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Presseschau / Archiv / Presseschau | 15.07.2008

 

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Bankenkrise kommt zurück

Bankenkrise kommt zurück

 

Die internationale Bankenkrise flammt wieder auf: Am Wochenende mussten die US-Finanzbehörden die zwei Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac mit einem Notkredit von 300 Milliarden US-Dollar vor dem Zusammenbruch retten. Was bedeutet die neue Krise für die Märkte Europas?

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
El País - Spanien, NRC Handelsblad - Niederlande, The Daily Telegraph - Großbritannien, Financial Times Deutschland - Deutschland

El País - Spanien

Nach der Entscheidung der US-Regierung, großen Geldinstituten mit Steuergeldern aus der Krise zu helfen, ermahnt die Tageszeitung El País die europäischen Entscheidungsträger, genau darauf zu achten, was auf dem US-amerikanischen Finanzmarkt passiert: "Diese Krise deckt auf, dass das US-amerikanische Finanzsystem, das am weitesten entwickeltste, das mit der größten Anzahl an großen Geldinstituten, nicht gerade das Finanzsystem ist, das am besten beaufsichtigt ist. ... Europa sollte gut aufpassen und seine Autoritäten sollten Antworten auf eventuelle ähnliche Probleme vorbereiten, wie wir sie jetzt im Hauptfinanzsystem der Welt beobachten. Es ist die Zeit der Interventionen auf einem der Märkte, der sich als weit weniger effizient erwiesen hat, als er von der Regierung unter George W. Bush angepriesen wurde." (15.07.2008)

NRC Handelsblad - Niederlande

Auch in Europa könnte sich die internationale Bankenkrise fortsetzen. Das zeigen die großen Schwierigkeiten bei der belgischen Großbank Fortis, so die überregionale Tageszeitung NRC Handelsblad: "Es gibt keine Hinweise, dass die amerikanischen Zustände auch nach Europa überschwappen, aber das Fehlen solcher Hinweise ist keine Garantie. Es ist sicherlich nicht deutlich, dass die Finanzkrise ihren Tiefpunkt bereits erreicht hat. Die Frage ist zum Beispiel, wie groß die Probleme bei Fortis sind. ... Die Probleme, in denen die Großbank steckt, sind schlecht für das Vertrauen der Verbraucher in die Finanzinstitute im allgemeinen. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der die Banken die Jagd auf ungenutztes und schlecht-genutztes Spargeld eröffnet haben. Das tun sie mit Superzinsangeboten und in der Erwartung, dass die Zinsen weiter steigen werden. Aber die Erfahrung mit Fortis hat leider gezeigt, dass aufmunternde Worte und schöne Zahlen manchmal sehr wenig aussagen." (15.07.2008)

The Daily Telegraph - Großbritannien

Für die Tageszeitung The Daily Telegraph wird die neue Finanzkrise in den USA einschneidende Folgen für das britische Bankensystem haben: "Der dramatische Eingriff der US-amerikanischen Behörden macht die Hoffnungen zunichte, dass das Schlimmste vorüber ist. In der momentanen Situation ist dies ein Zeichen, dass der Abwärtstrend in Großbritannien sogar noch weiter geht. Trotz der strukturellen Unterschiede sieht das Endergebnis in beiden Ländern ziemlich ähnlich aus. Die Dinge stehen so schlecht, dass keiner finanziellen Institution von signifikanter Größe erlaubt werden kann, zu versagen. In der Praxis übernehmen implizit beide Regierungen - in anderen Worten, die Steuerzahler - die Haftung für große finanzielle Institutionen. ... Die Alternative ist ein möglicher Kollaps des Vertrauens in das Finanzsystem. Aber dies ändert nichts an der Tatsache, dass die Situation schon jetzt ein kolossales Versagen darstellt. Wir bleiben bis auf weiteres auf einem System sitzen, das es gefährdeten Banken erlaubt, die Verantwortung an den Steuerzahler weiterzugeben und sich auf und davon zu machen." (15.07.2008)

Financial Times Deutschland - Deutschland

Für die Financial Times Deutschland ist der Rettungsplan der US-Notenbank für die staatsnahen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac "ein Offenbarungseid, aber einer, der dringend notwendig war und der die Lage an den Finanzmärkten deutlich entspannt. .... Das ist politisch peinlich, weil die US-Regierungen eine solche Haftung in der Vergangenheit immer wieder vehement bestritten hatten. Es ist aber ökonomisch richtig, weil mit dieser offiziellen Risikoabschirmung die schlimmsten Katastrophenszenarien vom Tisch sind. ... Im besten Fall reicht dieses Signal, um wieder so viel Vertrauen an den Märkten zu schaffen, dass am Ende gar keine Staatshilfe nötig ist. Im ungünstigen Fall wird die Politik nachlegen müssen - mit Finanzspritzen aus dem Staatsetat und einer Menge frisch gedrucktem, inflationstreibendem Geld." (15.07.2008)

POLITIK

De Morgen - Belgien

Rücktritt des belgischen Premiers

Nach einer über ein Jahr andauernden Krise ist der belgische Premier Yves Leterme am Montag Abend zurückgetreten. Leterme sei selbst dafür verantwortlich, dass die geplante Staatsreform nicht gelang, schreibt die Tageszeitung De Morgen: "Was bleibt, ist Chaos. ... Auch wenn [die im Rahmen der Staatsreform geplante] ... Übertragung von mehr Befugnissen auf die Gemeinschaften möglicherweise zu einer besseren Verwaltung führen, so ist es doch unverantwortlich, dass 400 Tage lang der komplette politische Raum von diesen Themen eingenommen wurde, während die inzwischen immer ernster werdenden sozial-ökonomischen Herausforderungen unbeantwortet bleiben. Leterme hat keines seiner Versprechen gehalten, hat wiederholt sein Wort gebrochen und hat nie selbst den Schein einer guten Regierung wahren können. Alles, was ihm bleibt, ist die Märtyrer-Rolle in einer Krise, die er selbst heraufbeschworen hat. Wie es weiter geht, weiß vorläufig niemand." (15.07.2008)

The Irish Times - Irland

Sudans Präsident unter Anklage

Vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag ist Anklage gegen den sudanesischen Präsidenten Umar al-Baschir erhoben worden. Die Tageszeitung The Irish Times begrüßt diesen Schritt: "Dies ist das erste Mal, dass ein amtierendes Staatsoberhaupt angeklagt wurde. ... Durch diese Anklage stellt sich die Frage, ob die Substanz und das Timing [der Anklage] das Abkommen zwischen dem Norden und Süden [des Landes] berühren, worauf Sudans friedliche Zukunft beruht, oder ob dies zweitrangig gegenüber dem dringenden Bedürfnis nach Gerechtigkeit für Darfur sein sollte. ... Systematische Verzögerungen und schmachvolle Unentschlossenheit waren charakteristisch für die internationale Vorgehensweise gegenüber Sudans politischer Zukunft und dem Einsatz humanitärer Truppen in Darfur. Dieser juristische Schock sollte [Sudans] Zukunft eine größere internationale Aufmerksamkeit bescheren und künftige Maßnahmen ermöglichen." (15.07.2008)

Rzeczpospolita - Polen

Verzögerte Entschädigung

Die polnische Regierung plant die Entschädigung von jüdischen Eigentümern, deren Besitz von der deutschen Besatzungsmacht beschlagnahmt und nach dem Zweiten Weltkrieg von der kommunistischen Regierung Polens übernommen wurde. Das geplante Entschädigungsgesetz geht jüdischen Organisationen jedoch nicht weit genug. Die konservative Tageszeitung Rzeczpospolita verteidigt den Gesetzesentwurf. "Vorwürfe an Polen, das sich mit Tausenden unerfüllten sozialen Bedürfnissen abmüht, dass es sich nicht wie andere Länder zu einer Reprivatisierung durchgerungen hat, gehen völlig an den Gründen der Verzögerung [für die Entschädigungen] vorbei. ... Der Gesetzesentwurf ... sieht keine Rückgabe des Eigentums vor, was die jüdischen Organisationen fordern. Es sollen nur Prozentanteile an Entschädigungen gezahlt werden. ... Die Interessierten wird das sicher nicht zufrieden stellen. Es müssen aber sowohl die finanziellen Möglichkeiten des Staatshaushalts als auch die Einstellung der polnischen Gesellschaft berücksichtigt werden, die ... nicht versteht, warum die gegenwärtige Generation die Kosten des kommunistischen Unrechtsstaates tragen soll." (15.07.2008)

Lietuvos Rytas - Litauen

Doppelte Staatsbürgerschaft für Litauer?

Litauens Staatspräsident Valdas Adamkus hat den Vorschlag für ein Gesetz, das im Ausland geborenen Kindern von Litauern ermöglichen sollte, zwei Pässe zu besitzen, zur Neuverhandlung an das Parlament zurückgegeben. Die Tageszeitung Lietuvos Rytas bezweifelt den Sinn eines solchen Gesetzes: "Werden die Emigrantenkinder Litauen retten? Ein litauischer Pass ist schließlich nur ein von den Behörden ausgegebenes Papier. Kann er einem Menschen mit litauischen Wurzeln Litauen näher bringen? ... Es wird Zeit, zu begreifen, dass Staatsbürgerschaft nicht dasselbe wie Nationalität ist. Litauen wird nicht von Emigranten geschaffen, so viel Geld sie auch nach Hause schicken mögen, sondern von den Menschen, die in Litauen leben. Und zu diesen gehören wiederum Russen, Polen und künftig vielleicht auch Chinesen und Türken. Nichts gegen eine doppelte Staatsbürgerschaft im 21. Jahrhundert. Aber man sollte keine Illusionen haben, dass sich dadurch die Nation retten ließe." (15.07.2008)

REFLEXIONEN

International Herald Tribune - Frankreich

Den Irak-Krieg beenden

Der US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama legt in der Tageszeitung International Herald Tribune seine Pläne für das militärische Engagement der USA im Irak dar: "Der Ruf des [irakischen] Premierministers Nuri Kamal al-Maliki nach einem Zeitplan für einen Rückzug amerikanischer Truppen aus dem Irak stellt eine enorme Chance dar. Die Vereinigten Staaten sollten diesen Moment ergreifen, um den schrittweisen Truppenabzug zu beginnen, den ich lange verfechtet habe. ... Nur indem wir unsere Truppen abziehen, können wir die Iraker dazu bringen, zu einer umfassenden politischen Lösung zu gelangen und einen erfolgreichen Übergang zu bewerkstelligen, damit die Iraker die Verantwortung für die Sicherheit und die Stabilität ihres Landes übernehmen. ... Aus diesem Grund würde ich an meinem ersten Tag im Amt dem Militär eine neue Mission geben: Beendet diesen Krieg. ... Die Beendigung dieses Krieges ist entscheidend für das Erreichen unserer anderen strategischen Ziele, beginnend in Afghanistan und Pakistan, wo die Taliban wieder erstarken und Al-Qaida einen sicheren Hafen hat." (15.07.2008)

Taloussanomat - Finnland

Moderne Völkerwanderung

In seiner Kolumne für die Online-Wirtschaftszeitung Taloussanomat setzt sich der Münchener Professor für Wirtschaftswissenschaften und Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, mit den heutigen Problemen der Migration in Europa auseinander. "Mehr als 800.000 Osteuropäer, vor allem Polen, haben in den letzten vier Jahren in Großbritannien Arbeit gesucht. ... Die meisten Einwanderer sind entweder Unternehmer oder arbeitslos. ... Einwanderung ist im Prinzip nützlich für Immigranten und das Aufnahmeland. Die Einwanderer verdienen besser als in ihrem Herkunftsland, das Bestimmungsland hat Zugang zu billigen Arbeitskräften. ... In der Praxis ist ... Zuwanderung [jedoch] nicht so wertvoll wie sie sein könnte. Hauptursache dafür ist, dass die Beschäftigung von Zuwanderern verhindert wird. ... Die Aufnahmeländer versuchen oft, die Einwanderung auf beruflich qualifizierte Arbeitskräfte zu beschränken. ... Zielländer ..., die qualifizierte Arbeitskräfte anziehen sind vor allem ... englischsprachige Länder wie Kanada, Irland, Australien, USA und Großbritannien, aber auch Dänemark und Norwegen. ... Die europäische Landschaft verändert sich in diesem Jahrhundert genau so schnell wie zu Zeiten der Völkerwanderung." (15.07.2008)

WIRTSCHAFT

Lidové noviny - Tschechien

Euro-Kurs ausnutzen

Die belgische Brauereigruppe InBev hat den US-Getränkehersteller Anheuser-Bush gekauft. Die konservative Tageszeitung Lidové noviny wundert sich, dass angesichts des günstigen Euro-Kurses gegenüber dem Dollar nicht längst mehr europäische Firmen den Weg über den Atlantik gefunden haben: "Zehntausende Europäer nutzen den Kurs für massive Käufe in den USA aus. Die Einkäufe der Ausländer über das Internet beeinflussen bereits spürbar die Statistik des amerikanischen Einzelhandels. Die europäischen Firmen aber sind beim Kauf von Firmen in Übersee deutlich zurückhaltender. InBev ist aus dieser Sicht eher eine Ausnahme. Die Europäer konzentrieren sich mehr auf China, Indien und Brasilien. Doch sie verpassen damit eine einzigartige Gelegenheit." (15.07.2008)

Tribune de Genève - Schweiz

Klein ist fein - groß ist besser

Die Tageszeitung Tribune de Genève kommentiert den Absturz von schweizerischen Traditionsunternehmen an der Börse: "So wie der Kerosinpreis und die leeren Kassen die Swissair abstürzen ließen, so ruinieren der steigende Zinssatz und die Immobilienkrise die Finanzen der Bank UBS. ... Auf der einen Seite stehen diese dramatischen Entwicklungen. Auf der anderen Seite muss man feststellen, dass sich die schweizerische Identität in einem Umfeld der europäischen Einigung und der Globalisierung immer stärker auflöst. Für Nostalgiker mag das erschreckend sein, der jungen Generation gibt es Hoffnung. ... Die echte Schweiz wird sich auch weiterhin durch ihr Land, fleißige Einwohner, Sachverstand, eine Kultur, die lange Tradition eines friedlichen Lebens und ihren Brauch der Gastfreundschaft auszeichnen. Das ist viel, aber im internationalen Wettbewerb, wo Größe immer mehr zählt, ist das nicht mehr genug, um zu dominieren, zu bestimmen, die Märkte zu beherrschen. Small ist zwar immer noch beautiful, aber von jetzt an ist big das beherrschende Wort." (14.07.2008)

KULTUR

Märkische Allgemeine - Deutschland

Deutschlands neue Nationalakademie

In der ostdeutschen Stadt Halle wurde mit der Leopoldina eine Nationale Akademie der Wissenschaften aus der Taufe gehoben. Damit will Deutschland mit den Institutionen anderer europäischer Ländern wie der britischen Royal Society und der französischen Académie des sciences gleichziehen. Die ostdeutsche Regionalzeitung Märkische Allgemeine freut sich über diesen Schritt: "Wissenschaft ist ein internationales Unternehmen. Dieser Tatsache trägt die gestern zur Nationalen Akademie der Wissenschaften ernannte Leopoldina Rechnung. Die jahrelange Debatte, ob und in welcher Form die deutsche Wissenschaft sich noch stärker profilieren könnte, ist gestern mit der Kür einer würdigen Kandidatin zu Ende gegangen. ... [Die Leopoldina] kann hier Orientierung geben und die Vernetzung mit dem Ausland vorantreiben. ... Insofern ist der Festtag in Halle ein Festtag für die ganze Wissenschaft." (15.07.2008)

LOKALE FARBEN

Delo - Slowenien

Obama in Berlin

Die Tageszeitung Delo schreibt über den bevorstehenden Besuch des US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama in Deutschland. Dessen Plan, eine Rede vor dem Brandenburger Tor in Berlin zu halten, sorgt für innenpolitische Differenzen in Deutschland: "Diese ungewöhnliche Verwirrung um Obamas Rede hat sich in die innenpolitischen Beziehungen innerhalb der schwarz- roten Regierungskoalition gemischt. ... Berlins beliebter Bürgermeister Klaus Wowereit und Außenminister Frank-Walter Steinmeier haben - im Gegensatz zur Kanzlerin Merkel - einen Auftritt im Herzen Berlins befürwortet. ... Wie in den USA, macht man Obama auch in der deutschen Presse den Vorwurf, die Sache mit seiner Rede in Berlin sei ein Zeichen seiner außenpolitischen Unerfahrenheit. ... Er [Obama] müsste lernen in den Beziehungen mit anderen Ländern mehr Feingefühl zu zeigen." (15.07.2008)

SPORT

Diário de Notícias - Portugal

Mit Doping im Sattel

Nachdem der spanische Radfahrer Manuel Beltran bei der Tour de France des Dopings überführt wurde, bedauert die Tageszeitung Diário de Notícias den Abschied des fairen Wettkampfs im Radsport: "Seit dem Fall Festina - das Team von Richard Virenque, das im Jahr 1998 wegen Dopings ausgeschaltet wurde - ist es üblich geworden, dass zwischen zwei Etappen die Polizei im Hotel ankommt und ein Radfahrer in Haft nimmt. Obwohl es nur ein Sattel hat, ist das Fahrrad in der Tour ein Tandem: Fahrer und Doping, beide treten zusammen in die Pedale. Die Tour de France und Radrennen generell sind ein Sport von Meistern, in dem diejenigen, die kein Doping benutzen, wie gehbehinderte Athleten in einem olympischen Leichtathletikwettkampf wirken. Sie sind dabei, können aber nie gewinnen. … Den Dopern wird vorgeworfen, den Athleten zu töten, aber dies ist nicht so wichtig, schließlich begeht man Selbstmord nur freiwillig. Schlimmer ist, dass diese Labor-Meister den 'sauberen' Fahrer jede Chance nehmen, Meister zu werden." (15.07.2008)

 

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