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WIRTSCHAFT

Financial Times Deutschland - Deutschland | 12.08.2008

Robuster Abwärtstrend

Der Konflikt im Kaukasus hatte bis jetzt nur wenig Auswirkungen auf den Ölpreis. Die Financial Times Deutschland erklärt dies mit konjunkturellen Faktoren. "Stell dir vor, es ist Krieg - und der Ölpreis zuckt nur müde. ... Wie sehr sich die Grundstimmung an den Rohstoffmärkten gedreht hat, lässt sich an den bisherigen Reaktionen auf die Krise in Georgien erkennen: Rohöl verteuerte sich ... zwar ein wenig, die Bewegung blieb aber im Rahmen einer technischen Korrektur nach dem steilen Preisverfall der vergangenen Wochen. Würde der Markt nach Argumenten für steigende Preise gieren, dann hätten die Kämpfe im Kaukasus die Notierungen sofort nach oben katapultiert. ... Während der wilden Ölhausse in der ersten Jahreshälfte sorgten schon kleinste Meldungen über Unruhen in Nigeria oder Pannen in Venezuela für heftige Preisreaktionen. ... Weitet sich die Kaukasuskrise aus und geraten Öllieferungen ernsthaft in Gefahr, dann wird das auch an den Ölmärkten nicht spurlos vorübergehen. Die verhaltene erste Preisreaktion zeigt aber, dass der Abwärtstrend der vergangenen Wochen ziemlich robust ist." (12.08.2008)

Le Figaro - Frankreich | 12.08.2008

Verantwortung der EZB

Die Tageszeitung Le Figaro analysiert die Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) in der aktuellen weltweiten Wirtschaftskrise: "Wenn man ein weiteres Zeichen brauchte, um die letzten Skeptiker von der beschleunigten Verschlechterung der französischen Wirtschaft zu überzeugen, wird dies durch einen spektakulären Rückgang der Industrieproduktion im zweiten Quartal geliefert. ... Frankreich, aber auch ganz Europa, befindet sich am Rande einer Rezession. ... Die Amerikaner, durch das Platzen der Immobilienblase auf die Knie gezwungen, haben ihre Übel in andere Volkswirtschaften exportiert. ... Gerade in einer Zeit, in der die französische Industrie ihre Abrechnung macht, ist es schwierig, die perversen Effekte des starken Euros zu verschweigen. ... Der Währungsmarkt ist kein betrunkenes Schiff, das allein den Mächten der internationalen Großfinanz überlassen wird. Seine Führung hängt auch mit der von den zentralen Banken ... umgesetzten Währungspolitik zusammen. Nun da der Euro ein Niveau hält, das für die europäische Industrie schwer erträglich ist, und das Wachstum zurückgeht, muss sich die EZB ihrer Verantwortung stellen." (12.08.2008)

Expresso - Portugal | 11.08.2008

Die Welt nimmt keinen Urlaub

Ganz Europa befindet sich in den Ferien. Doch ohne einen intensiveren Arbeitsrhythmus wird Europa den Wettbewerb mit China und Indien verlieren, so die Wochenzeitung Expresso: "Es ist beeindruckend zu sehen, wie ein ganzer Kontinent in den Urlaub geht. Das Problem ist, dass der Rest der Welt keinen Urlaub nimmt und auch nicht darauf wartet, dass Europa im September wieder die Arbeit aufnimmt. Während sich die Europäer sonnen, arbeiten die koreanischen Ingenieure und die indischen Informatiker weiter. Wenn die Europäer wieder zur Arbeit zurückkehren, werden sie feststellen, dass sie Kunden verloren haben. Die sind logischerweise nicht dazu bereit, einen Monat zu warten. ... Angesichts dieser Situation sprechen die Europäer von einer Wirtschaftskrise. Aber es gibt keine Krise. Die Wahrheit ist, dass der Rest der Welt angefangen hat, ernsthaft zu arbeiten und nun mit Europa konkurriert. Der aktuelle europäische Lebensstil (ein Job fürs Leben, 14 Gehälter für elf Monate Arbeit und langer Sommerurlaub, der das Land stilllegt) hat seine Wurzeln in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Dieser gemütlicher Lebensstil war möglich, weil Europa keine Konkurrenz hatte. ... Heute dringen China und Indien in den europäischen Markt ein. Unser Lebensstil passt nicht mehr zu dieser Welt, die von einem aggressiven Wettbewerb dieser beiden Mächte beherrscht wird. ... Europa muss einsehen, dass ein intensiverer Arbeitsrhythmus eingeführt werden muss. ... Wollen die Europäer Urlaub haben oder Macht?" (11.08.2008)

Les Echos - Frankreich | 11.08.2008

Das Stagflationssyndrom

Die Tageszeitung Les Echos analysiert das Phänomen der "Stagflation", das nun auch in Europa spürbar wird: "Die Symptome wurden in den letzten Wochen immer zahlreicher. Nun gibt es kein Zweifel mehr: Europa wurde nun seinerseits vom Syndrom der Stagflation erwischt. Großbritannien und Italien waren die ersten Betroffenen. Alle Hauptstädte bis auf Berlin bereiten sich jetzt vor, ihre Fehler zu einzugestehen. Nachdem man vor einem Jahr träumte, dass die 'Subprime-Krise' sich auf das amerikanische Immobiliengeschäft beschränken würde, ... setzt sich nun die Wirklichkeit durch. ... Sicher soll man nicht dramatisieren und denken, dass die Rezession unvermeidbar ist. ... Die Gefechtspause über die Euro-Dollar-Parität und die Rohstoffe muss aber fortbestehen, in diesen unsicheren Zeiten, in denen der kleinste Funke alle Pulvertürme in Brand setzt. Die Konfrontation zwischen Russland und Georgien über Südossetien ist die bedenklichste Mahnung daran - vor den Toren Europas." (11.08.2008)


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