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Presseschau / Autorenindex
Sloterdijk, Peter
In der europäischen Presseschau wurden bisher 5 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.
Peter Sloterdijk über Fern-Nachbarschaften
Der Philosoph Peter Sloterdijk denkt über die "Globalisierung des Mitgefühls" nach - Anlass ist das Intellectual-Live-8-Forum für Afrika, das kommende Woche in Berlin stattfindet. Er konstatiert einen "moralischen Weltklimawandel", gar einen moralischen "Global-Warming-Effekt", für den seiner Ansicht nach die "modernen Raumvernichtungstechniken verantwortlich [sind], an erster Stelle die schnellen Transportmittel und ultraschnellen Nachrichtentechniken. Sie haben dafür gesorgt, dass ein völlig neues System virtueller Nachbarschaften, virtueller Solidaritäten und Kommunitäten entstanden ist, mit deren Auftauchen die Basisdaten der konventionellen Soziologen außer Kraft gesetzt wurden. Man muss nicht mehr zusammenleben, um verbunden zu sein; man muss nicht mehr verwandt sein, um füreinander etwas übrig zu haben; man muss keine gemeinsamen Illusionen nähren, um sich miteinander zu solidarisieren; man muss sich nicht persönlich gesehen haben, um füreinander etwas zu tun. Ich nenne die Summe dieser Verhältnisse: Fern-Nachbarschaften... Wenn man von dem Abenteuer der Moral hat sprechen können - wird es im kommenden Jahrhundert nicht vor allem in der Kultivierung der Fern-Tugenden bestehen?"
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Peter Sloterdijk über den übererotisierten Westen
Die Rückkehr zur Religion ist für den deutschen Philosophen Peter Sloterdijk kein Weg zur Seelentröstung und Heilsfindung, wie er Jan Feddersen und Susanne Lang in einem langen Interview rund um Weihnachten, Gott und die Welt erklärt: "Die Religionen sind bis auf weiteres eher Teil des Problems als der Lösung. Gäbe es den Weltgeist, würde er jetzt wohl statuieren: Der zivilisatorische Weg ist allein noch offen. Tatsächlich stehen sich auf der großen Bühne zwei Komplexe gegenüber, die in sich total unausbalanciert sind: ein übererotisierter, von der Gier verwüsteter Westen, andererseits ein überthymotisierter, vom Ressentiment verwüsteter Naher und Mittlerer Osten. Ohne Rebalancierung ist nach beiden Seiten die globale Selbstzerstörung programmiert."
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Peter Sloterdijk über die Wurzeln der Globalisierung
In einem Interview mit Elisabeth Lévy erklärt der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk, wie die Globalisierung durch die großen Entdeckungen am Ende des 15. Jahrhunderts ausgelöst wurde. "Das entscheidende Merkmal der frühen Moderne war die weltweite Vernetzung, ausgelöst durch die Expansion der Europäer. Sie begannen die Welt ernst zu nehmen - zunächst als ein Objekt, auf dem man sich frei bewegen und das man erforschen kann, aber zugleich als ein Objekt, das sich erobern und ausbeuten lässt. Europa war also der Ausgangspunkt dieser 'Eroberung der Welt', was durch das Wechselspiel von Aktion und Reaktion zu einer Welt geführt hat, wie wir sie heute kennen: ein Universum, in dem das Gesetz des 'Handelns aus der Distanz' regiert - Telekommunikation, Telekonflikt, Telegewalt, Teleobszönität, Telehilfe, Telebarmherzigkeit. Nur ein telerealistischer Gedanke kann eine solche Welt interpretieren, bilden und reformieren."
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Peter Sloterdijk über das französische "Mikroklima"
Der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk erläutert Antoine de Baecque seine Überlegungen zu französischen Besonderheiten. "Ich bin auf absurde Weise und bedingungslos frankophil. Aber seit mir die Gründe für die Demonstrationen der Jugend gegen den Erstanstellungsvertrag CPE klar sind, muss ich sagen, dass mir Frankreich immer mysteriöser vorkommt. Frankreich hat sich gegenüber seiner Umwelt hermetisch abgeschottet... Die Franzosen haben seit den 1980er Jahren ein 'Laboratorium des sozial geteilten Luxus' ausgearbeitet. Sie bilden keine primitiven Stämme mehr, was für einen Anthropologen interessant wäre, sondern Luxus-Stämme, die sich in einem gemütlichen sozialen Gewächshaus gut entwickeln... Frankreich hat eine psycho-politische Besonderheit herausgebildet, als es versuchte, einen Schutzraum zu schaffen, in dem die Luftströme des Arbeitsmarkts reguliert werden und die kalten Wassergüsse des Liberalismus aufgeheizt werden. Es ist ein eigenes Mikroklima, eine schützende Blase. Es ist eine Illusion, doch eine schöne Illusion."
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Arena der Ideen - Die Fußball-WM 2006
Dirk Kurbjuweit und Lothar Gorris haben mit dem deutschen Philosophen Peter Sloterdijk über seine Sicht auf Fußball gesprochen: "Das Fußballspiel ist atavistisch, und es ist eine anthropologische Versuchsanordnung. Seit einigen tausend Jahren suchen die männlichen Menschen nach einer Antwort auf die Frage: Was macht man mit Jägern, die keiner mehr braucht? Von unserem anthropologischen Design her sind Männer so gebaut, dass sie an Jagdpartien teilnehmen... Es gibt kaum ein Spiel, bei dem unsere alten protoartilleristischen Jagderfolgsgefühle so deutlich imitiert werden können... Da wird nämlich das älteste Erfolgsgefühl der Menschheit reinszeniert: mit einem ballistischen Objekt ein Jagdgut zu treffen, das mit allen Mitteln versucht, sich zu schützen. Ich glaube, das ist der Punkt, wo man den Begriff 'deep play' ins Spiel bringen darf. Er bezeichnet die Arten von Spielen, die den ganzen Menschen mitreißen."
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