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LOKALE FARBEN

Večer - Slowenien | 05.09.2008

Was Frauen wollen

Im europäischen Vergleich zählt Slowenien zu den Ländern mit der niedrigsten Anzahl an Frauen in der Politik, außerdem sind Frauen in Führungspositionen bei großen Organsiationen eher eine Seltenheit. Die Lehrerin Danica Jordan fragt in ihrem Gastkommentar in der Tageszeitung Večer, warum dem so ist: "Belange der Frauenbewegung gelten in Slowenien oft als nur für einzelne Frauen relevant und vor allem etablierte Kreisen betrachten sie als uninteressant. ... Was sich derzeit noch im Randbereich bewegt, könnte aber ins Zentrum treten und eine Kehrtwendung bringen, wenn die aktivistischen und akademischen Initiativen der Frauen aus ihren mehr oder weniger geschlossenen Kreisen an die Öffentlichkeit treten; Wenn sie durch ihr theoretisches und fachliches Wissen versuchen würden, das Gefälle zwischen Theorie und Praxis zu überwinden und somit global auf die vielfältigen und kulturellen Beziehungen innerhalb der Zivilgesellschaft einzuwirken, in der die Politik eine große Rolle spielt." (05.09.2008)

Jyllands-Posten - Dänemark | 05.09.2008

Schluss mit lustig für Christiania?

Die Tageszeitung Jyllands-Posten wendet sich der so genannten Freistadt Christiania zu, der seit 1971 bevölkerten alternativen Wohnsiedlung im Kopenhagener Stadtteil Christianshavn. Dort hatte die Regierung über Jahrzehnte hinweg den Konsum so genannter weicher Drogen wie Haschisch und Marihuhana geduldet. Auf Druck der rechtsliberalen Regierung rissen die Haschischhändler im Jahr 2004 ihre Verkaufsstände ab, woraufhin der Haschischhandel nunmehr im Verborgenen stattfindet. Christiania mache mittlerweile immer mehr mit Drogenmissbrauch und anderweitiger Kriminalität von sich reden, schreibt Jyllands-Posten. "Die Christianiter haben sich über die Jahre hinweg derartig an eine schlaffe und ängstliche Haltung seitens der Behörden gewöhnt, dass ein beschlusskräftiger Mann wie Direktor Carsten Jarlov [von der Immobilienverwaltung] recht ungewohnt erscheint. Er hat angekündigt, dass das Fest ein Ende haben und es eine Reihe von Anzeigen gegen Privatpersonen in der so genannten Freistadt geben wird, wenn nicht ordentliche Verhältnisse in Übereinstimmung mit geltendem Recht geschaffen werden." (05.09.2008)

Dnevnik - Bulgarien | 04.09.2008

Bulgarische Rentner im Urlaub

Da der bulgarische Haushalt einen großen Überschuss aufweist, wollen die regierenden Sozialisten 5.000 Rentner gratis in den Urlaub schicken. Der Journalist Martin Dimitrov kommentiert in der Tageszeitung Dnevnik ironisch, wie man die Gewinner unter den 100.000 Rentnern aussuchen könnte: "Ich erlaube mir bescheidenerweise zwei Herangehensweisen vorzuschlagen: Man könnte das ganze Fotoarchiv von Demonstrationen der Kommunistischen und von der Sozialistischen Partei durchgehen und die aktivsten Teilnehmer heraussuchen. Meiner Meinung nach sollte die Teilnahme an mindestens drei Kundgebungen das Kriterium sein. Durch eine nationale Lotterie könnte man die andere Hälfte der Gewinner bestimmen. Dann bestünde ein weiteres Problem, nämlich wie man die Hotels bestimmen soll, die die Urlauber empfangen? Da erlaube ich mir einen weiteren Ratschlag an die Regierenden: Dies sollten die Hotels von den Geschäftsleuten sein, die schon auf der Schwarzliste für Veruntreuung von EU-Geldern stehen. Als eine Art Kompensation sozusagen, dass sie keine Hilfen mehr bekommen können." (04.09.2008)

Die Zeit - Deutschland | 28.08.2008

Der "FKK-Krieg"

Auf der Ostseeinsel Usedom ist im ersten Sommer nach dem Wegfall der Grenzkontrollen infolge des Beitritt Polens zum Schengener Abkommen ein Streit zwischen nackten deutschen Anhängern der "Freikörperkultur" (FKK) und polnischen Urlaubern ausgebrochen. Die Zeit berichtet von den Fronten des "FKK-Kriegs". "Das Adamskostüm ist älter als die Bademodenindustrie und die Strandordnung jünger als die Freikörperkultur. Was wir heute gern vergessen: Schon Goethe badete nackt, Bismarck badete nackt, und der königliche Badearzt Richard Kind aus Swinemünde warnte 1828 vorm Schwimmen in Beinkleidern, weil sie die heilsame Wirkung des Wellenschlags aufhöben. ... Der Badekrieg ist so alt wie das Badewesen. Ironie der Geschichte, dass jetzt ausgerechnet Swinemünde in den Ruf einer Spießerbastion gerät. ... Heute sieht man am Strand von Świnoujście keine Frauen oben ohne, aber massenhaft Angezogen-Ausgezogene. ... Es gibt kein Problem, aber es muss trotzdem gelöst werden. ... Bald werden Polen auf Polnisch vor nackten Deutschen gewarnt und die Deutschen auf Deutsch vor prüden Polen. An den Texten wird noch gefeilt." (28.08.2008)

De Telegraaf - Niederlande | 27.08.2008

Hausbesetzen soll verboten werden

Nach etwa 30 Jahren soll das legalisierte Besetzen von Häusern in den Niederlanden verboten werden. Das sieht ein Gesetzesvorschlag vor, den eine Mehrheit des Parlaments unterstützt. "Endlich", schreibt die Boulevardzeitung De Telegraaf: "Die Damen und Herren Hausbesetzer, die Gewalt nicht scheuen, die das Eigentum von anderen missbrauchen, die Unruhestifter aus anderen Ländern hierher holen, um Hausbesitzer und ganze Viertel zu terrorisieren, kriegen endlich den verdienten Lohn. Es hat viel zu lange gedauert. Dank der Unterstützung der Mitarbeiter der Stadtverwaltungen, von denen manche auch eine Vergangenheit in der Hausbesetzerwelt haben, konnten die Hausbesetzer jahrzehntelang ungestört schalten und walten. ... Es ist das Schlusskapitel einer schwarzen Seite der Geschichte, für die der Staat auch mitverantwortlich ist. Denn der große Leerstand von Wohnungen ist das Ergebnis der Misswirtschaft dieses Staates und für dieses Problem muss eine Lösung gefunden werden. Aber das Gesetz macht bald deutlich: Wer Häuser besetzt und wer Gewalt anwendet, kommt ins Gefängnis." (27.08.2008)

De Telegraaf - Niederlande | 26.08.2008

Überfall in Rom

Der gewalttätige Überfall auf zwei Niederländer in Rom hat dort zu einem politischen Streit geführt, nachdem der römische Bürgermeister den Opfern die Schuld zuschob. Die Boulevardzeitung De Telegraaf vermutet innenpolitische Gründe hinter der Schuldzuweisung: "Abgesehen von der Tatsache, dass die Gründe des Ehepaares, an dieser Stelle zu zelten, unbekannt sind, ist es absolut geschmacklos, diese Tragödie der Niederländer zu missbrauchen, um den eigenen politischen Vorgarten zu säubern. Selbstverständlich sind die beiden Verdächtigen, die inzwischen verhaftet wurden, völlig für ihr Handeln verantwortlich und niemand macht die Stadtverwaltung von Rom verantwortlich. Aber wenn der Bürgermeister nun mit 'eigener Schuld' kommt, hat er keinen blassen Schimmer von den Gefühlen der niederländischen Opfer, die um dieses Elend nicht gebeten haben. Wenn der Bürgermeister von Rom seine Wahlversprechen nicht erfüllt, muss er die unsichere Situation in seiner Region nicht auf zwei arglose Urlauber abschieben." (26.08.2008)

Tagesanzeiger - Schweiz | 20.08.2008

Umstrittenes Saufgelage

Ein von einem 17-jährigen Lehrling für Ende August geplantes Massenbesäufnis in Zürich, zu dem sich über das Internet tausende Trinkwütige angekündigt haben, erregt in der Schweiz die Gemüter. Die Stadtregierung überlegt, das Treffen zu verbieten. "Warum regt die seltsame Idee überhaupt auf?" fragt Der Tagesanzeiger. "Die Provokation liegt in der Sinnlosigkeit: Man verzichtet auf jeden intellektuellen Erklärungsversuch und reduziert eine Einladung in einer durchkommerzialisierten Event-Welt auf den Kern: das Saufen von Alkohol. ... Ein Verbot wäre die falsche Reaktion. Auf Provokationen sollte nicht überstürzt reagiert werden. Öffentlichkeit und Behörden müssen aber selbstkritisch beobachten, was wirklich passiert an diesem angekündigten Massenbesäufnis - und notfalls einschreiten. Lärm und Dreck sind längst nicht mehr das Problem sinnlos Saufender, sondern einer Gesellschaft, von der ein bestimmter Teil Höflichkeit und Stil abgelegt hat. Diese Wirklichkeit kann man mit der Polizei nicht aus der Welt schaffen." (20.08.2008)

De Standaard - Belgien | 18.08.2008

Wohnen mit dem Auto

Im Berliner Stadtteil Kreuzberg, dessen Bevölkerung zum großen Teil auf einem niedrigen sozialen Standard lebt, werden Luxuswohungen gebaut, die aus Sicherheitsgründen einen eigenen Parkplatz auf der Etage haben. Die Tageszeitung De Standaard kommentiert: "Warum ziehen Leute, die so viel Angst vor ihrer Umgebung haben, dass sie selbst nicht mehr von ihrem Auto zur Haustür laufen wollen, dann nicht einfach in ein anderes Viertel? Die Reichen brauchen Publikum, bewundernde und neidische Blicke. Sie fühlen sich extra geborgen wenn sie wissen, dass außerhalb ihrer 'gated community' die Wölfe auf der Lauer liegen. ... Der Lift für die Luxusautos kann fast fünf Tonnen heben. Also können auch gepanzerte Limousinen mit nach oben. Aber was geschieht, wenn der Lift besetzt ist oder noch schlimmer, kaputt? Dann ist man gezwungen, die Treppe nach unten zu nehmen und zu Fuß (ungeschützt) zwischen all den Bettlern und herumlungernden Jugendlichen ein Taxi zu suchen. Auf einmal ist man dann wieder Mensch zwischen den Menschen und man braucht Vertrauen." (18.08.2008)

La Repubblica - Italien | 18.08.2008

Verkannte Italiener

Der britische Schriftsteller und Fernsehproduzent John Lloyd antwortet in der Tageszeitung La Repubblica auf den Vorwurf der britischen Tageszeitung The Independent, in Italien gäbe es nur noch Verbote. "Es fällt mir schwer zu glauben, dass meine illustren Kollegen vom Independent von dem selben Italien sprechen, das ich kenne. ... Großbritannien legt im Gegensatz zu Italien, wo soziale Titel, Ränge und Höflichkeitsformen noch verwurzelt sind, häufig ein eher konfuses Verhalten im sozialen Umfeld an den Tag. ... Das Herausstellen von bürokratische Regeln oder sozialen Vorschriften, die jede Form des Vergnügens verbieten, bedeutet, die italienische Gesellschaft total zu verkennen . Der Gemeinplatz, die Italiener seien Frohnaturen, hat seine Richtigkeit. ... Wir beneiden die Italiener oft um ihre Fähigkeit zum Spiel, zur Theatralik. Es mag wahr sein, dass die Regeln die Gesellschaft lenken und auch behindern, aber selten auf lange Zeit. In Italien ist der Drang zum Vergnügen stärker." (18.08.2008)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland | 18.08.2008

Eiertanz mit dem Dalai Lama

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bezeichnet den Umgang französischer Spitzenpolitiker mit dem Besuch des Dalai Lamas in Frankreich als einen "erbärmlichen Eiertanz. ... Staatspräsident Sarkozy, der sich nicht das Atomgeschäft mit China verderben lassen will, stellte dem tibetischen Religionsführer ein Treffen mit seiner Gattin in Aussicht. Und Außenminister Kouchner, der in der Vergangenheit immer wusste, was Menschenrechte sind, ließ ausrichten, er habe keine Zeit für den Dalai Lama. Diese Gelegenheit ließ Ségolène Royal natürlich nicht verstreichen. Die gescheiterte sozialistische Präsidentschaftskandidatin, die während ihres Wahlkampfes noch ganz andere Töne hatte hören lassen, empfing den Dalai Lama. Und mit einem Mal hat auch Bernard Kouchner vielleicht doch wieder Zeit. Der Dalai Lama macht derweil tapfer gute Miene zum unwürdigen Spiel. Er ist es ja gewohnt, dass seine Gegenwart zu Verspannungen bei Politikern führt." (18.08.2008)


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