05.07.2009
Vor 90 Jahren beendete ein Waffenstillstand den Ersten Weltkrieg in Belgien. Der Historiker Marc Hooghe plädiert in der Tageszeitung De Morgen für ein würdiges Gedenken und fordert Flamen und Wallonen auf, nationalistische Argumente aufzugeben: "Jede Gesellschaft entwickelt und benutzt Rituale, um die Toten teilweise am Leben zu erhalten. Eine der Passagen des Trojanischen Krieges, welche die stärksten Rachegefühle auslöst, ist die Misshandlung von Hektors Leiche. Aufgrund unserer nationalistischen und politischen Konflikte bringen wir den damals Gefallenen ebenso wenig Achtung entgegen. Das ist umso empörender, weil gerade der deutsche Angriff auf das neutrale Belgien im August 1914 eine Welle der internationalen Solidarität auslöste. Die Empörung über die deutschen Kriegsverbrechen auf belgischem Boden, unter anderem in Aarschot, Löwen und Dinant, sorgte dafür, dass sich Tausende Briten freiwillig zur Armee meldeten. Viele von ihnen überlebten das nicht. Auf die internationale Solidarität antworteten wir mit wenig Dankbarkeit, weil wir offenbar zu sehr mit dem Austragen unserer eigenen nationalistischen Konflikte beschäftigt sind. ... Die Menschlichkeit wird aber erst dann möglich, wenn wir der Opfer beider Kriege gedenken als das, was sie waren: normale Menschen, die vielleicht gegen ihren Willen in einen mörderischen Konflikt verwickelt worden sind. Dabei ist es eigentlich unwichtig, ob sie französisch oder niederländisch sprachen."
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» zur gesamten Presseschau vom Montag, 10. November 2008
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