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Presseschau / Autorenindex
Kamen, Henry
In der europäischen Presseschau wurden bisher 5 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.
Henry Kamen über die Obama-Begeisterung der Europäer
Der britische Historiker Henry Kamen wundert sich in der spanischen Tageszeitung El Mundo darüber, dass sich viele USA-Kritiker in Europa plötzlich für den Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten Barack Obama begeistern: "Knapp einen Monat vor den Präsidentschaftswahlen in den USA sollte man fragen, warum in bestimmten Teilen der europäischen Presse eine Tendenz besteht, den Senator von Illinois, Barack Obama, als den neuen Retter des Westens zu präsentieren. Der Präsident der spanischen Regierung hat erklärt, er wünsche sich, dass dieser gewinne. Aber es wäre interessant zu wissen, warum er – als überzeugter Anti-Amerikaner – sich auf einmal für die Kandidaten interessiert, die sich dem amerikanischen Volk präsentieren. Warum setzen so viele Europäer, die den Vereinigten Staaten bislang feindlich gegenüber standen, jetzt ihre Hoffnungen auf Obama? ... Obama hat in seiner sehr kurzen politischen Karriere nichts Bedeutendes erreicht, und vielleicht ist das der Grund für seine Attraktivität. ... Dieser Artikel – geschrieben aus einem Staat, in dem die Wählerpräferenzen für die beiden wichtigsten Kandidaten fast genau gleich sind – soll nahe legen, dass Obama wahrscheinlich nicht der Retter ist, wie er in der europäischen (und natürlich der spanischen) Presse erscheint. In der Praxis unterscheidet Obama fast nichts von [dem republikanischen Kandidaten John] McCain."
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Gerichtliche Konfliktlösung?
Der britische Historiker Henry Kamen geht am Beispiel der Verhaftung von Radovan Karadžić, dem ehemaligen Führer der bosnischen Serben, der Frage nach, ob die Verurteilung eines mutmaßlichen Kriegsverbrechers vor dem Internationalen Strafgerichtshof zur Konfliktlösung beitragen kann. "Die Verurteilung von Karadžić, den man für den Tod von 20.000 Menschen verantwortlich macht, wäre eine wichtige symbolische Geste. Aber würde sie die Ursachen für den blutigen Konflikt in Bosnien lösen? ... Man hat den Verdacht, dass der Prozess in Den Haag kaum mehr ist als der römische Circus Maximus, in dem die Verfolger ihre Beute isolieren und zerstören. Die Richter, die ihn verurteilen, werden zeigen, dass sie die Zivilisation gegen die Barbarei verteidigt haben. Wir können ruhiger schlafen und warten, bis uns der nächste regionale Anführer in irgendeinem Winkel der Erde ein neues Banja Luka, ein neues Srebrenica beschert. Wieder einmal wird eine Großmacht, vielleicht diesmal unter Obamas Führung, in ein Land einmarschieren. Und wenn alles vorbei ist, wird nur der regionale Anführer vor dem Internationalen Gerichtshof verurteilt. Und wieder können wir ruhig schlafen, weil ein weiterer Kriegsverbrecher gefasst wurde."
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Henry Kamen stellt die spanische Nation in Frage
Der britische Historiker und Spanien-Kenner Henry Kamen fragt, ob die spanische Nationalhymne einen Text braucht, wie es derzeit in Spanien lebhaft diskutiert wird. "Sicher ist, dass der Text einer Hymne Werte, die man liebt und Dinge, die man hasst, widerspiegeln muss. Doch für die Spanier, die nie an Nationalismus geglaubt und statt dessen lieber gegen andere gekämpft haben, gibt es keine solche von allen geteilten Werte. Klarer ausgedrückt: Es gibt nicht das Gefühl, eine Nation zu sein, und folglich ist es unmöglich, sich auf einen Hymnentext zu einigen... Vielleicht müsste man ein Referendum abhalten: Man müsste die Spanier fragen, ob sie denn glauben, eine Nation zu sein, und ob sie deshalb eine Hymne mit Text haben wollen wie alle anderen Länder. Wenn sie antworten, dass sie sich nicht als Nation fühlen, könnte man das Thema vergessen, denn das würde bedeuten, dass sie eine Identität, die es nicht gibt, nicht besingen wollen."
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Henry Kamen über die Risiken des Multikulturalismus
Für den britischen Historiker Henry Kamen "zeigt die terroristische Bedrohung, die man in den vergangenen Tagen in Großbritannien beobachten konnte, die Zerbrechlichkeit jeder Gesellschaft, die sich als multikulturell versteht. Wenn es eine Kultur mitten in einer anderen gibt, welche Identität hat dann ein Bürger? Und welcher Kultur soll er treu sein?... Wenn eine Gesellschaft von einer Monokultur, so wie das England der 1950er Jahre eine war, zum Multikulturalismus übergeht, entstehen viele Probleme und es ist schwer, sie zu lösen. Das Nebeneinander verschiedener Kulturen birgt immer ein potenzielles Risiko in sich... Die Gesellschaft kann dank größerer Vielfalt reicher erscheinen, aber sie wird gleichzeitig auch ärmer, wenn es ihr nicht gelingt, dass sich alle Bürger zu ihr bekennen. Denn diese Art von Treue ist eine Grundbedingung für soziale Stabilität."
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Henry Kamen über Fukuyamas Gesinnungswandel
Der britische Historiker Henry Kamen begrüßt, wie sein amerikanischer Kollege Francis Fukuyama Thesen neu aufgreift, die er 1992 in seinem Buch "Das Ende der Geschichte" formulierte. "Entgegen seines anfänglichen Glaubens an den Neokonservatismus schlägt er uns nun alternativ etwas vor, das er den Wilsonschen Realismus nennt, abgeleitet aus dem Namen des Präsidenten, der sich für weltweite Völkerverständigung engagiert hatte... Diese Entwicklung ist wichtig, weil sie der Entwicklung der amerikanischen Meinung zu entsprechen scheint. Die Vereinigten Staaten sind eine sehr komplexe Gesellschaft, und ein Meinungswandel vollzieht sich dort nur sehr langsam. Die Unzufriedenheit mit dem Irak-Krieg beeinträchtigt das politische Tagesgeschäft bislang noch nicht, weil die Amerikaner noch völlig vom islamischen Fundamentalismus traumatisiert sind. Und sie werden auch noch Zeit brauchen, um wie Fukuyama ihre Position zu überdenken."
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