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Presseschau / Autorenindex
Müller, Herta
In der europäischen Presseschau wurden bisher 3 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.
Kritik an Instrumentalisierung
Nach der Kritik der rumäniendeutschen Schriftstellerin Herta Müller am Rumänischen Kulturinstitut (ICR) in Berlin, das zwei frühere Spitzel der kommunistischen Geheimpolizei Securitate zu einer Veranstaltung eingeladen hatte, soll nun eine parlamentarische Untersuchungskommission die Qualität des ICR überprüfen. Müller wehrt sich in der Tageszeitung Evenimentul Zilei gegen diese Instrumentalisierung ihrer Kritik durch den Chef der Kulturkommission im Senat, Adrian Paunescu, der selbst Hofdichter des kommunistischen Diktators Nicolae Ceauşescus war. "Für mich ist Paunescu die Quintessenz des moralischen Bankrotts, die Personifizierung der kulturellen Prostitution in der Diktatur. Meiner Meinung nach wäre die einzige korrekte Haltung nach dem Sturz des Kommunismus gewesen, dass er 50 Jahre lang schweigt. Es ist schwer, unter den Künstlern jemanden zu finden, der am moralischen Desaster der Ceausescu-Zeit so schuldig ist wie Paunescu. ... Mein Protest galt nicht dem ICR als Institution und nicht der Leistung des Leiters des ICR. Das war niemals mein Ansinnen. ... Wenn mein Protest nun von Paunescu und anderen seiner Art instrumentalisiert wird, dann wird meine Botschaft verkehrt."
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Herta Müller über Rumäniens Verhältnis zum Kommunismus
Der rumänische Staatschef Traian Basescu hat aufgrund von Ergebnissen einer Historikerkommission im Dezember den Kommunismus in Rumänien offiziell verurteilt. Die rumäniendeutsche Schriftstellerin Herta Müller bezeichnet das Interview mit Ionut Chiva als "leere Geste": "Wenn wir eine Demokratie wollen, dann müssen wir uns mit der Mentalität auseinander setzen, dann müssen wir eine Justiz aufbauen, die ihre Arbeit macht. Wie kann man den Kommunismus verurteilen, wenn die Securitate-Akten immer noch geschlossen sind, wie beispielsweise meine Akte? Der Kommunismus hat schwerwiegende Verbrechen begangen, über die wir immer noch nichts wissen, und über die die Zivilgesellschaft diskutieren muss. Nicht Staatschef Traian Basescu kann den Kommunismus verurteilen. Historiker haben ihm einen Haufen Papiere zukommen lassen und auf dieser Basis hat er den Kommunismus als 'kriminelles Regime' verurteilt. Dass das Regime kriminell war, hat nicht er gespürt, sondern ich. 17 Jahre nach der Wende mit symbolischen Gesten zu kommen, finde ich naiv. Für mich ein sinnentleertes Schauspiel."
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Herta Müller über Rumäniens Gedächtnisschwund
Die rumäniendeutsche Schriftstellerin Herta Müller beklagt, dass die EU nicht mehr Druck auf Rumänien ausgeübt hat, seine diktatorische Vergangenheit aufzuarbeiten: "Rumänien hat von sich aus so gut wie nichts getan: in der Aufarbeitung der Diktatur. Man tut in Rumänien so, als ob sie sich in Luft aufgelöst hätte, das ganze Land leidet am Gedächtnisschwund... Achtzig Prozent der orthodoxen Popen waren direkt vom Geheimdienst bezahlt, also Securisten in der Kutte. Bei den Journalisten, Ärzten, Professoren, Juristen wird es kaum anders gewesen sein. Aber das weiß man nicht, und soll es auch nicht wissen können. Der Grund dafür ist einfach: der Sturz Ceausescus, seine Verurteilung in einem Schnellprozess, seine Erschießung an einer dreckigen Kasernenwand hatte die Securitate damals selber gesteuert. Offiziell wurde dieser Geheimdienst nach der so genannten Revolution aufgelöst, sein Personal wurde jedoch heimlich weiter bezahlt. Ohne Unterbrechung kam ein Teil der Securisten vom alten in die neu gegründeten Geheimdienste. Und der schlauere Teil fädelte sich mit seinem Erpressungskapital in die Marktwirtschaft ein."
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