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Wirtschaft

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WIRTSCHAFT

Gazeta Wyborcza - Polen | 18.07.2008

Populismus im Streit um polnische Werften

Den drei polnischen Werften droht die Schließung, weil die EU-Kommission wegen fehlender Sanierungspläne über eine Milliarde Euro an Fördergeldern zurückfordert. Die linksliberale Tageszeitung Gazeta Wyborcza kritisiert die Schuldzuweisungen der Werftarbeiter und der polnischen Opposition gegenüber der EU und der Regierung. "Wir sind in der EU, aber wir bleiben immer noch Polen. Wenn es also zur Schließung der Werften kommt, beginnt sofort eine Abrechnung und die Suche nach Schuldigen. Es geht um Emotionen und Populismus, aber nicht um Fakten. Wütende Werftarbeiter werden nach Warschau kommen und behaupten, dass sie nie irgendwelche öffentliche Hilfe bekommen hätten. ... Es wird der Rücktritt des jetzigen Schatzministers gefordert, obwohl eine viel größere Verantwortung bei den vorherigen Regierungen liegt, die jahrelang keine Lösung für das Problem gefunden haben. Es werden Anklagen an die Adresse der Kommission erhoben, die angeblich an der Leine westeuropäischer Werften hängt. ... Das Problem der Werften ist indes viel trauriger. Es geht vor allem um die Unfähigkeit, sich der verändernden Wirklichkeit anzupassen." (18.07.2008)

Maaseudun Tulevaisuus - Finnland | 18.07.2008

Durchbruch für die Doha-Runde?

Die Tageszeitung Maaseudun Tulevaisuus schreibt über Hoffnungen und Erwartungen an die am Montag beginnenden Verhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf. "Die Doha-Runde geht bereits ins achte Jahr. ... In den letzten Monaten wurden kaum Fortschritte gemacht, ganz zu schweigen von einem Durchbruch. ... Es wäre natürlich mehr als wünschenswert, dass endlich eine Vereinbarung zu Stande kommt. ... Die Liberalisierung des Agrarhandels spielt eine entscheidende Rolle. ... Die Situation wird nicht einfacher durch die Tatsache, dass Lebensmittel weltweit immer mehr zur Mangelware werden. ... Es müssen gut überlegte Anstrengungen unternommen werden, ... in den armen Ländern eine eigene Nahrungsmittelversorgung auf die Beine zu stellen. ... Beim Fleischhandel ist der Schutz inländischer Verbraucher ... vor Krankheiten durch nicht-europäische Billigimporte dringend geboten. Andernfalls kann die Doha-Runde für die einheimische Nahrungsmittelproduktionskette schlimme Folgen haben." (18.07.2008)

Les Echos - Frankreich | 17.07.2008

Angst vor der Inflation

Ganz Europa leidet unter der steigenden Inflation. Die Wirtschaftszeitung Les Echos geht auf die verschiedenen Aspekte der französischen Debatte ein: "Eines steht fest: Die Rückkehr der Inflation hat die Funktionsweise der Wirtschaft schon verändert und wird dies auch weiterhin tun. ... Die schlechte Nachricht ... ist, dass die Großindustriellen, die bisher die Preissteigerungen der Rohstoffe 'bestimmt' haben, ihre Ansichten ändern. Der Chef von Renault-Nissan Carlos Ghosn ist nicht der einzige - er kündigte an, dass die Preise für seine Autos steigen werden. ... Nach den Ferien wird sich auch die Lohnfrage wieder stellen. Viele Chefs wissen, dass die Gewerkschaften [von der Inflation] profitieren wollen, ... um erhebliche Gehaltserhöhungen durchzusetzen. Die gute Nachricht ist, dass in der Debatte wenigstens niemand von den angeblichen Vorteilen der Inflation redet. ... Die Schlussfolgerung ist zwar nicht sehr befriedigend, aber sie ist kaum anzuzweifeln: Wie seine Nachbarn ist Frankreich dazu gezwungen, damit zu leben." (17.07.2008)

I Kathimerini - Griechenland | 17.07.2008

Umgeleitete Subventionen

Die EU hat damit gedroht, die Agrarsubventionen für Griechenland um zehn Prozent zu reduzieren, weil die griechische Regierung nicht nachweisen kann, dass das Geld wirklich den Bauern zugute kommt. Die Tageszeitung I Kathimerini kritisiert den fehlerhaften Umgang mit den Subventionen: "Wir haben uns daran gewöhnt, täglich zu lesen, dass die EU wegen Missachtung der EU-Regeln Geldbußen [von Griechenland] verlangt. Griechenland bezahlt einen hohen Preis für die ungenügende Funktion der staatlichen Mechanismen, die Korruption auf allen Ebenen und die Unfähigkeit der jeweiligen Regierungen, die sich nicht überwinden können, an die politischen Konsequenzen zu denken. ... Alle Regierungen wussten von dem Problem mit den Subventionen, entschieden sich aber, jahrelang einfach die Geldbußen zu bezahlen. ... Sie zogen es vor, ein unzulängliches System ... zu bewahren, statt sich zu trauen, es zu modernisieren." (17.07.2008)

Sydsvenska Dagbladet - Schweden | 17.07.2008

Gegen Preisregulierung in der EU

Nach der Senkung der Roaming-Preise für Mobiltelefonie hat die EU-Kommission mitgeteilt, die Preise für SMS-Nachrichten europaweit zu regulieren. "Es ist in Ordnung, dass die EU-Kommission Verbraucherinformation und Preistransparenz fordert, aber es kann nicht ihre Rolle sein, Preise in einem Binnenmarkt zu regulieren", meint die Tageszeitung Sydsvenska Dagbladet. "Auch wenn es auf den ersten Blick positiv erscheint, dass Preise gesenkt werden sollen, kranken diese Preisregulierungen, woran alle Preiseingriffe kranken: Preise werden nicht von der Politik, sondern vom Markt diktiert. Die Rolle der EU ist es, sich nicht in Preispolitik einzumischen. Sonst könnte sie ja auch Preise für Taxis, Friseure und anderes festlegen. Das wäre ein planwirtschaftlicher Eingriff, der das Zusammenspiel von Investitionen, Wettbewerb und Innovation außer Kraft setzen würde. Daher 'Ja' zu den Spielregeln für den Binnenmarkt und 'Nein, Danke' zur Preisregulierung." (17.07.2008)

Cinco Días - Spanien | 17.07.2008

Welche Fluglinie überlebt?

Der steigende Erdölpreis habe vor allem die Fluglinien in Bedrängnis gebracht, schreibt die Wirtschaftszeitung Cinco Días und spekuliert über die mittelfristige Zukunft der Branche: "Es ist noch zu früh, um zu wissen, wer diese Kraftprobe gewinnt, auf die der Markt eingestellt wird. Aber logisch wäre ein intensiver Konzentrationsprozess, der für etwa drei oder vier große Airlines Platz lässt, sowie für den ein oder anderen Billiganbieter, sofern die Ölpreise wieder eine vernünftige Höhe erreichen. Die Position auf dem lateinamerikanischen Markt muss die Waffe sein, mit der [die spanische Fluglinie] Iberia ihr Projekt am Leben erhält und gestärkt aus dem sich verstärkenden Wettbewerb hervorgeht." (17.07.2008)

Les Echos - Frankreich | 16.07.2008

Ein Gas-Riese entsteht

Die Wirtschaftszeitung Les Echos kommentiert die lang erwartete Fusion der französischen Energieunternehmen Gaz de France (GDF) und Suez: "Die Geburt dauerte lange und war bis zu Ende keineswegs gesichert. Doch die Wehen werden nicht umsonst gewesen sein. Das Konsortium GDF-Suez, das soeben geboren wurde, wird nichts von einem Kind haben, das erst laufen lernen muss, aber alles von einem erwachsenen Unternehmen des Weltmarkts, das vom ersten Tag an Einfluss auf ein strategisches Umfeld haben wird. Die Aktionäre, die miterlebten wie das Aktienkapital seit der Fusionsankündigung um 65 Prozent anschwoll, sind nicht die einzigen, die sich freuen. Zu einer Zeit, in der die Energiepreise explodieren, wird die Fusion von Suez und GDF sicher keine kurzfristigen positiven Auswirkungen auf die Monatsrechnungen der Kunden ... haben. ... Das Gas wird teuer sein, aber wenigstens wird es Gas geben! Als Riese in einer Welt der Giganten wird das Tandem GDF-Suez nicht nur über eine stabilere Basis an Zulieferern verfügen, sondern auch besser mit Titanen wie Gazprom über Lieferungen verhandeln ... können. ... In der Kraftprobe, die sich zwischen Gasproduzenten und Zwischenhändlern anbahnt, zählt die Größe. Die französischen Kunden dürften ... davon profitieren." (16.07.2008)

Kapital - Bulgarien | 16.07.2008

Falsche Subventionszahlungen

In Bulgarien wächst die Besorgnis, dass man bislang die Voraussetzungen für Agrarhilfeempfänger falsch verstanden und erfüllt hat. Denn erst jetzt stellte sich heraus, dass Antragsteller, die Subventionen für mehrere Firmen empfingen, die Vorschriften verletzt haben. Die Wochenzeitung Kapital kommentiert: "In bis zu 30 Prozent der Fälle hat eine Person mit einer Beteiligung an verschiedenen Firmen mehrmals Subventionen erhalten. Falls es in diesem Punkt zu Sanktionen kommen würde, wären alle großen Unternehmer im Bereich der Fleisch-, Fisch-, und Milchverarbeitung betroffen. Das schlimmste Szenario schließt auch die Rückzahlung von Subventionen ein. ... Auch wenn Brüssel die Entwicklungen in Bulgarien zu kritisch verfolgt, gibt es gute Gründe dafür. Denn Sofia wurden bei 14 Wirtschaftsprüfungen Empfehlungen gemacht, die niemand beachtet hat. Wären sie befolgt worden, wären vor einiger Zeit nicht 125 Millionen Euro im Rahmen des [EU Beitrittsprogramms] SAPARD eingefroren worden." (16.07.2008)

The Irish Independent - Irland | 16.07.2008

Irland muss den Euro aufgeben

Angesichts der drohenden Rezession in Irland macht sich der Wirtschaftswisenschaftler David McWilliams Gedanken, ob es nicht besser wäre, die Eurozone zu verlassen. "Wenn ein Ökonom vom Mars in Irland landen würde, sähe er sofort, dass Irland in einem Währungsarrangement gefangen ist, das unsere Rezession viel stärker macht als nötig. Das ist ein ökonomischer Fakt, kein politischer Slogan. Der Euro ist jetzt Teil des Problems, nicht Teil der Lösung. ... Wir befinden uns in der bizarren Situation, unsere Wirtschaft nicht ankurbeln zu können, indem wir Geld drucken oder Schulden machen. ... Daraus resultiert, dass in den nächsten Jahren die Arbeitslosigkeit viel höher steigen und die Hauspreise viel tiefer fallen werden als nötig. ... Wenn sich eine Volkswirtschaft im Sturzflug befindet, ist es die demokratische Verantwortung einer gewählten Regierung, etwas dagegen zu unternehmen. In schlechten Zeiten müssen Ideen in Betracht gezogen werden, die in 'normalen' Zeiten als extrem gelten." (16.07.2008)

El Mundo - Spanien | 16.07.2008

Spanische Immobilienblase geplatzt?

Die größte spanische Immobiliengruppe Martinsa-Fadesa hat Insolvenz angemeldet. An den Börsen hat die Nachricht einen Domino-Effekt der Bau- und Immobilienbranche ausgelöst. Angesichts der Insolvenzerklärung fordern einige Politiker Hilfen vom Staat. Die Tageszeitung El Mundo spricht sich dagegen aus: "Martinsa-Fadesa ist die Immobiliengruppe mit den meisten bebauten Quadratmetern (28 Millionen) in diesem Land und besitzt 170.000 Wohneinheiten, die sich im Bau befinden. ... Experten befürchten, dass Martinsa nur die erste Bankrotterklärung in einer langen Reihe von weiteren in diesem Sektor ... ist. ... Eine der Fragen, die analysiert werden muss, ist die sündhafte Beziehung zwischen Immobiliengruppen und Geldinstituten, die große Summen Geld für Firmen zur Verfügung stellten, deren Solvenz zweifelhaft war. ... Es gibt keine Rechtfertigung, dass die Regierung nun einem Sektor finanziell unter die Arme greift, der mit so wenig Transparenz gehandelt hat." (16.07.2008)


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