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20.07.2008

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Medien

MEDIEN

Delo - Slowenien | 16.07.2008

Kontroverses Cover

Auf dem aktuellen Titelblatt des Magazins New Yorker ist der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama als muslimischer Extremist abgebildet, was in den US-amerikanischen Medien für Empörung gesorgt hat. Aus diesem Anlass setzt sich die Tageszeitung Delo mit der Rolle der heutigen Medien auseinander. "Es ist traurig für den aussterbenden Beruf des Journalismus, dass nur noch Satire über die wirklich ernsten Probleme in der Gesellschaft spricht, worüber die so genannten ernsten Medien, die nur noch Anzeigeblätter für die Interessen ihrer Besitzer sind, nicht mehr berichten. ... Anstatt das geplant produzierte Vorurteil zum journalistischen Hauptthema zu machen ... haben sich alle auf das Magazin gestürzt, das es wagte dieses Stereotyp abzubilden. ... Doch seit auch die Berater um Obama, der als Kandidat für Veränderungen steht, das Titelblatt des New Yorkers ... verurteilten, stellt sich dem neutralen Beobachter des amerikanischen Wahlkampfwahnsinns die Frage: Wo verstecken sich [eigentlich] die Veränderungen." (16.07.2008)

Dilema Veche - Rumänien | 11.07.2008

Auf Wiedersehen, BBC!

Seit 1939 unterhält die britische BBC ein rumänisches Länderprogramm, nun soll es zum 1. August einstellt werden. Der ehemalige BBC-Mitarbeiter Petru Clej schaut in der Wochenzeitung Dilema Veche mit Wehmut zurück: "Mit dem Einstellen der rumänischen BBC-Sendungen verschwindet ein Symbol. Für die Älteren ist es eine Erinnerung an die Kriegszeiten, als Radio London der Desinformation von Hitler und Antonescu ein wenig Wahrheit entgegensetze. In der Zeit des 'Kalten Krieges', die wesentlich länger dauerte, zerbrach die BBC aufs Neue die Informationsblockade eines totalitären Regimes, diesmal des kommunistischen. … Nach der Wende erreichte der rumänische Landesdienst sogar die größte Popularität, so hörten 1999 rund 16 Prozent der rumänischen Erwachsenen die Sendungen. … Die BBC war in Rumänien ein Modell, wie öffentliche Meinung gebildet werden kann: Ein nüchterner, unparteiischer Journalismus, der keinesfalls auf schrille Töne oder wie die rumänischen Medien auf lebendige aber inhaltslose Pamphlete setzte. … Auf Wiedersehen BBC, Du wirst uns fehlen!" (11.07.2008)

Večer - Slowenien | 09.07.2008

Medialer Machtmissbrauch in Frankreich

Frankreichs Staatspräsident Sarkozy hat angekündigt, den Präsidenten der Vereinigung öffentlicher Fernsehanstalten künftig selbst zu ernennen. "Sogar einige Minister der französischen Regierung stehen der Ankündigung skeptisch gegenüber. ... Sarkozys Strategie ist simpel. Er will das öffentliche Fernsehen und dessen 3.000 Beschäftigte schwächen. Der [private] Kanal TF1, der im Besitz von Martin Bouyguesa, einem engen Freund Sarkozys, ist, hat letztes Jahr viele Zuschauer verloren. Indem Sarkozy die Finanzmittel des öffentlichen Fernsehens kürzt, hilft er seinen Freunden [des Privatfernsehens]. ... In einem Land, in dem Politiker und Medien bereits sehr enge Kontakte pflegen, stellt die Änderung im öffentlichen Fernsehen eine Art Machtmissbrauch dar und Frankreich wird sich dem Italien des Medienmoguls Silvio Berlusconi annähern." (09.07.2008)

Gazeta Wyborcza - Polen | 30.06.2008

Maulkorb für belarussische Medien

Im autoritär regierten Belarus hat das Parlament eine Verschärfung des Mediengesetzes beschlossen: Erstmals ist nun auch für alle Online-Medien und Blogs eine Zulassung durch das Informationsministerium erforderlich. Die linksliberale polnische Tageszeitung Gazeta Wyborcza meint, alle Hoffnungen auf eine Demokratisierung von Belarus seien unbegründet. "Europäische, darunter auch polnische Politiker, überlegten neulich, ob man den Umgang mit [Staatspräsident Alexander] Lukaschenko nicht ändern solle: Abstand nehmen von der Politik der Sanktionen und anfangen, Belarus in den europäischen Orbit zu holen - unter der Bedingung, dass der Diktator die Repressionen gegenüber der Opposition und den Medien lockert. Mit dem 'Maulkorb-Gesetz' antwortet Lukaschenko eindeutig und zynisch auf diese Ideen. Zum wiederholten Mal beweist er zudem, dass man unter seiner Regierung mit keinerlei positiven Veränderungen in Belarus rechnen kann." (30.06.2008)

Trouw - Niederlande | 27.06.2008

Europäische Medien in der Pflicht

Die Europamüdigkeit der Niederländer ist nach Ansicht der Tageszeitung Trouw auch eine Folge des mangelnden Interesses der Medien: "Das Fernsehen passt zu kurzen, eigenständigen Ereignissen, schnellen Zitaten, heftigen Bildern, Emotionen, Vereinfachung und Wiedererkennung. Alles Eigenschaften, die nicht zur EU passen. ... Die EU ist langweilig und träge und dennoch müssen die Bildmedien ihrer Verantwortung nachgehen und mit ihrer Kreativität dagegen angehen. Fernsehmacher haben natürlich Angst, Zuschauer zu verlieren. Die sind auch bei den öffentlichen Rundfunkanstalten heilig. Und doch kann man wichtige EU-Nachrichten bringen. ... Nachrichtenprogramme müssen vor allem kreativ werden und deutlich machen, wo die komplizierte Gesetzgebung aus Brüssel sichtbar wird. ... Warum soll man eine ganze Redaktion von 20 Leuten in Den Haag auf die Scharmützel um die Eine-Person-Fraktion von Rita Verdonk ansetzen und keinen einzigen auf die Brüsseler Pläne für die freie Marktwirtschaft?" (27.06.2008)

Romania Libera - Rumänien | 27.06.2008

Quote für gute Nachrichten

Das rumänische Parlament in Bukarest stimmte für eine Gesetzesvorlage, nach der Nachrichtenprogramme im Fernsehen und im Radio in gleichem Maße positive wie negative Meldungen enthalten müssen. Für die Zeitung Romania Libera ist dies eine schlechte Nachricht: "Es ist eine Beleidigung für die Medienkonsumenten, dass man meint, der sorgfältige Arm des Gesetzes könnte uns gegen 'schlechte' Nachrichten verteidigen. Schlecht für wen? Für die Gesellschaft? Für einen Oligarchen? Professionell gemachte Nachrichten geben die Realität wieder - ungeschminkt. Nachrichten, die ausschließlich gut oder sehr gut waren, hatten wir in der kommunistischen Zeit. ... Die Medien über ein Gesetz zu manipulieren, dass die ideale Verteilung zwischen Gut und Schlecht regelt, wäre für eine demokratische Gesellschaft die dümmste Nachricht." (27.06.2008)

Kultura 2.0 Blog - Polen | 24.06.2008

Mehr Transparenz in Blogs?

Mehrere EU-Abgeordnete haben mehr Transparenz bei Autoren und der Finanzierung von Weblogs gefordert und ein Gütesiegel vorgeschlagen. Hintergrund ist ein Bericht über die Konzentration und den Pluralismus der Medien in der EU, in dem die Unabhängigkeit und Verlässlichkeit von Blogs angezweifelt werden. Der Blog Kultura 2.0 des linksliberalen Nachrichtenmagazins Polityka lehnt einen Zwang zur Transparenz ab. "Ein natürliches Gegenargument ist doch, dass Blogs auf diese Art und Weise automatisch an die traditionellen Massenmedien angeglichen werden. Für die meisten Blog-Autoren wird das Einhalten solcher Vorschriften kein Problem sein, auch jetzt schon versteckt ein Teil von ihnen seine Identität nicht. Aber diese Vorschrift kann verhindern, dass in Blogs Informationen bekannt werden, die dort eben wegen des anonymen Charakters auftauchen. Ich denke also, dass ein einheitliches System der Kennzeichnung von Blogs keine schlechte Idee ist, sie sollte aber nicht obligatorisch werden." (24.06.2008)

Gazet van Antwerpen - Belgien | 25.06.2008

Hasskampagnen französischsprachiger Medien

Im belgischen Streit zwischen Flamen und Wallonen werden nun vor allem die französischsprachigen Medien kritisiert. Flämische Politiker haben Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet. Zurecht, findet die Zeitung Gazet van Antwerpen: "Regelmäßig werden auch Begriffe wie ethnische Säuberung, Nazis und Hitler in den Mund genommen, wenn es um die nördlichen Einwohner von Belgien geht. ... Jedes Jahr fließen zwischen vier und sechs Milliarden Euro von Flandern nach Wallonien. ... Das einzige, was wir dafür haben wollen, ist Respekt vor der Sprachgrenze und mehr Autonomie für unsere Regionen. ... In keinem anderen Staat der Welt gibt ein Teil so viel von seinem Reichtum an die Nachbarn ab. Nirgendwo sonst ist die Undankbarkeit größer als hier. ... Aber woher kommt das extrem negative Bild, das die Französischsprachigen von Flandern haben? Die Erklärung müssen wir zum großen Teil in der Art und Weise suchen, wie die Medien über uns schreiben, reden und urteilen. ... Sie streuen falsche Informationen und hetzen auf." (25.06.2008)

Lidové noviny - Tschechien | 25.06.2008

Anti-österreichische Karikaturen

Die konservative Tageszeitung Lidove noviny empört sich über anti-österreichische Karikaturen in der Wochenzeitung Reflex aus Prag. Die Österreicher wurden dort als Kreuzung aus Sudetendeutschen und böhmischen Putzfrauen dargestellt, die schlimmere Nationalsozialisten als die Deutschen gewesen seien und sich nach dem Krieg als deren erste Opfer geriert hätten. Heute stünde für das Wesen der Österreicher ein Verbrecher wie der Sexualstraftäter Josef F. "Diese Karikaturen sind schamlos. ... Österreichs Haltung zum deutschen Nationalsozialismus ähnelt der tschechischen Haltung zum Bolschewismus wie ein Ei dem anderen. Tschechische Politiker nutzten - nicht sehr tapfer - den Zweiten Weltkrieg dazu, ihre deutschen Mitbürger zu bestehlen und aus dem Land zu vertreiben. ... Und während bei den Wahlen in der CSR 1946 die Kommunisten 38 Prozent bekamen, waren es ein Jahr davor unter größerem politischen Druck in Österreich nur 5,5 Prozent." (25.06.2008)


 

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