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Kultur

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KULTUR

Rzeczpospolita - Polen | 02.12.2008

Die politisch korrekte Geschichte Europas

Die konservative Zeitung Rzeczpospolita kritisiert das in Brüssel geplante "Haus der Geschichte Europas", das auf Antrag des Europäischen Parlaments entsteht. Es lässt bestimmte historische Ereignisse aus, wie den polnisch-sowjetischen Krieg im Jahr 1920 oder den Runden Tisch, an dem die Polen 1988/1989 das Ende des Kommunismus aushandelten: "Das ist für Polen schmerzlich. Wir sollten uns darum bemühen, dass alle diese Ereignisse in der Ausstellung des Museums berücksichtigt werden. ... Die Anhänger des Projektes werden darauf hinweisen, dass irgendjemandem immer irgendein europäisches Ereignis fehlen wird. Aber das Problem liegt woanders - außerhalb einzelner historischer Vorgänge. Die Perspektive [dieses Projektes] ... stützt sich auf den Westen Europas - insbesondere auf die Ereignisse, die für Deutschland und Frankreich eine Schlüsselbedeutung hatten." (02.12.2008)

Delo - Slowenien | 01.12.2008

Umstrittener Moscheebau in Ljubljana

Nach jahrelangem Streit ist in Ljubljana der Flächennutzungsplan für den Bau eines islamischen Glaubens- und Kulturzentrums abgesegnet worden. Die Tageszeitung Delo sieht auch für die Zukunft noch viel Konfliktpotenzial. "Es sieht so aus, als wird das Sammeln des Geldes für das Grundstück und der Bau selbst das kleinste Problem. Nun hat der Stadtrat Mihael Jarc ein Referendum über die Moschee angekündigt. Ihn stört das 40 Meter hohe geplante Minarett. Es ist offensichtlich, dass das Geschehen um den Bau der Moschee im Zentrum der politischen Aufmerksamkeit sein wird, auch außerhalb Sloweniens. Bei uns gibt es rund 60.000 Muslime, die meisten von ihnen sind Angehörige der so genannten zweiten Generation mit einem oder beiden Elternteilen aus Bosnien oder aus dem Kosovo. Es sind Slowenen islamischen Glaubens und das ist auch der Grund für ihren jahrzehntelangen Wunsch nach einem Glaubens- und Kulturzentrum. ... Zwischen der Stadt und der muslimischen Gemeinschaft herrschen ... korrekte Beziehungen und das ist auch gut so." (01.12.2008)

Il Sole 24 Ore - Italien | 30.11.2008

Neues Akropolis-Museum mit offener Wunde

Im Frühjahr 2009 wird in Athen das neue Akropolismuseum eröffnet, das schon zu den Olympischen Spielen 2004 hätte fertig sein sollen. Salvatore Settis, Italiens berühmtester Kulturschützer und Präsident des Nationalen Kulturrates, hat das Museum besucht und fordert die Rückgabe der 56 Skulpturen, die Lord Elgin im 19. Jahrhundert aus dem Parthenon-Tempel nach England entführte. "Das Herzstück ist der Parthenon-Saal. ... Die übriggebliebenen Originalstücke wechseln mit Gipsabdrücken jener Originale ab, die nach London, abgewandert sind. Die Licht- und Farbschattierungen der Kopien verweisen auf die offene Wunde und sind wie ein leiser aber dringender Aufruf für die ersehnte Rückerstattung der Elgin-Skulpturen, die das British Museum sein eigen nennt. Es weigert sich, diese dem Herkunftsland zurückzuerstatten. ... Einen Ehrenplatz nimmt das Fragment des Parthenon-Tempels ein, das die Antikensammlung der Heidelberger Universität Athen 2006 zurückgegeben hat." (30.11.2008)

Jyllands-Posten - Dänemark | 01.12.2008

Zu wenig Deutsch an dänischen Schulen

Immer weniger Schüler in Dänemark lernen Deutsch. In der Tageszeitung Jyllands-Posten schreibt der Lektor Mikael Busch, das stehe im Gegensatz zu dem Boom, den Berlin derzeit in Dänemark genieße: "Die Situation ist paradox. Denn während das Interesse an Deutschland blüht, waren die Deutschkenntnisse nie schlechter als heute. Deutsch hat sich zu einer vom Aussterben bedrohten exotischen Sprache entwickelt. …Wenn die Schüler in der 7. Klasse mit dem Deutschunterricht beginnen, sollten sie selbstverständlich Lehrer haben, die von ihrem Fach begeistert sind. Am besten natürlich hauptamtliche und Hauptfach-Lehrer. Davon gibt es aber mittlerweile immer weniger. Deshalb haben die Schüler Lehrer mit einem weniger soliden fachlichen Fundament, die sich wenig um den Deutschunterricht bemühen. Das ist leider die Regel." (01.12.2008)

Monitor - Bulgarien | 27.11.2008

Bildungspolitik am Gefrierpunkt

"Ein Jahr nach dem größten Lehrerstreik in der bulgarischen Geschichte bleibt die Bildungspolitik weiterhin am Gefrierpunkt," stellt die Tageszeitung Monitor fest. "Der Streik produzierte ein Nebeneinanderherreden anstatt eine produktive Auseinandersetzung. Und obwohl Lehrer, Gewerkschaftler und Regierende angeblich von Bildung redeten, ging es ihnen um Geld. Die einen übelegten, wie sie an Geld kommen können, die anderen, wie sie vermeiden könnten, Geld zu geben. Eine Debatte über Bildungspolitik fand auch im Parlament nicht statt. ... Und wie auch, wenn die meisten Anstellungen durch ein Telefonat mit der Bildungsbehörde arangiert werden. Man sollte die Rolle der Lehrer beim Rückgang der Qualität der Bildung gar nicht kleinreden, jedoch ist das Management derzeit eher schuld daran, dass ein krankes Bildungsmilieu, welches alle Beteiligten demotiviert, aufrechterhalten wird." (27.11.2008)

Le Monde - Frankreich | 25.11.2008

Zu wenig Vielfalt im französischen Kino

In Bezug auf den Filmstart von "Aide-toi et le ciel t'aidera" (Hilf dir und der Himmel wird dir helfen) des französischen Regisseurs François Dupeyron fragt sich der Nachrichtenblog Rue89, warum im französischen Kino so wenig schwarze Akteure zu finden sind: "Alexandre Michelin ist Vorsitzender der Kommission 'Bilder der Vielfalt', die seit 2007 ... beauftragt ist, die Diversität in kleinen und großen Produktionen zu fördern. ... Und er nimmt kein Blatt vor den Mund: 'Vorurteile', 'Diskriminierung', 'bewusste und unbewusste Hemmungen ... dank Filmen wie 'Indigènes', 'La graine et le mulet' [Couscous mit Fisch] oder 'Entre les murs' ... hat sich etwas bewegt. Und hinter dem [marokkanisch-stämmigen] Zugpferd Jamel Debbouze (einer der erfolgreichsten Akteure des nationalen Kinos) haben heutzutage endlich Schauspieler wie Roschdy Zem oder Sami Bouajila ... das Recht auf die Anerkennung ihrer Kunst, ohne dass man auf ihre Herkunft verweist. Für die Schwarzen hält die Wartezeit an." (25.11.2008)

Gândul - Rumänien | 25.11.2008

Das Buch wird wieder beliebter

Die Internationale Buchmesse Gaudeamus hat am Wochenende in Bukarest 100.000 Besucher gezählt. Die Zeitung Gandul fragt sich, warum das Lesen wieder so beliebt ist: "Das Lebensniveau [ist] gestiegen, so dass sich die Leute mehr als nur das Lebensnotwendige leisten können. Hinzu kommt auch die erfreuliche Realität, dass die Kultur wieder weitaus mehr Publikum anzieht als in den vergangenen Jahren. Die Gründe dafür liegen klar auf der Hand: Das Interesse an Politik ist dramatisch gesunken, auch das Fernsehen, das zuallererst angeklagt wird, die potenziellen Kulturkonsumenten gestohlen zu haben, hat aus eigenem Verschulden an Gewicht verloren. Den TV-Programmen fehlt es an Originalität, es kommen die immer gleichen Sendeformate, die immer gleichen Protagonisten. ... Der Mensch, der immer eine Ablenkung braucht, kann auf billige und schöne Weise auch durch das Lesen zufrieden gestellt werden." (25.11.2008)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland | 24.11.2008

Phantome bei Europeana

Die Online-Bibliothek Europeana ist aufgrund von Überbeanspruchung kurz nach ihrem Start am vergangenen Donnerstag zusammengebrochen. Die Tageszeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt: "Die enorm unterschiedliche Beteiligung der siebenundzwanzig EU-Mitglieder spiegelt indessen ein kulturelles Phantomeuropa. Frankreich ist mit mehr als fünfzig Prozent dabei, gefolgt von Großbritannien und den Niederlanden mit je zehn Prozent. Deutschlands Beitrag macht ein Prozent von Europas kulturellem Großhirn aus. Dass dieses an alle Einzelheiten der gehorteten Manuskriptblätter, Zeichnungen, Erstdrucke, Fotografien gedacht hat und nur das eine technische Detail übersah, es könnte eventuell ja begehrter sein als erwartet, macht es uns wieder richtig sympathisch. So ein Europa der Inhalte erinnert ans alte, verlorene Traum-Europa. Drei Wochen Funktionspanne sind dafür kein zu hoher Preis, zumal sich vor leeren Bildschirmen noch besser träumen lässt." (24.11.2008)

Kultura - Bulgarien | 21.11.2008

Für eine kritische Meinung

Der Historiker Ivan Iltschev kritisiert im Wochenmagazin Kultura die Defizite der Hochschulbildung und findet, dass, "die Universität den jungen Menschen kritisches Denken und das Bedürfnis, ihre eigenen Meinung offen zu sagen, beibringen soll. Eine kritische Meinung bringt die Gesellschaft voran. Die Universität soll die jungen Menschen auch darin lehren, Fehler zu wagen. Weil der Fehler auch eine Garantie darstellt, dass man vorankommt: So kommt man über den falschen Weg auf den richtigen. ... Deshalb sage ich meinen Studenten, dass sie nicht bloß chronologische Daten wissen müssen. Wichtig ist vielmehr, wo die Ereignisse, die Kriege eingeordnet werden, und wie sie zu der menschlichen Entwicklung und zu anderen politischen, kulturellen Ereignissen stehen. Die Universität sollte gegen die sich massiv verbreitende Bildungsarmut der bulgarischen Gesellschaft ankämpfen." (21.11.2008)

La Repubblica - Italien | 21.11.2008

Sieg für die Sprache Dantes

2004 klagte Italien gegen eine nur dreisprachige, EU-externe Ausschreibung der EU und hat gestern vor dem Europäischen Gerichtshof Recht bekommen. Die Tageszeitung La Repubblica sieht in dem Urteil einen Sieg für die Sprache Dante Alighieris: "Gemeinsam mit anderen Ländern, darunter Spanien und Litauen, hat sich Italien gegen die Vorherrschaft von Englisch und Französisch gewehrt, zu denen sich anmaßend Deutsch gesellt hat. ... Die Vielfalt der Sprachen und ihre Gleichberechtigung werden weiter verteidigt werden. Nun sind bereits Stimmen zu hören, die auf EU-Versammlungen alle Sprachen zulassen wollen, auch solche, die von der Mehrheit der Europäer als exotisch erachtet werden - wie Gälisch und Maltesisch. Das sind legitime Forderungen, auch wenn in Brüssel, das längst in Babel umgetauft worden ist, der Multisprachgebrauch mit Tonnen von Dokumenten und Protokollen, die tagtäglich übersetzt werden, ein großes Problem darstellt." (21.11.2008)


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