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Presseschau / Autorenindex
Bassets, Lluís
Stellvertretender Chefredakteur der spanischen Tageszeitung El País. Ressortleiter Meinung. Betreiber des Blogs "De Alfiler a Elefante" = Von der Nadel (Mücke) zum Elefanten
In der europäischen Presseschau wurden bisher 5 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.
Fallende Mauern und Ideologien
Der stellvertretende Chefredakteur der spanischen Tageszeitung El País, Lluís Bassets, sieht in seinem Blog Del Alfiler al Elefante eine Epoche zu Ende gehen und eine neue heranbrechen: "Von einer Mauer zur anderen: von der, die in Berlin fiel, zu der, die sich in New York veränderte [Wall Street = Mauerstraße]. Diese Epoche ist: 1989-2008. Die Geschichtsschreiber können ihre Bleistifte spitzen. Zwischen beiden Mauern sind viele Dominosteine gefallen: die Ideologien zum Beispiel, eine nach der anderen. ... Jetzt erleben wir die Reinigung der Reinigung. Den Untergang der letzten siegreichen Ideologie. ... Der Antriebsmotor der vergangenen Epoche war die Gier, jetzt darf es nicht darum gehen, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. Der Kapitalismus ohne Habsucht ist etwas anderes und in Europa durchaus bekannt: die Soziale Marktwirtschaft, der Rheinische Kapitalismus, der Christliche Sozialismus, etc. – Bezeichnungen, die auf der anderen Seite des Atlantiks mitleidiges Lächeln auslösten und die jetzt mit neuen Namen wiederkehren werden. Wir werden sehen, was mit der Habsucht in dieser Epoche geschieht und wie lange sie braucht, um in ihrer ganzen Dreistigkeit und ihrem vollen Überfluss zurückzukehren."
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Neuer Klassenkampf
Nach dem Scheitern der Verhandlungen der Doha-Runde sieht die spanische Tageszeitung El País einen "neuen Klassenkampf" im Welthandel aufziehen: "Die gute [Zeit der] Globalisierung ist vorbei. Vergangen sind die vorteilhaften Zeiten, in denen durch multilaterale Abkommen Handelsgrenzen eingerissen wurden. Die Pessimisten entwerfen ein finsteres Bild von der Rückkehr zum Protektionismus und den Handelsblöcken. Das Scheitern der Doha-Runde ... ist ein schlechtes Zeichen in Zeiten einer wackeligen Wirtschaft. Und wenn ungünstige Winde wehen, ziehen es sogar die Liberalsten vor, ihre eigenen Schäfchen mit staatlichen Interventionen ins Trockene zu bringen. Nur eine Wahlüberraschung in Washington kann im kommenden Jahr einen Stimmungswandel bewirken, der die Doha-Verhandlungen aus der Sackgasse befreit. Die Überraschung wäre nicht etwa, dass Obama Präsident würde, sondern, dass dieser sich nicht als Protektionist ... entpuppt."
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Populär bei Rechten und Linken
Nach der Zustimmung des Europaparlaments zum Entwurf der Abschieberichtlinie bemerkt die spanische Tageszeitung El País: "Die Leichtigkeit, mit der eine durchgängige Mehrheit für Einwanderungsbeschränkungen zu erhalten ist, steht im Gegensatz zur Schwierigkeit, die Europäer von der Notwendigkeit zu überzeugen, die Ausgaben für Verteidigung zu erhöhen, die Friedensmissionen im Ausland zu erhalten und über Mittel und Willen auf dem internationalen Spielfeld zu verfügen. Populär ist die Einwanderungsbegrenzung und nicht die Erhöhung des Verteidigungshaushalts. Und [dies] ist Linken und Rechten gemeinsam. Es gibt rechte Demagogen, die die Ausländerfeindlichkeit schüren, aber nicht bereit sind, auch nur einen Heller für die europäische Verteidigung auszugeben. Und es gibt Gutmenschen aus der Linken, die das Militär ausschließlich für Friedenseinsätze nutzen wollen, aber nicht zögern, die Abschieberichtlinie zu unterstützen."
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Lluís Bassets über den Kampf ums Öl
Lluís Bassetts sieht in der aktuellen Politik die Thesen des ehemaligen Chefs der US-Notenbank, Alan Greenspan, bestätigt, demzufolge es in der Weltpolitik nur um den Kampf ums Öl geht. "Die Protagonisten der Weltpolitik stimmen eine alte Leier an und reden von Massenvernichtungswaffen, vom Kampf gegen den Terror und für die Menschenrechte, von der Bekämpfung der Diktaturen... Sie bestehen auf der nuklearen Bedrohung durch den Iran... Aber es ist immer dasselbe Lied - mit einigen Variationen bei der Hintergrundmusik: Es geht immer um Energie.... Ein Präsident, dem Guantanamo und Abu Ghraib einen Großteil seiner moralischen Autorität und seines internationalen Ansehen geraubt haben, schmückt sich, indem er sich Demokratie auf die Fahnen schreibt. [Bei der UN-Vollversammlung] hat Bush ein Bravourstück abgeliefert. ... Man sollte ihm keinen Glauben schenken, es geht doch bloß um Energie."
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Wie sieht die Zukunft Europas aus?
Lluís Bassets warnt, die EU habe keine Zukunft, wenn es ihr nicht gelingt, ihre Funktionsweise drastisch umzugestalten. "Die Einstimmigkeit, die viele Politiker wollen - unter anderem in der Energie- und Außenpolitik - ist zu einem unüberwindlichen Hindernis geworden. Zu einem so großen Hindernis, dass es, sollte es Deutschland während seiner Präsidentschaft nicht gelingen, es abzuschaffen, einen Rückbau geben wird... Werden wir in 50 Jahren den 100. Jahrestag der Römischen Verträge feiern? Wird es dann etwas zu feiern geben? Gibt es Warnzeichen? In Polen schwelt ein europhober Populismus, am Südufer des Mittelmeers entstehen Atomkraftwerke und die chinesische Konkurrenz zu Airbus zeichnet sich jetzt schon ab. Wenn es keinen Kurswechsel gibt, dann werden andere - vielleicht in Moskau oder in Istanbul - den 100. Jahrestag eines Europa feiern, das dem Untergang geweiht oder gar schon verschwunden ist."
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