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Presseschau / Autorenindex


Jandl, Paul


In der europäischen Presseschau wurden bisher 5 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.


Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | 30.11.2007

Kein Kampf der Kulturen in Österreich

Langsam beginnt sich auch Österreich als Einwanderungsland zu begreifen und eine Islamdebatte zu führen, berichtet Paul Jandl: "Hatten 2001 rund 14 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund, so sind es 2007 über 16 Prozent. Die meisten Zuwanderer leben in Wien. Bereits ein Drittel der Stadtbewohner ist nicht in Österreich geboren. Wer allerdings reflexartig die Balkanisierung des Landes fürchtet, der kann beruhigt werden. Die Mehrzahl der neuen Bürger kommt nicht mehr aus klassischen Gastarbeiterländern, sondern aus der EU. Die stärkste Gruppe von Zuwanderern bilden die Deutschen. Kann es sein, dass in Österreich der Kampf der Kulturen bisher weniger scharf ausgefallen ist als anderswo? Selbst das Kopftuch war bisher kein Streitthema. Eher im Gegenteil. Als die Stadt Wien vor kurzem die neue offizielle Arbeitskleidung ihres Reinigungspersonals präsentierte, war auch ein Dienstkopftuch für muslimische Frauen dabei."

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | 08.08.2007

Hommage an die Wiener Wirtshäuser

Paul Jandl hat die "epochale" Ausstellung zur Geschichte des Wiener Wirtshauses im Wien-Museum besucht. "An den Grundbestandteilen des Wiener Wirtshauses hat sich seit mindestens hundertfünfzig Jahren nichts geändert. Zu seiner Einrichtung gehört die hölzerne, durch blank polierte Zapfhähne veredelte Schank, die der Wiener gerne auch 'Budl' nennt. Es gehören die Wandverkleidung oder 'Lamperie' dazu, das rotweiß karierte Tischtuch, ein darauf placiertes Maggi-Würzensemble und vor allem der Wirt selbst... Dem Wien-Museum gelingt es, den banalen Akt des Essens so zu zeigen, dass seine Essenz durchschimmert. Es zeigt auch die Speisekarte einer Transzendenz: Bei Gulasch, Schnitzel und Schweinsbraten gewinnt der Wiener den Glauben an sich selbst zurück. Dass er untergehen könnte, kommt ihm angesichts der tröstlich unwandelbaren Werte seiner Wirtshausküche höchst unwahrscheinlich vor."

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | 30.07.2007

Thomas Bernhards "Anti-Jedermann" in Salzburg

Am Wochenende wurden die Salzburger Festspiele eröffnet. Auf der Theaterbühne war eine Inszenierung von Thomas Bernards (1931 - 1989) Stück "Ein Fest für Boris" zu sehen, das vor 42 Jahren als Auftragsarbeit für das Bühnenfestival in Salzburg entstand, dort aber "aus Rücksicht auf die Nerven unserer empfindsamen Gäste" nicht gezeigt wurde. Nun hat die junge Regisseurin Christiane Pohle den Text inszeniert und - Paul Jandl zufolge - entschärft: "Thomas Bernhards 'Anti-Jedermann', sein Angriff auf das unversehrte Leben der Salzburg-Gesellschaft, ist ein groteskes Sittenbild. Der Totenschein für Scheintote. Aus dem Asyl hat sich eine beinlose, aber bestens situierte Witwe, von den Asylbewohnern 'die Gute' genannt, den ebenfalls amputierten Boris geholt. Den hat sie geheiratet. . ...Um ausgerechnet in Thomas Bernhard den weichen Menschenfreund zu entdecken, gibt Christiane Pohle in ihrer Salzburger Inszenierung alles. Dass das den Härtegrad des Stücks vollkommen verändert, versteht sich von selbst."

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | 26.04.2007

Elfriede Jelineks Onlineroman "Neid"

Paul Jandl liest den Roman "Neid" von Elfriede Jelinek, den die österreichische Autorin ausschließlich im Internet veröffentlicht. "Elfriede Jelineks neue Prosa besteht aus glänzend scharfen Aphorismen, deren Sarkasmus ein Spaß ist, aber kein Witz. Es geht um Leben und Tod in diesem Text. Auch wenn an der Oberfläche vom Verschwinden einer industriellen Landschaft die Rede ist. Dass das Ich in Elfriede Jelineks neuem Roman das eigene Verschwinden zumindest mitbedenkt, wenn nicht gar ersehnt, ist eine der melancholischen Pointen in 'Neid'... Der Text soll nur im Internet zu lesen sein. Er soll allein dort fortgeschrieben werden - oder auch nicht. Die Delete-Taste ist dem zu Diensten, der die Autorschaft so radikal versteht wie die Wiener Schriftstellerin. Elfriede Jelinek war eine der ersten Autorinnen, die ihre Texte diesem Medium anvertraut haben. Wie privat ist diese Art der Öffentlichkeit? Mit der von ihr so bezeichneten 'Tricktinte' des Internets wird Elfriede Jelinek zur virtuellen Figur. Je erfundener, umso wahrer, wie sich zeigt."

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | 16.03.2007

Probleme des österreichischen Deutsch in Europa

Paul Jandl sorgt sich um das Überleben des österreichischen Deutsch in Europa. "Plurizentrisch ist die Welt Europas, plurizentrisch aber ist auch die deutsche Sprache. In ihr ist das österreichische Hochdeutsch, so wie das schweizerische, keine Randerscheinung. Sagen die Sprachwissenschafter. Aber sage das einmal einer den Europäern. Allmählich erst hat Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zu seiner Sprache gefunden." In EU-Gremien kann das österreichische Deutsch durchaus für Verwirrung sorgen, beschreibt Jandl: "Große Unruhe gab es bei einem EU-Plenum, in dem ein österreichischer Beamter davon sprach, dass in seiner Heimat illegale Grenzgänger 'betreten' worden seien. Die Folge war ein halbstündiger Tumult, weil allgemein befürchtet wurde, dass in Österreich die Menschenrechte buchstäblich mit Füßen getreten würden. Die Sache ließ sich aufklären: Wird jemand 'betreten', so ist er ertappt."

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