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Wildstein, Bronislaw
In der europäischen Presseschau wurden bisher 5 Artikel dieses Autors/ dieser Autorin zitiert.
Europäischer Gedenktag
Das EU-Parlament hat gestern vorgeschlagen, den 23. August zum Europäischen Gedenktag an die Opfer der stalinistischen und nazistischen Verbrechen zu erklären. Am 23. August 1939 wurde der so genannte Hitler-Stalin-Pakt unterzeichnet, der die Aufteilung Osteuropas zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion festlegte. Die konservative Tageszeitung Rzeczpospolita lobt die EU-Initiative für den Gedenktag. "In diesem Fall geht es darum, die wirkliche Rolle der Sowjetunion aufzuzeigen, die ein Verbündeter Nazi-Deutschlands bei der Teilung Europas war und sich erst beim Kampf um die Beute auf die andere Seite schlug. Der Mythos des Siegers über das Dritte Reich diente Moskau nicht nur in der Innenpolitik, sondern wurde auch sehr lange als Begründung für eine besondere Behandlung der Sowjetunion und der kommunistischen Parteien in Westeuropa gebraucht. Die Ehrung der Opfer des Stalinismus analog zu den Opfern Hitlers wird eine grundlegende Verurteilung des stalinistischen Kommunismus darstellen. Dies ist – bis heute – für den Großteil der europäischen Linken ein Akt, den sie kaum akzeptieren kann."
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Erniedrigung Saakaschwilis
Die Tageszeitung Rzeczposplita verurteilt die Abstimmung des russischen Parlaments als imperiale Geste. "Eine offizielle Abtrennung Abchasiens und Ossetiens wäre eine weitere Erniedrigung des [georgischen] Präsidenten Michail Saakaschwili, der ein entschiedener Befürworter der Unabhängigkeit Georgiens ist und den Moskau stürzen will, um an seine Stelle einen russlandabhängigen Politiker wie dessen Vorgänger Eduard Schewardnadse zu setzen. Dies ist auch ein weiterer Schritt zum Wiederaufbau des Imperiums und gleichzeitig eine Blockade der alternativen Brennstoffquellen für Europa, die vom Kaspischen Meer über Georgien in den Westen fließen. Trotz der aufmüpfigen Erklärungen Moskaus kann der Westen - darunter auch die EU - die russischen Pläne durchkreuzen. Vorausgesetzt jedoch, dass er sich aufrafft, also als Erstes überhaupt die Gefahr erkennt. Polen kann dabei eine bedeutende Rolle übernehmen, wenn die Außenpolitik der Staatsräson untergeordnet wird, und der Präsident und der Premier in der Lage sein werden, sich diesbezüglich zu einigen."
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Donald Tusks erste Regierungserklärung
Am Freitag hat der neue polnische Premierminister Donald Tusk in einer dreistündigen Regierungserklärung das Programm seines Kabinetts vorgestellt. Er drängte auf eine schnelle Einführung des Euro und kündigte an, die EU-Grundrechte-Charta nicht zu unterzeichnen. Innenpolitisch äußerte er sich wenig konkret. Bronisław Wildstein kritisiert, Tusk habe in seiner Rede Unmögliches versprochen: "Allgemein könnte man sagen, dass dies ein Versuch ist, in Polen die 'Postpolitik' einzuführen - ein Politikstil, der effektvoll von US-Präsident Bill Clinton und dem britischen Premier Tony Blair gepflegt wurde... 'Postpolitik' bedeutet, dass Politik durch Marketing und Regieren durch Verwalten ersetzt werden. In Wirklichkeit sind wir auf Politik angewiesen und alle Post- oder Antipolitiken dienen lediglich dazu, ihre wirklichen Inhalte zu verstecken. So werden Konflikte aber nicht gelöst, sondern verdeckt."
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Bronisław Wildstein gegen eine EU-Grundrechtecharta
Großbritannien, Irland und Polen stehen einer rechtsverbindlichen Europäischen Grundrechtecharta imüberarbeiteten EU-Vertrag skeptisch gegenüber. Der polnische Journalist Bronisław Wildstein schreibt, warum auch er sie ablehnt: "Eine europäische Nation wird es noch lange nicht geben. Stattdessen haben wir aber eine ganze Bibliothek an Vorschriften, die das Funktionieren Europas regulieren. Diese Tendenz folgt der Strömung in allen modernen westlichen Gesellschaften, das Gesetz auf immer mehr Bereiche auszudehnen. Die Verteidiger dieser Tendenz halten sie für ein Zeichen des moralisch-juristischen Fortschritts. In Wirklichkeit verhält es sich umgekehrt. Indem das Gesetz in Lebenssphären eindringt, die bisher von Sitten und Moral geprägt wurden, begleitet es ihren Zerfall und verursacht ihn sogar."
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Polens neuer Literaturkanon
Der polnische Erziehungsminister Roman Giertych, der der nationalkonservativen Liga der polnischen Familien angehört, will die verpflichtende Schullektüre europäischer Klassiker zugunsten christlicher Erbauungsliteratur ändern. In seiner Glosse versucht der Publizist Bronisław Wildstein die Beweggründe nachzuvollziehen, die das Ministerium bei der Änderung des offiziellen Literaturkanons leiten: "Mit Gründen der nationalpolnischen Tradition ließe sich die Beseitigung Goethes – weil er Deutscher war -, Kafkas – weil er Jude war (und auf deutsch schrieb) -, eventuell Gombrowiczs – weil er wohl schwul war-, erklären... Überhaupt nicht dazu passt die Beseitigung Dostojewskis, denn er war Russe (und die Nationalpolen mochten ihre slawischen Brüder) und leidenschaftlicher Christ, dazu noch antirevolutionär und antifortschrittlich... Man hört, dass schon Internetbuchhandlungen für die von Giertych ausgeschlossenen Bücher werben. Geht es also um Reklame oder ist es doch nur gewöhnlicher Blödsinn?"
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