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Presseschau / Autorenindex


Iwajlo, Ditschew


In der europäischen Presseschau wurden bisher 3 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.


Sega - Bulgarien | 14.05.2007

Politik statt Musik - der Eurovision Song Contest

Iwajlo Ditschew versteht die Ergebnisse des Eurovision Song Contest, bei dem Bulgarien den fünften Platz davon getragen hat, als politische Voten: "Wen es stört, dass Jugoslawien oder die Sowjetunion zerfallen sind, sollte sich die Wahl vom Samstag anschauen... Ich möchte keinesfalls behaupten, dass hier nur nationale Sympathien im Spiel waren und das Ganze nicht interessant oder objektiv gewesen sei, aber irgendwie geht es um mehr als Musik. Man könnte sogar behaupten, Bulgarien habe keine Freunde mehr - zumindest gibt es fast kein Land, das uns eindeutig unterstützt hat. Wir waren weder die erste Wahl für Moldawien oder Rumänien, noch für Mazedonien oder Serbien. Bei den Griechen lagen wir vorne, und auch Spanien hat relativ stark für uns gestimmt, was jedoch auf der Hand liegt, weil dort Abertausende bulgarischer Einwanderer leben. Genauso wie die Türken in Deutschland und den Niederlanden [für ihr Heimatland stimmten]... Verwunderlich ist, dass Kroatien seine Höchstpunktzahl an Serbien vergab, gegen das es in den 1990er Jahren noch Krieg geführt hat, und Russland für die Ukraine war, wo doch schwere Konflikte zwischen den beiden schwelen."

die tageszeitung - Deutschland | 30.04.2007

Iwajlo Ditschew über den Streit um Batak

Der bulgarische Kulturanthropologe Iwajlo Ditschew berichtet über einen Historikerstreit, der sich um den südbulgarischen Ort Batak dreht. Dort hatten ottomanische Truppen 1876 bei der Niederschlagung des April-Aufstands rund 30.000 Menschen ermordet. Eine Historikerkonferenz über Mythenbildung, organisiert unter anderem von der FU-Berlin, musste nach Drohungen von Nationalisten abgesagt werden. Ditschew erläutert: "In guter kommunistischer Tradition werden im Fernsehen Tag für Tag einfache Leute und Schulkinder gezeigt, die sich empören und sagen, dass die bulgarische Wissenschaft besser den Bulgaren überlassen bleiben solle... Wie konnte es so weit kommen? Eine Erklärung dürften die ersten Wahlen zum EU-Parlament sein, die in Bulgarien am 20. Mai stattfinden und die von allen Parteien benutzt werden, um sich als Verteidiger der nationalen Interessen gegen 'Europa' zu stilisieren... All dies könnte eine Kuriosität in einem ansonsten kleinen und friedlichen Land sein, gäbe es nicht das Beispiel Polen. Genau wie dort brechen nach vielen Jahren der gefühlten Erniedrigung die nationalistischen Leidenschaften mit ungeahnter Heftigkeit hervor. Nur dass die Religion in Bulgarien nicht der Katholizismus ist, sondern die nationale Geschichte. Die Knochen der Opfer von Batak sind jenseits von Diskurs und Analyse."

Sega - Bulgarien | 19.02.2007

Iwajlo Ditschew über doppelte Staatsbürgerschaft

Sofia grenzt mit einem umstrittenen Wahlgesetz rund 40.000 türkischstämmige Bulgaren mit Wohnsitz in der Türkei aus. Diese dürfen trotz doppelter Staatsbürgerschaft nicht an den ersten EU-Parlamentswahlen teilnehmen. Der Kulturwissenschaftler Iwajlo Ditschew fürchtet weitere Folgen: "Ein eventuelles Verbot der doppelten Staatsbürgerschaft würde das Band zu hunderttausenden Bulgaren automatisch zerreißen. Nicht nur zu den bereits im Ausland eingebürgerten, sondern auch zu denen, die in ihrer neuen Heimat auf eine Staatsbürgerschaft warten. Soll zum Beispiel ein Auswanderer nach jahrelangem Kampf um einen US-Pass sagen: 'Nein, Bulgarien liegt mir doch mehr am Herzen?' Solch ein Gesetz würde die bulgarische Nation mit einem Schlag um eine Million Menschen schrumpfen lassen... Wollen wir denn wirklich ein Kessel angepasster Rosenzüchter sein, der sich allem Fremden gegenüber feindselig verhält? Oder wollen wir eine dynamische, weltweite Diaspora, die sich adaptiert, assimiliert und dort etwas erreicht?"

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