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KULTUR

Lidové noviny - Tschechien | 17.03.2010

Sprachunterricht für Roma ist überfällig

An tschechischen Schulen sollen die Kinder der Romaminderheit künftig ihre Muttersprache Romani richtig erlernen können. Das sieht ein Projekt der Regierung vor, mit dem man dem schwachen Bildungsniveau vieler Romakinder begegnen will. Die konservative Tageszeitung Lidové noviny hät den Schritt für überfällig: "Die Vorstellung, dass alle Roma eine qualitativ hochstehende Ausbildung erhalten, ist bislang ziemlich idealistisch. Das liegt am Staat und seinem Desinteresse, aber auch am Desinteresse der Romafamilien an der Zukunft ihrer Kinder. Auch nach einem halben Jahrhundert der versuchten Assimilierung und einer Ausbildung nur in tschechischer Sprache blieb die Romaidentität gleich, mit der die Kinder sich kaum entfalten konnten. Dass der tschechische Staat nun zwanzig Jahre nach der Revolution den Romakindern eine muttersprachliche Ausbildung angedeihen lassen will, ist ein Schritt in die richtige Richtung." (17.03.2010)

Eesti Päevaleht - Estland | 16.03.2010

Estland braucht russisches Museum

Estland hat ein Eisenbahnmuseum und ein Spielzeugmuseum, aber nach wie vor kein Museum, in dem die Kultur der in Estland lebenden Russen dargestellt wird. Das beklagt die Tageszeitung Eesti Päevaleht: "Dabei spricht rund ein Drittel der Bewohner Estlands Russisch als Muttersprache, und über Jahrhunderte hinweg haben Russland und die Russen eine entscheidende Rolle in Estland gespielt. … Ein russisches Museum wäre aber nicht nur eine kulturelle Einrichtung - vielmehr wäre der Aufbau eines solchen Museums auch von politischer Bedeutung. Die Schaffung eines Museums würde zeigen, dass sich Estland ernsthaft mit der Geschichte und Kultur seiner größten Minderheit auseinandersetzt. Und das wäre ein Zeichen dafür, dass Esten und Russen in diesem Land wichtige Dinge gemeinsam angehen. Darüber hinaus wäre es ein konstruktives Signal an Russland, wenn unser östlicher Nachbar aufgerufen würde, beim Sammeln, Archivieren und Ausstellen von Exponaten unserer gemeinsamen Geschichte mitzuwirken." (16.03.2010)

Postimees - Estland | 15.03.2010

Esten, pflegt eure Sprache

Estland hat am Sonntag den alljährlichen Tag der Muttersprache begangen. Die Tageszeitung Postimees fordert aus diesem Anlass die Esten zu einem bewussteren Umgang mit ihrer Sprache auf: "In einer Informationsgesellschaft bedeutet Sprachkompetenz nicht nur; fehlerfrei zu schreiben, sondern auch die Fähigkeit, sein Wissen weiterverbreiten zu können. Eine Entwicklung der funktionalen Sprachfähigkeit spielt in den Lehrplänen aber kaum eine Rolle, und dabei sollten nicht nur die Estnischlehrer mit ihrem Sprach- und Literaturunterricht die Botschafter der Muttersprache sein, sondern alle Lehrer. ... Die Sprache ist natürlich auch ein lebendiger Organismus, und in einer sich wandelnden Welt verändert sich auch unsere Sprache. Wörter, die noch vor einer Generation nichts bedeuteten, sind heute in aller Munde - aber das dürfen nicht nur Lehnwörter sein. Natürlich übernehmen wir Wörter aus anderen Sprachen, aber vorher sollte man seine Muttersprache gründlich untersuchen. ... Eine solche Reinhaltung der Muttersprache ist aber nicht nur Aufgabe von Behörden, sondern von uns allen." (15.03.2010)

Evenimentul Zilei - Rumänien | 15.03.2010

Rumänen vergöttern Opulenz

Knapp sechs Monate vor Baubeginn der landesweit größten orthodoxen Kathedrale in Bukarest hat der rumänische Architektenverband den geplanten Bau als unangemessen kritisiert. Die Tageszeitung Evenimentul Zilei setzt sich mit der Erwiderung der Rumänisch-Orthodoxen Kirche auseinander: "Die Rumänisch-Orthodoxe Kirche, BOR, spielt bei ihrer Argumentation mit den Komplexen der Rumänen. ... Welche Chance auf Anerkennung haben die alten orthodoxen Schätze noch, wenn die Mammutkirche entstanden ist, die Schätzungen zu Folge fast eine halbe Milliarde Euro verschlingen wird? Eine Frage, auf die das Kirchenoberhaupt Daniel vielleicht schon eine Antwort hat [die gewaltige Größe], die aber nur jene zufrieden stellen wird, die stolz darauf sind, in einer Stadt zu leben, die nach dem Pentagon bereits das zweitgrößte Gebäude [ehemaliger Ceauşescu-Palast] hat, das größte Hotel, die größte Mall in Südosteuropa und so weiter. ... Die künftige Kathedrale präsentiert sie perfekt, auch geben sie ... jenen Recht, die sagen, die Rumänen vergöttern das Opulente!" (15.03.2010)

Die Presse - Österreich | 12.03.2010

Bologna-Prozess lässt sich retten

Studenten haben am Donnerstag in Wien die Feier der EU-Bildungsminister zum zehnjährigen Bestehen des Bologna-Systems gestört. Die Tageszeitung Die Presse sieht in dem einheitlichen europäischen Bildungssystem mit Bachelor-Abschluss Fehler, aber auch Chancen: "Der neue 'Bachelor' wurde zum Problemfall: weil er vom Arbeitsmarkt nicht angenommen wird, obwohl die Unis sogar zu viel Stoff hineingepresst haben. Die Studenten haben folgerichtig das Gefühl, im total verschulten Studium ihren Freiraum verloren zu haben. Nicht genug damit: Die internationale Mobilität ist sogar gesunken. ... Ganz totsagen sollte man den Bologna-Prozess noch nicht: Der Bachelor lässt sich sinnvoller gestalten, und die heimische Akademikerquote wird damit steigen - ein Ziel, das alle eint. Es ist auch in Ordnung, wenn nicht mehr so viele Studienabschlüsse wie bisher zum 'Doktor' führen. Da wird Österreich international schon lange als zu titelsüchtig belächelt. Die neue Studienarchitektur ließe sich retten, und nicht alles an ihr ist schlecht." (12.03.2010)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland | 10.03.2010

Reporter-Biographie wirft Licht auf Polens Vergangenheit

Die neue Biographie über den polnischen Journalisten Ryszard Kapuściński von Artur Domosławski kratzt an der Reporterlegende und wirft in Polen erneut die Frage auf, wie man mit der kommunistischen Vergangenheit umgehen soll. Eher als in Deutschland, schreibt die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Die Kapuściński-Biographie bewegt die Gemüter nun nicht nur, weil hier ein in Polen gefeierter und international bekannter Autor entheroisiert wird, sondern auch deswegen, weil sie summa summarum gegen eine strenge Verurteilung des sogenannten kommunistischen Regimes gerichtet ist. ... Die Diskussion um die Biographie schreibt sich in die seit Jahren währende Debatte über die Einschätzung des Ancien Régime ein, vor allem über die Frage, wie man die Geschichte Volkspolens schreiben sollte und könnte. ... Es fehlt ein Dazwischen, etwa eine Würdigung der Tausenden von Oppositionellen, die sich in der Solidarność-Bewegung engagiert und die letztlich den Regimewechsel herbeigeführt haben. ... So mancher schaut daher mit Neid auf Deutschland, wo die Demonstrationen von 1989 und die Oppositionellen der DDR, die sich gegen das, was sich in Polen getan hat, bescheiden ausnehmen, immer wieder gewürdigt werden." (10.03.2010)

Dnevnik - Slowenien | 09.03.2010

Oscars vermeiden politische Botschaft

Der Irakkriegsfilm The Hurt Locker hat in diesem Jahr den Oscar für den besten Film bekommen. Die US-Filmakademie vermeidet es, politische Botschaften herauszugeben, meint die Onlineausgabe der Tageszeitung Dnevnik: "Bei der Entgegennahme des Oscars, hat er [Drehbuchautor Mark Boal] sich bei den Soldaten für ihren Dienst bedankt, doch das war auch alles, was die diesjährige Oscarverleihung in der Kategorie 'Nutzen der Scheinwerfer für politische Reden' geboten hat. Ähnlich verhält es sich mit der Entscheidung der Akademiemitglieder, den Film The Hurt Locker mit fünf Oscars [sic] auszuzeichnen. Die Akademie sendet somit keine politischen Botschaften an Politiker oder die Öffentlichkeit, das hat sie auch in der Vergangenheit immer vermieden. Der diesjährige Siegeszug des Kriegsfilms war genau deshalb möglich, weil er politisch neutral ist und der Irakkrieg kein giftiges Thema mehr ist. Damit hat die Akademie ein ungeschriebenes Gesetz bestätigt." (09.03.2010)

Corriere della Sera - Italien | 03.03.2010

Scorseses gefährliches Spiel mit der Geschichte

Shutter Island, der Film des US-amerikanischen Regisseurs Martin Scorsese hatte auf den Berliner Filmfestspielen im Februar Weltpremiere. Jetzt ist der Thriller ein Publikumsmagnet im Kino. Bernard Henri-Lévy kritisiert in der liberal-konservativen Tageszeitung Corriere della Sera den leichtfertigen Umgang des US-amerikanischen Regisseurs mit nazistischen Anspielungen: "Der Nazismus ist zu einem neuen Spielfeld geworden, auf dem sich die bad boys Hollywoods amüsieren, dessen Stars jede Minute neu bestimmen, was real ist und was nicht. Oder besser gesagt: Der Nazismus ist zu einem dieser Selbstbedienungsläden geworden, ein Tabu wie jedes andere, aus dem derjenige mit vollen Händen schöpft, der glaubt, ... dass die Realität nur eine der Modalitäten der Fiktion sein müsste. Die Kunst profitiert davon. Nicht aber die Erinnerung. Und noch weniger die Moral. Eine neue Nouvelle Vague [neorealistische, politische engagierte Tendenz des französischen Films der 1950er Jahre] müsste uns daran erinnern, dass die Moral ein Aspekt ist, der heute mehr denn je im Film eine Rolle spielt." (03.03.2010)

Sme - Slowakei | 26.02.2010

Slowakei verschläft Weltausstellung

Der Slowakei droht bei der nächsten Weltausstellung in Schanghai eine Pleite, moniert der Präsident der Vereinigung der Architekten des Landes, Ján Bahna. In einem Gastbeitrag für die liberale Tageszeitung Sme führt er aus: "Wir haben aus den zurückliegenden Weltausstellungen nichts gelernt. Historisch gesehen waren selbst die Präsentationen der sozialistischen Tschechoslowakei erfolgreicher als die der selbstständigen Slowakei. Wir halten es weder für nötig, einen architektonischen Wettbewerb auszuschreiben, noch Spitzenleute für die Vorbereitung unseres Beitrags zu engagieren. Das intellektuelle Potenzial unseres Volks bleibt damit ungenutzt. Zu einem neuen, jungen Staat gehört aber auch die Kultur, ihn der Welt vorzustellen. Wir aber leben unser Leben. Die Welt interessiert uns nicht." (26.02.2010)

Jornal de Notícias - Portugal | 23.02.2010

Portugals unrühmliche Tradition Stiere zu quälen

Der Streit um Stierkämpfe ist in Portugal wieder aufgeflammt. Das Kulturministerium hat eine Stierkampfabteilung im Nationalen Kulturrat gegründet, obwohl seit 2002 zumindest Stierkämpfe bis auf den Tod verboten sind. Die Tageszeitung Jornal de Notícias kritisiert den Beschluss: "Genau das hat uns gefehlt: eine Kulturministerin, für die der Spaß am Leid und am Tod von Tieren ein Teil der Kultur ist. Merken Sie sich ihren Namen, denn er wird in die Annalen der portugiesischen Kultur im 21. Jahrhundert eingehen: Gabriela Canavilhas. Dies ist der Name der unter dem schändlichen Beschluss steht ... . Niemand sollte sich wundern, wenn es demnächst auch eine Abteilung für Hundekämpfe geben wird oder sogar eine für Mädchenbeschneidung, zwei weitere, Respekt verdienende kulturelle Traditionen, die gewürdigt werden müssen." (23.02.2010)


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