.2008)

The Guardian - Großbritannien

Der frühere US-Präsident Jimmy Carter schreibt über "schreckliche Verstöße gegen die Menschenrechte in Gaza" und fordert, dass "die Welt nicht untätig daneben stehen kann, während unschuldige Menschen grausam behandelt werden. ... Die grausame Misshandlung der Palästinenser durch Israel in Gaza eskalierte auf dramatische Weise mit der Unterstützung der USA, nachdem 2006 politische Kandidaten, die die Hamas repräsentierten, die Mehrheit der Sitze im Parlament der Palästinensischen Autonomiebehörde gewannen. ... Unabhängig davon, wen man im Parteienstreit zwischen Fatah und Hamas innerhalb des besetzten Palästinas bevorzugt, müssen wir daran erinnern, dass die ökonomischen Sanktionen und die Restriktionen bei der Versorgung mit Wasser, Nahrungsmitteln, Elektrizität und Treibstoff die unschuldigen Menschen in Gaza extrem belasten. ... Es ist Zeit, dass sich in Europa, den USA, Israel und anderswo starke Stimmen zu Wort melden und die Menschenrechtstragödie verdammen, von der das palästinensische Volk heimgesucht wurde." (08.05.2008)

Financial Times Deutschland - Deutschland

Barry Rubin, Leiter des Global Research in International Affairs Center im israelischen Herzlija, kommentiert die Beziehung zwischen Europa und Israel seit der Staatsgründung vor 60 Jahren: "Das große Problem sind die intellektuellen und kulturellen Eliten. Das liegt an der fehlgeleiteten 'humanitären' Idee, man müsse Diktaturen und totalitäre Bewegungen unterstützen, die nach eigener Aussage den Menschen helfen. In allen europäischen Ländern, speziell in Großbritannien, Frankreich, Norwegen, Schweden, Belgien und den Niederlanden hat sich die Wahrnehmung von Israel und den Juden deutlich verschlechtert. ... Antiisraelische Äußerungen werden vor allem in den Medien und in akademischen Kreisen gemacht und scheinen dort gelegentlich eine Monopolstellung einzunehmen. ... Da die antiisraelische Haltung mit Antiamerikanismus und vor allem mit einem Hass auf Präsident George W. Bush einhergeht, könnte sie weiter abebben, wenn ab Januar sein Nachfolger im Weißen Haus sitzt. In der Theorie bleiben viele Defizite in den europäisch-israelischen Beziehungen. Praktisch sind sie einer der vielen Lichtblicke am 60. Geburtstag Israels." (08.05.2008)

POLITIK

Diário de Notícias - Portugal

Clinton gibt nicht auf

Nach den letzten Ergebnissen ist laut Manuel Queiroz das Rennen um die demokratische Nominierung für das Rennen um das Weiße Haus entschieden: "Hieße der zweite Kandidat nicht Clinton, wäre die demokratische Präsidentschaftskandidatur schon längst beschlossen. Aber Hillary heißt Clinton, sie hat Geld, Macht und Tradition innerhalb der Partei. ... Doch nach der Niederlage letzten Dienstag in North Carolina und dem hauchdünnen Sieg in Indiana kann Hillary Obama nicht besiegen. Nicht mit den Stimmen der Wähler oder der Anzahl der Superdelegierten, nicht wenn nur noch sechs kleine Staaten fehlen. ... Es sind Vorwahlen wie die vom Januar oder Februar, aber in einem anderen Kontext, mit einer wachsenden Wirtschaftskrise und nach starken Angriffen gegen dem afroamerikanischen Kandidat - der trotzdem einen klaren Vorsprung hat. Obama kann nicht verlieren." (08.05.2008)

La Repubblica - Italien

König Silvio: 14 Jahre später

Filippo Ceccarelli zeichnet die politische Karriere des neuen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi nach, der bereits zum vierten Mal als Regierungschef vereidigt wird. "Drei Staatspräsidenten - Scalfaro, Ciampi und Napolitano - haben Berlusconi in 14 Jahren zum Hügel hinauf gerufen, um die Regierung zu bilden. Strahlend und voller Erwartung war der erste Aufstieg im April 1994, frech der zweite 2001, als Silvio behauptete, er sei kein Dilettant mehr. Finster und fast unwillig war der dritte Amtsantritt im April 2005 nach Streitigkeiten in den eigenen Reihen. ... Der Aufstieg von Silvio IV. ist zweifelsohne der leiseste, der gefassteste und deshalb vielleicht auch der rätselhafteste." (08.05.2008)

Phileleftheros - Zypern

Siedler in Nord-Zypern müssen abziehen

Türkisch-Zypern muss dafür Sorge tragen, dass die Siedler im Norden der Insel abziehen, schreibt die griechischsprachige zyprische Tageszeitung Philelefteros in ihrem Leitartikel. "Die Türken bestehen unter anderem auf dem Verbleiben der Siedler, auch nach der Lösung des Zypernproblems. … Die Anzahl der Siedler, die sich im besetzten Teil befindet, scheint mehr als 120.000 zu betragen, auch wenn die türkische Seite behauptet, dass sie 40.000 nicht überschreitet. … Die Besiedlung ist zunächst einmal ein Kriegsverbrechen, und es wäre falsch, wenn wir eine Diskussion über die angebliche humanitäre Dimension dieser Frage eröffnen würden. … Die griechisch-zyprische Seite muss darauf bestehen, dass eine Arbeitsgruppe gebildet wird, die sich mit dem Thema der Siedler befasst. ... Wir wissen, welchen Spielraum die türkischen Zyprer in den Arbeitsgruppen und in den technischen Ausschüssen [der Vereinten Nationen] haben. Es wäre für sie von Vorteil, nicht nur die Siedlerfrage zu diskutieren, sondern gleichzeitig auch den Abzug der Siedler anzustreben." (07.05.2008)

REFLEXIONEN

The Guardian - Großbritannien

Europa rückt nach rechts

In der Online-Ausgabe der britischen Tageszeitung The Guardian analysiert Soumaya Ghannoushi die Wahlsiege der konservativen Parteien in Europa und deren Folgen: "Nach Sarkozys überwältigendem Sieg ... im letzten Jahr und Berlusconis Rückkehr an die Macht in Italien, haben die Konservativen in Großbritannien ihren größten Sieg seit Jahren gefeiert, was die meisten als den Beginn eines Wegs zurück an die Macht sehen. ... Die neue rechte Welle, die durch Europa rollt, hat nicht nur den Rechtsextremen neue Mitglieder und Sympathisanten ... beschert, sondern ihnen auch erlaubt, in den Mainstream einzudringen. ... Die größten Gewinne der Rechtsextremen sind nicht im direkten Kampf um die Wählergunst gemacht worden. Ihre bedeutendsten Erfolge waren unhörbar und unsichtbar, gewonnen auf dem Schlachtfeld des Diskurses, mit ihren Slogans und Forderungen, die allmählich den Diskurs der politischen Mitte infiltriert haben. Über Immigration und Asyl bis zu nationaler Identität und Nationalstolz ist die rechtsextreme populistische Rhetorik in den Mittelpunkt der Politik gerutscht." (08.05.2008)

WIRTSCHAFT

Népszabadság - Ungarn

Das slowakische Wunder

Miklós Blahó schreibt im Zusammenhang mit der Einführung des Euro im kommenden Jahr von einem "slowakischen Wunder": "Es ist beispielhaft, wie sich unser nördlicher Nachbar innerhalb von nur sechs Jahren aufrappeln konnte. ... Nach der politischen Wende geriet die Slowakei wegen der Politik von Vladimir Meciar rasch ins internationale Abseits. Ihre Aufnahme in die Europäische Union ... wurde sogar ernsthaft in Frage gestellt. Dies blieb nicht ohne Wirkung. Die Slowakei entledigte sich Meciars und wählte eine konservative Regierung, die umgehend daran ging, den wirtschaftlichen Anschluss voranzutreiben. Sie hob das Renteneintrittsalter an, schaffte Privatrentenkassen, führte Praxis-, Krankenhaus-, Dosen- und Studiengebühren ein ... . Sie beschnitt allerdings auch die sozialen Ausgaben, was zur Folge hatte, dass die Ärmsten - vorwiegend die in Ghettos lebenden Roma - in bitterer Armut verharren." (08.05.2008)

Gândul - Rumänien

Rumänische Gehälter wachsen

Gheorghe Cercelescu kommentiert das Wachstum des rumänischen Durchschnittsgehalts: "Die Brüsseler Technokraten schreiben Rumänien die europaweit höchsten Zuwachsraten beim Gehalt zu. Doch wie könnten wir sonst Boden gut machen und uns dem Durchschnittslohn der EU schnellstmöglich annähern? … Die Durchschnitts-Amerikaner und -Japaner leben gut, nicht weil sie ein riesiges Gehalt haben, sondern weil sie ihre wirtschaftlichen Höchstleistungen weiter steigern. Der renommierte amerikanische Automobilhersteller Henry Ford bot zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts seinen Arbeitnehmern ein fantastisches Gehalt. … Ford, der damit die Fluktuation von Arbeitskräften unterbinden wollte, wäre gescheitert, wenn er nicht gleichzeitig seine Produktion gesteigert hätte. … Die reale Annäherung der Gehälter hängt von der Arbeitsproduktivität ab. Wir können somit die deutschen und französischen Gehälter so lange nicht erreichen, bis wir nicht ihre Produktivität haben." (08.05.2008)

KULTUR

Vrij Nederland - Niederlande

Skyline der Diktatur

Der Sicherheitsexperte Ko Colijn schreibt im linksliberalen Wochenblatt Vrij Nederland, dass man im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen in China nicht nur von Sportlern eine Geste für die Menschenrechte fordern dürfe. Er verweist auf die Rolle westlicher Stararchitekten, darunter auch der Niederländer Rem Koolhaas, in Diktaturen wie China: "Mächtige Diktatoren haben schon immer eine Vorliebe für moderne Baukunst gehabt. Diese soll ihnen ein 1000-jähriges Denkmal setzen. ... Die neuen Autokraten sind geradezu ideale Gesprächspartner für moderne Superarchitekten, denen sie die 'carte blanche' geben und die ungehindert ihre größten Träume verwirklichen können. ... Wenn man den olympischen Sportlern vorwerfen kann, dass sie geschmacklosen Regimes zu zweifelhaftem Ruhm verhelfen, dann gilt das sicher auch für die Viagra-Architektur in Quatar und Peking. ... Es gibt einen funktionellen Zusammenhang zwischen der Höhe und Dominanz, die ihre Türme ausstrahlen müssen, und der Unfehlbarkeit der nicht-gewählten Führer, die sie bewohnen. Eine Verbindung zwischen der politischen Höhe des chinesischen Staatspräsidenten Hu Jintao und den 2,38 Metern des Hochspringers gibt es dagegen weniger." (08.05.2008)

MEDIEN

El País - Spanien

Ausreiseverbot für kubanische Bloggerin

Die Kubanerin Yoani Sánchez ist von der spanischen Tageszeitung El País für ihren kritischen Weblog Generación Y mit dem Journalistenpreis Ortega y Gasset ausgezeichnet worden. Sánchez durfte den Inselstaat jedoch nicht verlassen, um den Preis persönlich in Empfang zu nehmen. El País kommentiert: "Man müsste dem kubanischen Präsidenten Raúl Castro vorhalten, dass mit Taten und nicht mit Worten gepredigt werden sollte, nachdem er [auf Sánchez' Ausreiseantrag] die feigste aller Antworten - das Stillschweigen - gewählt hat. ... Die Entscheidung über die Verhinderung der Madrid-Reise der jungen Bloggerin, die von der Wochenzeitschrift Time zu den 100 einflussreichsten Personen der Erde gezählt wird, hat den Diskurs einer vermeintlichen Öffnung des Castroismus in dieser neuen Phase auf die Probe gestellt. Einparteiensysteme werden jedoch von der Angst vor Veränderung gelähmt." (08.05.2008)

LOKALE FARBEN

To Ethnos - Griechenland

Briefmarken für griechische Mönchsrepublik

Den Beschluss der griechischen Post (ELTA) zur Herstellung einer eigenen Briefmarkenserie für die orthodoxe Mönchsrepublik des heiligen Bergs Athos kommentiert Giorgos Delastik. "Sehr umstritten ist der Beschluss der ELTA, eine unabhängige Briefmarkenreihe herzustellen, um die bis jetzt in Athos zirkulierenden Briefmarken der griechischen Republik zu ersetzen. … Internationale Erfahrungen lehren uns, dass die Autonomie der Post einer Staatsregion meistens mit einer gesamten Verstärkung der Autonomie dieser Region einhergeht. …Wir ignorieren natürlich nicht den besonderen Status von Athos, der in der griechischen Verfassung begründet ist. In einer Zeit jedoch, in der der Balkan in seiner Zerstückelung begriffen ist, sind wir von politischer Seite her nicht begeistert, dass sich Athos hinsichtlich des Postsystems in Nachbarschaft von Grönland befindet, das kurz davor steht, von Dänemark vollständig unabhängig zu werden." (07.05.2008)

SPORT

Correio da Manhã - Portugal

Arbeitnehmerrechte im Fußball

Leonor Pinhão vergleicht die Fußball- und die Wirtschaftswelt: "Der Präsident der portugiesischen Fußball-Liga will, dass Fußballvereine, die mit den Gehältern ihrer Spieler in Verzug sind, bestraft werden. Als Strafen sind Punktabzüge und der Entzug der Lizenz für die kommende Spielzeit vorgesehen. Verwunderlich dabei ist, dass die Liga ein Arbeitgeberverein ist. Der Präsident der Liga, Hermínio Loureiro, bat die Fußballherren um verantwortungsvolles Handeln. Fußball sei von dem Rest der Welt nicht abgetrennt. Doch genauso scheint es zu sein: Wegen seines schlechten Rufs ist der Fußball die am meisten kontrollierte Aktivität in einem Land, in dem Hunderten von Arbeitern monatelang kein Gehalt gezahlt wird, in dem Arbeiter entlassen werden und am nächsten Tag ein neues Unternehmen unter einen anderen Namen gründet wird. Fußball scheint auf diesem Gebiet weiter entwickelt zu sein." (08.05.2008)

 

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