05.07.2009
In seinem Werk 'Blendende Aufklärung' ('Aveuglantes Lumières') geht der französische Philosoph Régis Debray mit einigen Begriffen, die für das europäische Denken im 18. Jahrhundert grundlegend waren, hart ins Gericht. Im Gespräch mit William Bourton erklärt er, warum "Europa ein Traum ist, der sich langsam in Luft auflöst... Offenkundig hat Europas Begeisterungsfähigkeit ihren Tiefpunkt erreicht. Gleiches gilt für Europas Fähigkeit, auf wirtschaftliche und politische Dinge Einfluss zu nehmen. Ist dieser rationalistische und technokratische Traum nicht ein Kind der Aufklärung? Diese Frage kann man durchaus stellen. Die Vorstellung, dass die Vernunft die Fähigkeit zur Einheit ist, dass wirtschaftliche und technische Vernunft die nationalen Kulturen zunichte machen wird, dass 'die Wirtschaft sauber, die Politik aber schmutzig ist', dass es zwischen den Nationen keine unüberwindbaren Konflikte gibt, dass man zu einer gemeinsamen Sprache finden kann... All diese Postulate ignorieren die historische Tatsache, dass sich Identität immer 'gegen' etwas bildet. Man setzt sich, indem man sich widersetzt. Was für Individuen gilt, gilt ebenso für Nationen und sogar für Staatenbunde."
» weiterführende Informationen (externer Link, französisch) Mehr aus der Presseschau zu den Themen » EU-Politik, » Philosophie, » Europa Alle verfügbaren Texte von » Régis Debray
» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 2. Januar 2007
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